Kommentar: Akafö eröffnet Bio-Cafeteria insgrüne
Erst kommt das Fressen, dann die Hipster
Ein reichhaltiges Angebot an Speisen und Getränken auf dem Campus ist immer von Vorteil. Doch nach dem Q-West zieht das Akafö nun nach mit der Cafeteria insgrüne – und lockt unter anderem mit Bio-Gebäck und einem „kreativ gestalteten Sortiment“. Damit verstärkt sich nicht nur die Tendenz zu einer Zwei-Klassen-Studierendenschaft, sondern auch eine Art Starbucksisierung des Campus.
 
Starbucks hat hier sozusagen eine Vorreiterrolle eingenommen. Man konsumiert nicht nur Waren, sondern entdeckt sie – der Konsum ist ein Erlebnis. Dazu gibt es einen ethischen Überbau: Fairtrade, Umweltschutz und sogar Kampf gegen Diskriminierung. So wird zumindest das Modell Starbucks vermarktet: Um etwas gegen Armut, Ausbeutung oder Unterdrückung in dieser Welt zu unternehmen, muss man nichts weiter tun als zu konsumieren. Getan wird dies nicht nur wegen des Nutzens der Waren, sondern vor allem auch, um damit ein soziales oder moralisches Selbstverständnis auszudrücken – seien es nun Veganismus, Bio-Waren-Fetischismus oder Fairtrade-Produkte. 

Campus-Ableger von Starbucks

Eine Art Campus-Ableger von Starbucks (wie schon beim Edwards) scheint nun auch das Akafö mit der neu eröffneten Cafeteria insgrüne etablieren zu wollen. Oder was soll sonst der Grund sein, ein Extra-Angebot etwa von exotischen Kaffeespezialitäten oder einer „umfangreichen Auswahl von Bio-Backwaren der Bochumer Hutzel-Bäckerei“ zu schaffen? Das ist nichts völlig neues und gab es auch schon mit dem Vorgänger-Cafe Edwards – an die Stelle des eher urbanen   Ambientes rückt nun ein grün-alternativer Stil. 
 
Aber mit der neuen Cafeteria könnte nun nicht nur verstärkt der Graben größer werden zwischen den Studierenden, die sich neben dem Studium verausgaben müssen, um die übliche Kost in der Hauptmensa bezahlen zu können, und den wenigen, die ein exklusiveres, „alternatives“ (und teureres) Angebot wollen –  vielmehr wird damit eine zweifelhafte Konsumnische geschaffen. Während es zunehmend schwieriger wird, sich an der neoliberalen Uni politisch zu engagieren, erhalten wir die Möglichkeit, dies über den Konsum zu kompensieren. Die Moral kommt vor dem Fressen, aber danach kommen auch sicher die Hipster. Wohl bekomms!
 
:Benjamin Trilling