Filme, die sich sehen lassen können.
Ein vollgepacktes Kinojahr
Bild: hakl
Leere Sitzreihen: ein allzu gewohntes Bild im Kino zu Corona-Zeiten.

Nach langer Pause kam 2021 auch das Kino wieder so richtig zurück und brachte eine Flut an neuen Filmen mit sich. Hier folgt nun ein kleiner, natürlich unvollständiger, Rückblick auf all das, was 2021 so über Bildschirmne und Leinwände flimmerte.

Erst im Juni öffneten die Kinosäle wieder ihre Türen und starteten dort direkt mit dem Oscar-Gewinner „Nomadland“ von Chloé Zhao. Das sozialrealistische Drama läutete eine lange Reihe von notgedrungener Weise oftmals verschobenen Nachzüglern der Festivalsaison im Frühjahr ein. Wenig später schon gab es mit „Minari“, „The Father“ und „Promising Young Woman“ weitere Vertreter des doch leider sehr mittelmäßigen Oscar-Jahrganges zu sehen. Alle drei konnten in erster Linie mit herausragenden Schauspielleistungen und mehr oder weniger innovativ geschriebenen Drehbüchern dienen, ohne dabei jedoch weit über die üblichen Wohlfühlplattitüden und Klischees hinauszukommen.

Mit „Bad Luck Banging or Loony Porn“ vom rumänischen Regisseur Radu Jude wurde auf der diesjährigen Berlinale ein Sieger auserkoren, der sich selbst als Kind seiner Zeit versteht und dies auch satirisch sehr bedauert. In der Geschichte rund um eine Lehrerin, die der Schule verwiesen werden soll, weil ihr privates Sex Tape an die Öffentlichkeit gelangt ist, werden die durch die Pandemie häufig radikalisierten Ansichten Konservativer geschickt auf die Spitze getrieben. Doch auch die Oscars sind mit „Der Rausch“ von Thomas Vinterberg bekanntermaßen auf ein Juwel des europäischen Kinos gestoßen. Unter anderem von Mads Mikkelsen gespielt, werden vier Lehrer gezeigt, die ihre Lebenskrise damit besiegen wollen, während der Arbeit dauerhaft einen Alkoholpegel von 0,5 Promille aufrechtzuerhalten. Dabei wandelt der Film problemlos auf dem schwierigen Pfad zwischen Verherrlichung und moralischem Zeigefinger gegenüber der Volksdroge. Bei den Filmfestspielen in Cannes wurde ein schwerer bekömmlicher Kandidat ausgewählt, denn „Titane“ von Julia Ducournau zeigt Body-Horror mit einer neuen Vermischung von Transhumanismus und Sexualität.

Sogar die deutsche Filmlandschaft hatte in diesem Jahr etwas zu bieten: „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ von Dominik Graf adaptiert den großartigen Roman von Erich Kästner auf solch innovative und eigenständige Weise, dass sich hieran wohl alle zukünftigen Literaturverfilmungen werden messen müssen. Der von Tom Schilling grandios verkörperte Fabian muss sich in einem Deutschland zurechtfinden, das kurz davor steht vollständig in die Hände der Nazis zu fallen. Der Film kann diesen bedrohlichen Zustand nun noch viel deutlicher zeigen als es dem damals noch zensierten Buch von Kästner möglich war. Moderne Herangehensweisen an die Ritterthematik gab es in diesem Jahr sowohl von Altmeister Ridley Scott mit „The Last Duel“ mit Bezug auf die „Me Too“-Debatte als auch von David Lowery mit seiner langsam erzählten Version der Artus Sage „The Green Knight“ zu sehen. Ebenfalls bei der Aufarbeitung der Vergangenheit, wenn auch ein paar Jahrhunderte später in den 1960er Jahren, hilft „Last Night in Soho“ von Edgar Wright, der sich spielerisch jeglicher Nostalgie entledigt.

Neben kleineren europäischen Perlen wie der Musical-Satire „Annette“ von Leos Carax mit Adam Driver und Marion Cotillard oder dem überraschend niederschmetternden schwulen Gefängnisdrama „Große Freiheit“ von Sebastian Meise mit Franz Rogowski lieferte Hollywood eine eher mittelmäßige Erfolgsquote in Sachen Blockbuster: „House of Gucci“ und „James Bond“ lösten beim Publikum größtenteils Enttäuschung aus. Ein Film hingegen, der alle Erwartungen mindestens befriedigen konnte war „Dune“ von Denis Villeneuve, der hier den ersten Teil eines Science-Fiction-Epos schuf, das uns wohl noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

:Henry Klur

 

 

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