Das Projekt „Airbnb meets brutalism“
Ein Zeltdorf gegen die Privatisierung
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Die CamperInnen der RUB: Zum gemeinsamen Grillen während der Aktionswoche „Airbnb goes brutalism“ erscheinen auch Studierende der RUB.  Bild: bent
Die CamperInnen der RUB: Zum gemeinsamen Grillen während der Aktionswoche „Airbnb goes brutalism“ erscheinen auch Studierende der RUB.

Campus. Die RUB als exotisches Erlebnis: Studierende der Bauhaus-Uni in Weimar und der Szenischen Forschung luden vergangene Woche zur achttägigen Aktionswoche „Airbnb goes brutalism“ ein. Die CamperInnen gestalteten kreative Survival-Kits für die Nächte.

Ist die Anzeige schon wieder gelöscht? Jacob Wirt sitzt in der Mensa der RUB und klappt sein Notebook auf. Nein,  sie ist noch da, diese Annonce auf Airbnb: „Experimentelle Unterkunft. Brutalistic airbnb.“ Schon einmal hat der Community-Marktplatz für Unterkünfte es entfernt. Denn was als brutalistisch-architektonisches Ambiente  beworben wird,  das ein außergewöhnliches Erlebnis experimentellen Charakters für alle GästInnen, die Lust auf Authentizität und Exotik haben, verspricht, ist keine entfernte Urlaubsregion, sondern die Betonwüste RUB. 

Kein Wunder also, dass die in der Kritik stehende Online-Plattform für Unterkünfte nicht begeistert war von dieser Aktion, die zum Campen auf dem Uni-Gelände einlädt. Das Ziel: Den Campus öffnen und privatisieren. Gemeint ist das nicht ohne Ironie, wie Wirth erklärt: „Wie wollen wir damit umgehen, dass öffentlicher Raum privatisiert wird?“

Der 26-Jährige studiert an der Bauhaus-Universität in Weimar den interdisziplinären Master-Studiengang Public Art and New Artistic Strategies. Mit sieben KommilitonInnen zog es ihn nach Bochum. Die Idee des Projekts: „Es geht darum, andere Perspektiven auf den Campus zu erhalten“, sagt Wirth. Dazu gehöre zum einen der brutalistische Baustil der RUB, der lange Zeit nicht als architektonische Schönheit verschrien war: „Das ist wahnsinnig funktional und so einen Gesamtkomplex würde man heute wohl nicht mehr bauen“, so der studierte Soziologe über die denkmalgeschützte RUB. 

Kits für NarzistInnen oder AktivistInnen 

Für das Projekt wollten die Studierenden vor Ort sein. Deshalb schlugen sie am 11. Juni für acht Tage die Zelte an der RUB auf. Erst bei den Naturwissenschaften, später vor der G-Reihe. „Aber alle sind eingeladen, mitzumachen“, sagt Wirth. Daher die Annonce auf Airbnb, deswegen steht er am Donnerstag mit einer Pinnwand auf dem Campus und wirbt für die Aktion. „Makler“ steht auf seinem Anstecker. 

Manche machen mit. Mittwoch Abend erscheinen etwa Studierende der Szenischen Forschung zum gemeinsamen Grillen vor der G-Reihe und dem neuen Zeltdorf.  Bei Wein und Wasser diskutieren sie über Theater, Bauhaus oder Ikeas Adaption der einstigen Avantgarde-Strömung. 

JedeR soll eigene Vorschläge miteinbringen, wie Wirth erklärt: „Alle werden irgendwie eine Art der Intervention machen.“ Das kann eine Performance oder eine Installation sein. Außerdem haben die Projket-TeilnehmerInnen verschiedene Survival-Kits mit jeweils sieben Requisiten zusammengestellt. „Damit kann man eine Nacht hier verbringen, um die Uni neu zu entdecken“, so Wirth. TeilnehmerInnen können etwa mit einem Narzismus-Kit (Deo, Spiegel, Fotoapparat etc.) sich selbst inszenieren. Oder mit einem Besetzungs-Kit andere Dinge anstellen.

Zum Abschluss der Woche fand auf dem Campus ein Walk of Art statt. Bevor die Weimarer Studierenden nach acht abenteuerlichen Tagen an der RUB ihre Zelte abgebaut und die Airbnb-Anzeige entfernt haben. Falls die Online-Plattform das nicht wieder selbst getan hat.

:Benjamin Trilling