Kein Hollywood, kein Blockbusterkino…
Europäische Filme – Gegen den Strom
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What is EU watching? – Ein kurzer Exkurs Bild:fufu
What is EU watching? – Ein kurzer Exkurs

Kino. Für amerikanische Cineast*innen ist der Terminus „European Movie“ häufig äquivalent zum Kunstfilm. Doch es steckt so viel mehr hinter Kino aus Europa.

Das europäische Kino hat viel dazu beigetragen, wie Filme heutzutage weltweit aussehen und wie sie sich anfühlen. Schon in den frühen Anfängen der Filmgeschichte, beispielsweise durch Filmemacher*innen wie dem französischen Regisseur und Illusionisten Georges Méliès mit „Le Voyage dans la Lune“ (1902) oder dem deutschen Regisseur Fritz Lang mit „Metropolis“ (1927) wurden Pionierwege des Science-Fiction-Films eingeschlagen und auf die Leinwand gebracht. Doch es gab eine Vielzahl von Wegbereiter*innen, die sich abseits des Filmstudio-Systems, das in den Vereinigten Staaten von Amerika schnell handelsüblich war und mit großen Budgets arbeitete, entwickelt haben. Im Jahr 1946 erlebte der europäische Film sein großes Aufleben: Der zweite Weltkrieg war vorüber und somit auch die Zensur durch das NS-Regime. Zunächst begann daraufhin in Italien der erste große Schritt der Nachkriegs-Filmbewegungen mit dem Neo-Realismus. Eines der bekanntesten Beispiele dieser Zeit dürfte der Film „Rome: Open City“ von Roberto Rossellini darstellen. Innerhalb seines Films wird ein Italien gezeigt, das nach wie vor unter der Besatzung der Nazis steht. Dafür nutzte Rossellini die vom zweiten Weltkrieg gezeichnete und zu großen Teilen zerbombte Hauptstadt Italiens als Drehort und zeigte damit die harte Realität, vor der man nach dem Krieg stand.

Eine weitere sehr wichtige Bewegung war die französische Nouvelle Vague der 50er Jahre, aus der Regisseur*innen wie Francois Truffaut, Alain Resnais, Jean-Luc Godard, Agnés Varda oder Chris Marker hervorgingen. Auch ihre Filme zeichneten sich dadurch aus, dass sie ohne größere Studios im Rücken und mit kleinen Budgets arbeiteten, dafür allerdings die Visionen der einzelnen Regisseur*innen in den Vordergrund rückten. Bis heute zählt das französische Kino zu den beliebtesten und kann mit Titeln wie „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (2001), „The Artist“ (2011) oder „Ziemlich beste Freunde“ (2011) immer wieder internationale Erfolge feiern. Wer beispielsweise das US-amerikanische Remake „Mein Bester und Ich“ (2016) gesehen hat, kann ganz bestimmt nicht abstreiten, dass den französischen Filmen ein Charme innewohnt, der nicht ohne weiteres kopiert werden kann.
Auch das Vereinigte Königreich darf mit stolzen Vertretern wie den Monty Python-Filmen, Edgar Wrights Cornetto-Trilogie oder dem wohl bekanntesten Spion der Kinoleinwände (die Rede ist selbstverständlich von James Bond) in der europäischen Filmgeschichte natürlich nicht fehlen. Wenngleich die Zukunft von Großbritanniens Kino nach dem Brexit vor ein paar Problemen stehen könnte. Der britische Filmemacher Ken Loach äußerte sich im Bezug auf den Brexit wie folgt: „Menschen in meiner Position würden am liebsten Geld bezahlen, um zu bleiben“. Er verweist damit auf die entstehenden Probleme bei der Finanzierung von Filmproduktionen, die durch Vereinigungen wie Eurimages oder dem Media Fund für europäische Filme gewährleistet werden. Ebenso werde es zu Problemen bei europäischen Koproduktionen kommen. Er verdeutlicht dies am Beispiel, sollte er eine Koproduktion mit einem belgischen Team eingehen wollen, er vor der Situation stünde, dass das belgische Team höchstwahrscheinlich staatliche Fördergelder beanspruchen würde, die während der Koproduktionen dann bereit stünden, unter der Bedingung, dass dafür belgische Dienste und Arbeiter*innen nach Großbritannien reisen müssten, um an der Produktion mitzuwirken. Sollte dies in Verbindung mit bürokratischem Aufwand stehen, würden die belgischen Produzenten jedoch vermutlich auf die Koproduktion verzichten. Und damit sind nur ein paar wenige Vertreter*innen der europäischen Kinogeschichte abgedeckt.

Im Jahr 2015 erklärte der Generaldirektor der Kette Europa Cinemas, Claude-Eric Poiroux, dass amerikanische Filme gut 70 Prozent des europäischen Kinomarktes ausmachen. Er führt diese Tatsache auf deren kommerzielle Stärke, das Starsystem (bekannte Schauspieler*innen-Namen die ins Kino locken sollen) aber auch auf die Qualität einer bestimmten Form von Kino zurück. Dennoch werden jährlich mehr als 1.000 europäische Filme produziert und innerhalb des Europa Cinema Networks werden, Poiroux zufolge, auf 3123 Kinoleinwänden in 43 EU-Staaten 60 Prozent europäische Filme gezeigt. Seit mehr als 20 Jahren wird dieses Netzwerk von der EU unterstützt, um auch weiterhin Filme abseits der großen amerikanischen Filmindustrie zu sichern.

:Christian Feras Kadoura