Glosse: Nach Referendum: Große Empörung unter neoliberalen IdeologInnen
Ein Ja zu Menschenwürde und Demokratie

Richtig so: Trotz der medialen Hetze hat die griechische Bevölkerung im Referendum klar für ein Nein gestimmt. Das ist genauso beeindruckend wie das neoliberale Katzenjammer-Echo im Anschluss.

Das Drehbuch könnte aus der Feder von Troika-Verantwortlichen sein:  „Costa, was kostet das?“  fragt eine blonde Deutsche den naiv vor sich her tanzenden Griechen. Der sagt – natürlich, was sonst? – ebenso naiv: „Costas fast gar nix.“ Dieses Debitel-Werbevideo ist eine Sternstunde jüngster Propaganda: dumm, hetzerisch, nationalistisch und es fasst die politische Position und das intellektuelle Klima der Troika-BefürworterInnen glänzend zusammen. Oder hat vielleicht sogar Michael Spreng das Drehbuch geschrieben? Der ehemalige Chef der „Bild am Sonntag“ polterte in Jauchs Polit-Talk-Runde gegen die griechische Bevölkerung, die „die Verelendung gewählt“ habe. Und ohnehin sei das „ein Ausdruck der Verantwortungslosigkeit“:    

„Verantwortungslosigkeit“!? Auf Jauchs Talk-Sofa hält zwar der Syriza-Politiker Giorgos Chondros dagegen, aber Spreng wäre nie Chef der Zeitung ohne Nebensätze gewesen, wenn er nicht immer mehr wüste. Und als was für ein demagogisches Teufelswerk muss für jemanden, der zuvor die „Volksmeinung“ produzierte, erst ein Referendum erscheinen? So ist er auch nicht für Argumente zugänglich. Aber dann – reden andere. Vielleicht denkt Spreng derweil nach. Denn erhebt er, weise wie er ist, den moralischen Zeigefinger: „Sie werden aus Europa keine sozialistische Gemeinschaft machen.“ Daher: Zurück zur verantwortungsvollen (Kürzungs)Politik. Denn wir erinnern uns, wie das all die Jahre vor Syriza noch geklappt hat.

Es grenzt an ideologischer Verblendung, dass diese Herrschaften weiterhin genau die Methoden, die Griechenland in die Krise geführt haben, als richtige Heilmittel predigen. Die GriechInnen haben mit ihrem „ochi“ im Referendum eindrucksvoll gezeigt, dass sie die Austeritätspolitik nicht mehr mit machen. Oder müssen wir erst noch Costas fragen?

:Benjamin Trilling