Ausverkauf, Rückbau und Wiederaufbau im Opel-Werk I
Eine Fabrik wird verramscht
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Nicht nur die Sonne geht unter. Foto. mar
Nicht nur die Sonne geht unter

Als Trikotsponsor für den VfL hat die Klamottenkette KiK ja irgendwie einen Bezug zur Stadt. Dass nun aber die Industrieanlagen  des Bochumer Opel Werks I wie am Wühltisch den Besitzer wechseln sollen, mutet doch etwas befremdlich an: Mit „Complete Clearance – Everything must go!“ wirbt Industrieanlagen-Vermarkter Maynards für die tollen Industrieroboter-Schnäppchen. Nach Schließung des Werks will Opel sogar selbst Hand an den Abriss legen, um für den Logistik-Riesen DHL Platz zu machen.

Wehmütig schaut ein Mann auf die Gebäudefront mit dem riesigen Schriftzug und Logo der General-Motors-Tochter. „Das habe ich hier aufgebaut“, erzählt er. „So wie alle Opel-Werke in Deutschland.“ Modernste Anlagen seien hier damals verbaut worden, aber auch viel Asbest. „Da werden die beim Abriss viel Arbeit haben, all die gefährlichen Baustoffe voneinander zu trennen“, sagt er und es schwingt ein wenig Genugtuung in der Stimme des Rentners, darüber, dass es nicht leicht sein wird, das zu zerstören, was er aufgebaut hat.

„Fotografiere unbedingt noch den Kamin“, rät er mir, bevor er weiterzieht auf einen Plausch mit dem Pförtner. Man kennt den Mann und seinen braunen Hund hier.

Keine Atempause zwischen Schließung und Abriss

Ich fotografiere den markanten 99 Meter hohen Kamin, die endlosen Parkplätze voller nagelneuer Wagen. Das bereits leer stehende Autohaus für MitarbeiterInnen. Bevor bald alles weg ist.

Ruck-zuck sollen die Spuren von 50 Jahren Automobilindustrie in Bochum getilgt werden. Am 12. Dezember wird der letzte Zafira das den Ortsteil Laer prägende Werk verlassen. Am 15. Dezember stehen die Industrieanlagen, die vom 4. November an versteigert werden, zur Abholung bereit. Nur drei Monate später sollen alle Anlagen rausgeschafft worden sein. In Werk I „stehen wir zeitlich mehr unter Druck als es in Werk II der Fall war“, zitiert derwesten.de einen Opel-Sprecher. Auch die Gesellschaft Bochum Perspektive 2022, die von der Stadt Bochum, der Entwicklungsgesellschaft Ruhr (EGR) und Opel gegründet wurde, um die Flächen in der Post-Opel-Zeit zu verwalten und zu erschließen, spricht von einem „herausfordernden Zeitplan“.

Denn schon 2016 will das Logistik-Unternehmen Deutsche Post DHL auf einem Grundstück von 180.000 m² bauen. Das Gelände des Opel-Werks I ist weit über 600.000 m² groß, 240.000 m² davon will die Bochum Perspektive zunächst erschließen. Kostenpunkt: 54 Mio. Euro, die teilweise vom Land aufgebracht werden sollen.
Neben weiteren Industriebetrieben will die Stadt auf dem Gelände auch eine Grünanlage schaffen. Dann kann immerhin der alte Werksbauer auch weiterhin mit seinem Hund spazieren gehen.

Infobox:

Das Opel-Werk I in Bochum-Laer wurde 1962 nach zweijähriger Bauzeit fertig gestellt. Bis zur Produktionseinstellung 1991 liefen hier 7,5 Millionen Kadetten vom Band. Daneben wurden hier die Modelle Ascona A, der Sportwagen Opel GT und der legendäre Manta A montiert. Bis zum 12. Dezember fertigen hier noch rund 5.100 MitarbeiterInnen den Opel Zafira.

Die drei Opel-Werke in Laer und Langendreer machen allein mehr als ein Prozent der Bochumer Stadtfläche aus und haben das Stadtbild und die Wirtschaft Bochums maßgeblich geprägt.

:Marek Firlej

 

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