Massenphänomen im Selbstversuch: Praktikantin Andrea macht mit „Pokémon GO“ Jagd auf Taubsis
Ein Spiel, sie alle zu binden und zu knechten
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Langer Weg: Mit dem Handy voraus auf der Suche nach Pokémon – an der RUB soll es viele geben. Foto: lor
Langer Weg: Mit dem Handy voraus auf der Suche nach Pokémon – an der RUB soll es viele geben.

Der 13. Juli 2016 wird wohl in die Spielegeschichte als das Datum eingehen, an dem die virtuelle Welt zusammenbrach. Grund: „Pokémon GO“ verwandelt die Zwanzigjährigen von heute wieder in die Kinder von damals. Praktikantin Andrea macht sich auf, das Abenteuer am eigenen Leib zu testen – wenn es sein, muss bis zum bitteren (Akku-)Ende.

Schon als Sechsjährige wusste ich nicht viel mit Pokémon anzufangen: Die Story hat mich nie gepackt, das Konzept des Einfangens lebender Wesen war absurd. Es ähnelt einem Flashback in die Kindertage, wenn ich im Moment an jeder Ecke von diesem „Pokémon GO“ höre. Das seit dem 13. Juli (legal) in deutschen Appstores erhältliche Spiel hat die Gesellschaft in Rekordzeit bereits fest in den Griff genommen. Es ist mittlerweile keine Seltenheit, an öffentlichen Plätzen begeisterte Spielende anzutreffen, die ein Pokémon nach dem anderen fangen. 

Praktikantin=Versuchskaninchen

Ich mache mich an einem Sonntagnachmittag gegen 14 Uhr auf den Weg, um das Phänomen selbst zu testen. Mit dabei ist ein geliehenes Handy. Offensichtlich ist mein Eigenes „nicht mit dieser Version kompatibel“. Schade, doch das hält mich nicht auf – leider. Weswegen ich nun mit geliehenem Gerät durch die Straßen rund um die Brenscheder Straße laufe, auf der Suche nach Pokémon.

Mein Spiele-Alter-Ego läuft exakt dieselben Wege wie Ich und gemeinsam kommen wir an den ersten Pokéstop. Großartigerweise kann man an solchen Stellen Pokébälle, -eier und andere Items erbeuten. Kurz darauf. Ein Vibrieren. Es ist ein wildes Taubsi! Genau vor mir! Ich halte die Luft an, werfe meinen Pokéball … und brauche sieben Versuche, bis die App mich mit einem „Klasse!“ lobt, weil ich es endlich gefangen habe. In der an der Haltestelle der U35 gelegenen Arena halte ich mich nur kurz auf, da ich wegen meines zu niedrigen Levels nicht eingeladen werde, mitzumachen. Gut, dann laufe ich eben weiter und brüte so nebenbei mein Pokéei aus. Nur noch 600 Meter, dann schlüpft es!

Immer dieser Server

Fazit meines einstündigen Ausflugs: Ich habe zehn Pokémon gefangen, von denen ich nicht einmal mehr die Namen kenne. Ich bin mir allerdings sicher, dass zwei Taubsis dabei waren und ein Evoli. Beim fünfen hängte sich zudem mein Leihgerät wegen der Serverprobleme auf, weswegen meine Fang-Freude schnell verpuffte. Auch ein Hagelschauer stimmte mich nicht gerade positiv, doch der Fang eines Taubogas machte mich insgeheim doch ein bisschen stolz. Negativ aufgefallen: das Fehlen einer Story. Pokémonfangen und Arenen, schön und gut. Aber mehr ist da nicht? Das mit dem Akku ist auch so eine Sache, da App und Internet die Batterie doch sehr beanspruchen.

Positiv: Die erstaunlich gute Grafik, die dazu führt, dass die Grenze zwischen Fiktion und Realität verschwimmt. Besonders die Pokéstops, die als Bilder angezeigt werden, sind ein schönes Gimmick. Alles in allem wohl kein Spiel, was ich wiederholen werde (schon allein aufgrund der Technik), doch ein kurzweiliger Zeitvertreib.

:Andrea Lorenz