Einer von vielen ehrenamtlichen Helfern bei den Special Olympics 2014 in Düsseldorf
Ein Interview mit Kay Lieker
Foto: Laura-Monica Oprea
Volunteer Kay Lieker: Half kürzlich auch bei den Special Olympics 2014 in Düsseldorf. Foto: Laura-Monica Oprea
Volunteer Kay Lieker: Half kürzlich auch bei den Special Olympics 2014 in Düsseldorf.

Kay Lieker aus Solingen ist Rollstuhlfahrer, 26 Jahre alt und studiert Verwaltungswissenschaften an der Fern-Universität in Hagen. Als Volunteer hat er bereits an der Realisierung von mehreren Großveranstaltungen mitgewirkt, so zum Beispiel an der Leichtathletik-EM in Barcelona 2010, den Paralympics in London, der Schwimm-WM in Barcelona 2013 und zuletzt bei den Special Olympics in Düsseldorf 2014. Darüber hinaus engagiert er sich beim „Europäischen Studentenforum“ in der Ortsgruppe in Frankfurt am Main. Seit mehreren Jahren begleitet er außerdem SchülerInnengruppen für einen Sprachreisen-Anbieter.

:IbS (Interessengemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Studierender an Bochumer Hochschulen) sprach am Rande der Special Olympics mit Kay Lieker:

Kay, Du bist einer von 2.075 Helferinnen und Helfern, die vom 19. bis 23. Mai 2014 für den problemlosen Ablauf der Special Olympics Düsseldorf sorgen und sich freiwillig zur Mitarbeit bereit erklärt haben. Warum?

Kay Lieker: Die Straßen Düsseldorfs sind bunt und stark in diesen Tagen. Man hat Spaß. Rund 4.800 Athletinnen und Athleten bringen Emotionen, Spannung und Vielfalt mit. Das Motto „Gemeinsam sind wir stark“ zeigt, dass wir genauso Teil der Gesellschaft sind wie jeder andere auch. Insofern ist die Veranstaltung eine Möglichkeit, den inklusiven Gedanken voranzutreiben. Die Teams bei den Special Olympics zeigen uns allen, dass es sich lohnt, für den Sport für Menschen mit den verschiedensten Beeinträchtigungen zu kämpfen und daran teilzuhaben. Jeder ist wichtig und hat das Recht, genauso wertgeschätzt und respektiert zu werden, wie er oder sie ist. Ich rede von der Akzeptanz und Toleranz in unserer Gesellschaft.

Es stimmt: Die IbS steht, wie Du auch, für Toleranz, Akzeptanz und Hilfsbereitschaft aller Studierenden mit und ohne Behinderungen an der Ruhr-Universität Bochum. Apropos Hilfsbereitschaft, wie sah Dein Tag heute aus?

Mein Tag begann hier vor Ort um 8 Uhr morgens und endete um 18 Uhr. Mit einer Mittagspause. Ich war an der Wasserabgabestelle tätig. Es hat funktioniert. Alles lief reibungslos. Man war dankbar, dass die Helfer dort waren.

Warst Du nur in einem Aufgabenbereich beschäftigt?

Ich wurde auch als Springer eingesetzt. Ich habe diverse Aufgaben innegehabt wie zum Beispiel Aushelfen im Lager, im Sicherheitsbereich, am Informationsstand, als Bewerber dieser Veranstaltung.

Erhalten alle freiwilligen Helferinnen und Helfer im Vorfeld eine Schulung von Special Olympics Deutschland (SOD)?

Ja, natürlich. Wir sind vorab geschult worden. Jeder mit und ohne Behinderung kann als Freiwilliger mitmachen. Ehrenamt ist wichtig.

Gab es Berührungsängste dabei?

Nein. Ich habe viel Kontakt zu Sportlerinnen und Sportlern sowie zu Betreuerinnen und Betreuern und anderen Helferinnen und Helfern. Ich habe viel Wärme, Offenheit und Dankbarkeit von den Athletinnen und Athleten erfahren. Das war interessant für mich.

Passt Sport zu Inklusion?

Ja, sicher. Nirgendwo werden gemeinsam am schnellsten Barrieren abgebaut. Man sollte Sport nicht abhängig von einer Behinderung machen. Man muss mal gucken, über welche Leistung man sich Gedanken machen soll. Sport ist ein gutes Mittel dazu!

Gelebte Inklusion dank Sport. Wir fanden hier Unified Teams [Anm. d. Red. gemeinsame Teams aus Menschen mit und ohne geistige Behinderungen], die trainieren und an Wettbewerben teilnehmen, die voneinander lernen und gleichzeitig Barrieren im Alltag miteinander abbauen. Was für eine Rolle spielt Sport in Deinem Leben?

Eine wichtige Rolle. Ich habe eine sehr lange Zeit Rollstuhlbasketball gespielt und Rollstuhlbasketball-Turniere organisiert. Heutzutage bin ich leidenschaftlicher Fahrradfahrer.

Was ist Deine Motivation, hier dabei zu sein?

Ich mag es, an der Organisation mitzuwirken. Sie bringt die Veranstaltung zu einem guten Erfolg. 2010 in Barcelona war mein erstes Turnier, wo ich involviert war. Früher musste ich auf mein Organisationstalent aufmerksam machen. Mittlerweile ist es so, dass die Organisatoren auf mich zukommen und fragen, ob ich mithelfen möchte und nicht umgekehrt.

Ein letztes Wort zur Inklusion?

Erst wenn die Barrieren in den Köpfen überwunden sind, könnte es damit klappen. Bis dahin bleibt es für manche von uns leider nur eine Illusion. Es gibt noch viel zu tun.

Wir wünschen Dir viel Erfolg bei Deinem nächsten Projekt und bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch!

:Gastautorin und Interviewerin
Laura-Monica Oprea (IbS Bochum)

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