Abstieg oder Nicht-Abstieg, das ist hier die Frage.
Ein historisches VfL-Jahr
Bild: CC0
Blau-Weiß weht die Fahne: in Bochum hält das Fußball-Fieber an.

Für den VfL Bochum ging es 2021 nach elfjähriger Pause wieder zurück in die erste Bundesliga.  

Nachdem der größte Bochumer Fußballclub einst als Fahrstuhlmannschaft zwischen der ersten und zweiten Liga regelmäßig hin und her pendelte, steckte man seit 2010 in der Zweitklassigkeit fest. Zwischen 1971 und 2010 stieg der VfL bereits fünfmal in die zweite Liga ab, ohne dabei aber jemals den direkten Wiederaufstieg zu verpassen. Doch als man sich hier in zehn Saisons weder in die Auf- noch Abstiegsränge schießen konnte, gehörten die Bochumer mittlerweile zum festen Inventar der zweiten Liga, die kein anderer Verein jemals länger am Stück bespielt hatte. 
Doch als 2019 Thomas Reis zum neuen Cheftrainer ernannt wurde, ging es steil bergauf. In seiner ersten vollständigen Saison als Coach einer Herren-Profimannschaft führte der ehemalige Bochum-Spieler seinen Club zu einer recht ungefährdeten Meisterschaft in der zweiten Liga. Durch den tragischen Abstieg vom FC Schalke 04 in derselben Saison kann sich der VfL Bochum selbstbewusst als neue Nummer Zwei im Ruhrgebiet bezeichnen, denn zurzeit kann nur der Champions League-Teilnehmer aus Dortmund bessere Ergebnisse einfahren. Auch im DFB-Pokal konnte ein für einen Zweitligisten sehr erfreuliches Ergebnis mit dem Einzug ins Achtelfinale erzielt werden, wofür man die damals noch höherklassige Mannschaft von Mainz 05 schlagen konnte. Auch in der noch laufenden Saison konnte man diesen Erfolg schon mit dem Sieg im Elfmeterschießen gegen den FC Augsburg wiederholen. Im Achtelfinale gibt es dann bald wieder die Revanche gegen Mainz. 
In der Sommerpause verlor man mit Robert Žulj einen Schlüsselspieler für den Aufstieg, der in seiner letzten Saison in Bochum jeweils 15 Tore schießen und vorbereiten konnte, und für einen Bruchteil seines eigentlichen Marktwertes in die Vereinigten Arabischen Emirate wechselte. Im Gegenzug kam eine Vielzahl von neuen Gesichtern mit einer Menge an Bundesligaerfahrung, die sich in die Team-Struktur schnell wunderbar einfügen konnten. Neuzugang Sebastian Polter konnte sich mit sechs Toren in der Hinrunde als neuer Top-Stürmer etablieren, doch in dieser Saison fällt auf, dass es beim VfL weniger um einzelne Stars geht, die die Mannschaft antreiben, wie es beim Aufstieg noch eher die Rolle von Žulj, Zoller und Holtmann war. Stattdessen tritt das Team als eine stabile Einheit auf, was eine gesunde Rotation ermöglicht und hin und wieder auftretende Verletzungen weniger schwer wiegen lässt. So konnte beispielsweise die frühe Verletzung des Top-Torjägers Simon Zoller aus der vergangenen Saison ohne große Schwierigkeiten mal durch den neuen Asano und mal durch den zuverlässigen Danny Blum kompensiert werden. Sogar im Tor kann Fanliebling Manuel Riemann darauf vertrauen, dass die Nummer Zwei Michael Esser ein würdiger Ersatz ist, wie er es schon im DFB-Pokal gegen Augsburg beweisen konnte. 
All das führte dazu, dass sich der VfL Bochum in seiner ersten Bundesliga-Hinrunde seit über einem Jahrzehnt extrem stabil und überraschend gut schlagen konnte. Nach 17 Spielen steht man auf dem zwölften Platz, allerdings liegen die Teams in der unteren Tabellenhälfte erschreckend eng beieinander, weshalb der Vorsprung vor den Stuttgartern auf dem Relegationsplatz nur drei Punkte beträgt. In der Heimtabelle liegt man sogar auf Platz Neun, denn an der Castroper Straße spielt es sich bekanntermaßen wesentlich leichter für den VfL. Der Klassenhalts-Euphorie sei immer noch Vorsicht geboten, denn dafür müssen noch einige Punkte eingefahren werden.    

  :Henry Klur

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