Exkursion des FSR Religionswissenschaft zu den Hare Krishnas
Ein Gott, Wiedergeburt und Limonade
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Hare krishna, hare rama: Auch nach 1.700 Wiederholungen hat Rama Gopala noch Freude am Mantra. Foto: mar
Hare krishna, hare rama: Auch nach 1.700 Wiederholungen hat Rama Gopala noch Freude am Mantra.

Viele Studierende der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften kennen das Problem: War man anfangs noch begeistert vom Foschungsgegenstand, rückt dieser im Laufe des Studiums in weite Ferne und wird verdeckt von unzähligen Buchseiten voller theoretischer und abstrakter Abhandlungen zum Thema. Weil Religion und religiöse Vielfalt aber nicht nur in unbebilderten Büchern steht, sondern in NRW erlebt werden kann, organisiert der Fachschaftsrat Religionswissenschaft regelmäßig Exkursionen zu verschiedenen Religionsgemeinschaften. Am Dienstag, den 20. Mai, ging es zu den Hare Krishnas nach Köln.

Rama Gopala begrüßt das Trüppchen von 17 Studierenden gut gelaunt an der Tür des von außen unscheinbaren Hare-Krishna-Zentrums in Köln-Kalk. In einem ganz normalen Haus an der Straße ist das „Bhakti Yoga Zentrum Gauradesh“ untergebracht, erst auf den zweiten Blick entdeckt man die bunten Fenster mit Bildern eines tanzenden Gottes Krishna im ersten Stock.

Die Hippie-Religion

Rama Gopala hieß früher ganz anders. Er ist Mönch und Rama Gopala ist sein von seinem spirituellen Lehrer verliehener Ordensname. Er lebt mit sechs anderen Männern und einer Frau in dem Haus und widmet sein Leben schon seit vielen Jahren dem allmächtigen Gott, dessen bekanntester Name Krishna lautet. Rama Gopala ist kein Inder, sondern ein Deutscher, der in seinen jungen Jahren seine Spiritualität und sein Glück in dieser Religion gefunden hat. Man kann sich den lächelnden Mann gut als Hippie vorstellen.

Die religiöse Bewegung Hare Krishna heißt eigentlich auch ganz anders. 1966 wurde die ISKCON, die International Society for Krishna Consciousness gegründet, und zwar auch nicht in Indien, sondern in den Vereinigten Staaten.  Während Rama Gopala die Geschichte der Bewegung umreißt, deutet er auf einen Schrein am hinteren Ende des überschaubaren Altarraums. Dort steht eine Figur des Gründers  A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada. Dieser kam mit seinen aus der Hindu-Tradition stammenden Lehren nach Amerika und fand unter den dortigen spirituellen Menschen viele AnhängerInnen.

Gehirnwäsche durch Singen?

Der landläufige Name Hare Krishna kommt von einem zentralen Bestandteil der religiösen Praxis: Anhänger Krishnas sind angehalten, täglich mehr als 1.700 Mal das Mantra „Hare krishna, hare krishna, krishna krishna, hare hare, hare rama, hare rama, rama rama, hare hare“ singend aufzusagen. Das brachte der Organisation früher den Vorwurf der Gehirnwäsche ein. Und wie die Gruppe der Religionswissenschaftsstudis zusammen mit Rama Gopala singt, merkt man, dass dieser Singsang tatsächlich hypnotisch wirken kann.

Der Mönch erzählte viel über sich, über das Leben im Zentrum, über die Finanzierung der Organisation durch Spenden und den Verkauf von Büchern und Süßigkeiten. Er erzählte von der Reinkarnation und dass die Krishnas deshalb Vegetarier seien, weil sie niemanden essen wollen, den sie vielleicht gekannt haben, und kam leicht ins Grübeln, als er erklären musste, warum er dann kein Veganer sei.

Nach fünf Stunden Frage und Antwort ging es wieder heim – und einige TeilnehmerInnen wollen zum Krishna-Festival am 21. Juni wieder nach Köln.

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