Ruhrstern am Hauptstadthimmel
Edy Edwards rockt Berlin
Foto: Anja Hecker
Noch eine letzte Zigarette: Edy Edwards ist auf dem Sprung. - Foto: Anja Hecker
Noch eine letzte Zigarette: Edy Edwards ist auf dem Sprung.

An der Ruhr ist er als Rockmusiker solo und neuerdings mit Band schon lange kein Unbekannter mehr: Der in Dortmund geborene Herner Gitarrenpoet Edy Edwards. Am 19. April schmiss er zusammen mit seiner Band und am Ende solo einen gefeierten Gig im Querschlag in Wanne, supportet vom Nachwuchstalent Tommy Klapper. Am Wochenende stand Edy Edwards in der Hauptstadt auf der Bühne. Der :bsz schildert der 23-jährige den inspirationsreichen Weg zu seinem nun nach fünf Musikerjahren bevorstehenden Album-Debüt.

:bsz Edy, auch wenn dies jedes zweite Musikmagazin fragen würde: Wie und wann bist Du zur Musik gekommen und welches waren Deine wichtigsten Inspirationsquellen und musikalischen Vorbilder?
Edy: Angefangen habe ich 2008. Zum Ende meiner Schulzeit war ich mir noch nicht ganz klar darüber, wohin es gehen soll. Musik machen und Songs schreiben war ein gutes Ventil, um Gedanken, Wünsche und Sorgen auszudrücken. Dadurch entstanden die ersten eigenen Songs und so hat es sich stetig weiterentwickelt. Inspiration kann man in allem finden, selbst in Alltagsgegenständen. Im Laufe der Zeit wurden meine musikalischen Vorbilder immer mehr. Angefangen habe ich bei Bob Dylan, später kamen Tom Waits und schließlich Stevie Ray Vaughan hinzu.

Am 5. April hast Du Hannes Wader auf Deinen Netzseiten zum „Echo“ für sein Lebenswerk gratuliert. War dies eher augenzwinkernd gemeint oder ist er für Dich (auch politisch) die Inkarnation des (deutschsprachigen) „Liedermachers?
Die Gratulation war keineswegs augenzwinkernd gemeint, sondern kam von Herzen. Ich persönlich habe Hannes Wader immer als einen sehr aufrichtigen und kompromisslosen Menschen gesehen. Die deutschsprachige Rock- und Popmusik hatte einen sehr steinigen Weg, und er war einer der Wegbereiter. Ich finde es sehr interessant, dass politische Themen, die Wader in seinen Liedern aufgreift, oft noch genauso aktuell sind wie damals.

Du hast inzwischen einen sehr individuellen Stil gefunden, der Dich als Singer-Songwriter prägt. Was macht Deine Unverkennbarkeit aus Deiner Sicht aus?
Ich selbst würde mich nicht als Singer-Songwriter oder Liedermacher bezeichnen. In meinen Augen bin ich einfach Musiker und mache Rockmusik mit dem gewissen bluesigen Dreck. Momentan ist es in der deutschen Musikszene nicht ganz so verbreitet, dass jemand Rocksongs auch solo mit der Akustik-Gitarre vorträgt.

Obwohl Deine Songtexte zumeist eher auf eine persönliche, emotionale Ebene anspielen, wird ganz nebenbei auch mal die eine oder andere „letzte Zigarette vor dem großen Krieg“ geraucht. Welchen Stellenwert hat die gesellschaftlich-politische Außenwelt in Deinem Schaffen?
Die politische Außenwelt hat in meinem Schaffen einen großen Stellenwert, weil man sich ihr einfach nicht entziehen kann. Und genau wie alle anderen Medien und Umwelteinflüsse um mich herum prägt das natürlich auch meine musikalische und textliche Arbeit.

Könntest Du Dir vorstellen, mit einem politischen Song einen Hit zu landen?
Die Frage kann ich nicht zu hundert Prozent beantworten, weil ich ans Songschreiben nicht verkopft herangehe, sondern versuche, intuitiv zu arbeiten. Ich denke, dass die Wahrscheinlichkeit heute größer ist, mit einem politischen Text einen Hit zu landen als noch vor drei bis vier Jahren.

Mit „1989“ und „Ruhrpott-Poesie“ hast Du in den beiden letzten Jahren schon zwei CDs mit fünf bzw. sechs Songs produziert. Kommt dieses Jahr ein größeres Werk auf den Markt?
Ich arbeite zurzeit mit Hochdruck an meinem Debut-Album „Medienapplaus“, auf dem elf bis zwölf Titel von mir sein werden. Wir befinden uns in den letzten Zuckungen und ich denke, bis Anfang August werden alle Aufnahmen abgeschlossen sein. Wie schnell die Platte den Weg in die Läden finden wird, wird sich zeigen; hängt ja auch von einigen bürokratischen Arbeitsvorgängen ab.

Neben Deinen Solo-Auftritten bist Du in letzter Zeit ziemlich häufig mit Band zu sehen. Wie sind die Planungen für die Zukunft? Wird Edy Edwards öfter solo oder mit Bandsupport zu erleben sein?
Ich habe in den letzten Jahren ja fast nur solo gespielt und auch, wenn mir das immer noch sehr viel Spaß macht, ist das gesetzte Ziel, in Zukunft mehr mit Band als allein zu spielen. Ob sich dieses Ziel verwirklichen lässt, wird die Zeit zeigen.

Am 11. Mai warst Du bei der „New Talent Night“ im „Asphalt“ in Berlin Mitte zu sehen. In dem renommierten Klub waren auch Künstler wie Bob Geldof und Xavier Naidoo bereits live on stage. Wie ist‘s für Dich gelaufen und wann bist Du wieder im Ruhrgebiet unterwegs?
Das Konzert im Asphalt war in meinen Augen ein voller Erfolg. Das Publikum war sehr aufgeschlossen und das Asphalt ist eine sehr coole Location, wo es sich zu spielen lohnt. Berlin ist eine tolle Stadt, wo ich gerne wieder spiele. Da ich noch sehr in die Studioarbeiten für das Album eingebunden bin, steht das Live-Spiel im Moment etwas hinten an. Ich werde erst in den nächsten Wochen neue Gigs vereinbaren.

Herzlichen Dank und viel Erfolg für die Zukunft!   
Ich danke Dir für das angenehme Interview.

Weitere Infos findet Ihr im Internet unter: www.edy-edwards.de
 

Noch eine letzte Zigarette (bei der ExtraSchicht 2012) - Edy Edwards ist auf dem Sprung zum Album-Debüt. Foto: Christian Stratmann