‚Fachbereichsliste‘ siegt erneut vor Linker Liste
Erdrutschsieg der NAWI
Illustration: kac/mar
Die zukünftige intellektuelle Elite des Landes: Bloß nicht mit dem studentischen Schicksal auseinandersetzen. Illustration: kac/mar
Die zukünftige intellektuelle Elite des Landes: Bloß nicht mit dem studentischen Schicksal auseinandersetzen.

Seit Samstag steht das Ergebnis der aktuellen Wahl zum Studierendenparlament (StuPa) fest: Die Liste der Naturwissenschaftler und Ingenieure (NAWI), die mit acht von 35 Sitzen bereits aus der letzten StuPa-Wahl im Januar als stärkste Gruppierung hervorging, konnte noch einmal drei Mandate zulegen und kam auf fast 30 Prozent der Stimmen sowie elf Sitze. Wie im Vorjahr siegte die NAWI an sechs von zehn Wahlurnen auf dem Campus und verbesserte ihre Ergebnisse in der I- und N-Reihe sowie im MA-Gebäude deutlich. Auch insgesamt gewann die amtierende AStA-Koalition drei Sitze hinzu und steigerte sich von 18 auf 21 Mandate. Theoretisch würden nun drei der zuletzt fünf Koalitionslisten genügen, um einen AStA zu bilden.

„Das Wahlergebnis ist ein Hammer – ich bin immer noch ein bisschen sprachlos, dass wir einen Sprung um drei Sitze geschafft haben; das ist uns zuletzt vor drei Jahren gelungen“, freut sich Martin Wilken, der als NAWI-Spitzenkandidat 500 Stimmen erhielt. „Ich denke, das liegt an unserem inhaltlichen Wahlkampf. Wir werden bald die Gespräche mit der Landes- und Kommunalpolitik fortführen, um die geplanten Preissteigerungen beim Semesterticket zu verhindern“, so der derzeitige AStA-Vorsitzende weiter.

Als campusweit erneut zweitstärkste Gruppe und größte Oppositionskraft ging die Linke Liste (17 Prozent und sechs Sitze) an allen vier Wahlurnen in den G-Gebäuden als Gewinnerin hervor. „Für die LiLi an sich ist dies eigentlich ein sehr gutes Ergebnis – obwohl wir keinen weiteren Sitz gewonnen haben, konnten wir in den meisten Gebäuden zulegen“, sagt Rike Müller. „Wir freuen uns auch sehr über die viele Solidarität, die uns nach der ‚RUB-knallhart‘-Mail an unseren WaKa-Ständen zugetragen wurde. Das ist für uns ein super Zeichen und bestärkt uns darin, mit viel Elan und Ausdauer auch im nächsten Jahr im StuPa weiterzumachen.“ Die LiLi setzte sich auch an der Urne der Sozial- und WirtschaftswissenschaftlerInnen durch, wo im Vorjahr noch die Liste der Studierenden der Rechtswissenschaft (ReWi) klar gewonnen hatte, die ihren Sitz insgesamt dennoch mit rund vier Prozent der Stimmen behaupten konnte.

Die AStA-tragende Juso-Hochschulgruppe blieb mit 13,4 Prozent und fünf Sitzen drittstärkste Kraft. „Es ist natürlich ein bisschen zwiegespalten“, sagt Moritz Fastabend von den Jusos. „Auf der einen Seite freue ich mich, dass die Koalition die Mehrheit behalten hat; auf der anderen Seite bin ich ein wenig enttäuscht, dass die Juso-Hochschulgruppe trotz eines guten Wahlkampfes keinen Sitz dazugewonnen, sondern in absoluten Stimmen sogar noch verloren hat.“

Die oppositionelle Grüne Hochschulgruppe (GHG) wurde mit fast zwölf Prozent viertstärkste Liste, verlor aber einen Sitz. Sie kommt nun auf vier Mandate. „Wir finden es traurig, dass sich offensichtlich eine weitere Entpolitisierung der Hochschulpolitik im Wahlergebnis niederschlägt“, so Sebastian Pewny von der GHG. „Nur damit ist der große Wahlsieg der NAWI zu erklären.“

Die restlichen erneut zur Wahl angetretenen Listen konnten ihre Sitzzahl halten. Auch die oppositionellen Jungen Liberalen (JuLis) blieben mit 2,7 Prozent bei einem Sitz. „Wir als Liste der Jungen Liberalen an der RUB haben uns mehr erhofft“, sagt Linus Stieldorf. „Wir sehen, dass politische Listen wohl durch Fachschaftslisten abgelöst werden, wovon manche (nicht alle) nur Partiku-lärinteressen vertreten, was nicht im Sinne der Studierenden sein kann.“

Die Mandatszahl halten konnten die am AStA beteiligte Internationale Liste (IL) mit sechs Prozent neben der Liste der Geistes-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften (Gewi), 5,2 Prozent. „Wir freuen uns total über die zwei Sitze, obwohl wir einen dritten angestrebt haben“, so Lisa Steinmann von der Gewi. „Gründsätzlich sind wir bereit, mit allen Listen Gespräche zu führen, würden uns aber freuen, die bisherige Koalition nach guter Zusammenarbeit weiterzuführen.“

Denise Welz von der Liste B.I.E.R. freut sich über die erreichten 4,9 Prozent: „Dass wir zwei Sitze halten können, ist natürlich ein positives Zeichen und wir freuen uns, dass die Idee der Campusbrauerei immer noch AnhängerInnen findet.“

Nur einen Sitz erreichte Kultur und Leben in Bochum (KLIB) mit 3,5 Prozent der Stimmen. „Wir haben definitiv unser Möglichstes gegeben“, resümiert Madita Adolphs von KLIB. „Natürlich sind wir vom Wahlergebnis nicht begeistert, freuen uns jetzt jedoch auf die Arbeit im Studierendenparlament und auf ein besseres Ergebnis im nächsten Jahr.“