„Nächstes Semester wird alles anders“: Wie der Uni-Hase läuft
Eine ganz normale Geisti
„Seit 10:57 Uhr tue ich nichts. Davor habe ich einen mittelmäßigen Krimi fertiggelesen. Ich muss heute noch die Wäsche machen, und das ginge auch noch morgen. Ansonsten habe ich keine Pläne.“ Und auch für nach dem Studium keinen Plan. Tabea, Jahrgang 1987, promoviert in Kunstgeschichte. Und bestätigt, was die Studis aus N- und I-Reihe über Geistis denken – und lässt einige Geistis wiederum denken: „Das kenn’ ich doch!“
 
Geisteswissenschaft studieren heißt sehr viel Selbststudium. Was niemals abgefragt wird. Entsprechend diszipliniert geht es dann bei vielen zu … 
In ihrem Buch „Nächstes Semester wird alles anders… Zwischen Uni und Leben!“ plaudert die Heidelbergerin Tabea Mußgnug über ihr Studium und ihr Leben an der Uni. „Was macht man später damit?“ – Welcher Philologe, welche Kunsthistorikerin kennt diese Frage nicht? Und wer hat eine Antwort darauf? Die Autorin jedenfalls nicht.
Poetische Höhenflüge darf man nicht erwarten. Auch keine soziologischen Tiefenanalysen. Vielmehr ist dieses Buch ein gefälliges Zeitdokument, eine Momentaufnahme einer „ganz normalen“ Geisti-Studentin in Deutschland 2015. 
 
Sympathisches Spiel mit Klischees
 
Klischees werden immer wieder aufgewärmt, über JuristInnen, MedizinerInnen und so weiter. Manches wirkt zwar abgedroschen, und auch mit der starken Fokussierung auf Klamotten und Frisur kann ich nicht viel anfangen. Doch die durchscheinende Beobachtung vom Typ Ich weiß, dass das Klischees sind, aber  hin und wieder ist doch was dran, welche die Autorin selbst zu verblüffen scheint, macht diese Beschreibungen recht sympathisch.
Tabea ist „Neon“-Leserin, das schreibt sie und das merkt man. Doch anders als dieses unsägliche Deppenmagazin schreibt sie ohne diese Hipster-Attitüde. Sehr subjektiv, sehr planlos. Aber mit Wiedererkennungswert. Bezeichnend, dass die Hochschulpolitik in wenigen Sätzen abgehakt wird … 
Übrigens kommt auch die RUB vor: Da gibt es die Legende vom ewigen Studenten Hajo, der seit den 60ern durch unsere Flure spuken soll. Eine Legende, die man überall zu kennen scheint – außer in Bochum. 
 
:Marek Firlej
 
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