Eine etwas andere Serie
Enthüllungen zu Mitternacht
Screenshot: kiki
Zap, Zap, Zap, hier schallt ich nicht weg, weg, weg!
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Rezension. Adventure Times Macher Pendleton Ward trifft den Nagel auf den Kopf mit seiner neuen abstrusen Serie auf Netflix. „The Midnight Gospel“ (Deutscher Titel: Enthüllungen zu Mitternacht) überrascht mit seinem Chaos.

Anfangs denkt man vielleicht, dass Netflix einfach nur versucht hat, einen billigen Rick and Morty Ersatz auf ihre Plattform zu holen. Die Serie über ein außerirdisches Wesen, das einen sogenannten Spacecast produziert (eine Art Podcast für das gesamte Weltall), wurde nicht sonderlich groß beworben und scheint an vielen vorbei gegangen zu sein. Dabei gab es wahrscheinlich noch nie eine Serie in dieser Art. Animationsserien haben über die letzten Jahre immer mehr an Popularität gewonnen, unter anderem liegt das auch daran, dass in einer animierten Welt alles möglich ist. Wir können durch die Galaxie reisen und verschiedene Paralleluniversen entdecken. Eine neue Art des Sci-Fi Genres scheint so entstanden zu sein. Denn immer öfters werden wir in die Handlungsstränge Star Trek-esquer Welten gezogen. Dabei werden die Geschichten von Serie zu Serie immer abstruser. Sei es Final Space, Steven Universe oder eben Rick and Morty. Die ein oder andere Person mag jetzt vielleicht denken, dass das Genre doch langsam ausgeschöpft sein müsste. „Enthüllungen zu Mitternacht“ eröffnet jedoch erfolgreich eine weitere eigenartige Welt voller abstruser Handlungsstränge, die kreativer nicht sein könnten. Doch nicht nur das. Jede Folge beginnt mit einer Reise in eine neue Welt. Dort angekommen sucht sich unser Protagonist ein*e Interviewpartner*in und fragt die Person, ob sie in seinen Spacecast möchte. Und dann geht es los.

Während wir einer quasi perfekten und tatsächlich auch wirklich interessanten Podcast-Unterhaltung über verschiedene Dinge im Leben zuhören, folgen wir einem animierten Fiebertraum, der nicht weiter entfernt vom Inhalt des Gesprächs sein könnte, das nebenbei geführt wird. Im Grunde hat das, was in der Serie passiert, nichts mit dem zu tun, was gesprochen wird und trotzdem ist es relevant, weil Charaktereigenschaften dann doch vertieft werden. Zu den jeweils einzelnen Folgen, die unabhängig voneinander geguckt werden könnten, gibt es oben drauf aber dann noch einen größeren Handlungsstrang, der einen nur selbst grübeln lässt, worauf die Macher der Serie hinauswollen. Eine Serie mit Level über Level über Level.

Trotz des vielleicht mehr experimentellen Charakters von „The Midnight Ghospel“ fühlt es sich nicht wirr an. Vielmehr packt einen die Absurdität der Serie von Anfang an und sie macht süchtig. So süchtig, dass man die Serie nicht in einer Sitzung durchguckt (trotz Corona Langweile), sondern sich die Folgen aufspart und über die nächsten Wochen verteilt anschaut. Es wird gezeigt, welche Möglichkeiten freiheiten im animierten Genre tatsächlich stecken und welche künstlerischen Freiheiten man sich erlauben kann. In Zeiten, in denen Fernsehproduktionen mehr und mehr Budget haben und somit auch immer mehr den Zwang haben, funktionieren zu müssen, ist das eine nette Abwechslung. 

Wenn Ihr also mal Lust auf etwas neues habt, fernab von den üblichen Handlungssträngen, die man sonst so gewohnt ist: Dann ist „Enthüllungen zu Mitternacht“ genau das Richtige für Euch. Es ist die perfekte Kombination zwischen Abenteuer und Experiment und ein wirklicher Genuss. Viel Spaß beim Gucken!                                 

:Gerit Höller