Zeitreise im Ruhrpott: Mittelalterlicher Pfingstmarkt zieht Hunderte nach Mülheim an der Ruhr
Drei Tage 12. Jahrhundert
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Mülheim macht eine Zeitreise: Frendskopp heizen die Menge dazu an. Foto: ken
Mülheim macht eine Zeitreise: Frendskopp heizen die Menge dazu an.

Festival. Mülheim an der Ruhr, die Stadt am Fluss, wurde abermals Schauplatz eines wahrlich mittelalterlichen Festes. Das Pfingstspektakulum zu Schloss Broich lockte hunderte Menschen in seine Mauern.

„Seyd gegrüßt“, werde ich an den Toren der Burg empfangen. Ein verlegenes „Hallo“ entschlüpft mir, als ich an den Rittern vorbeigehe und den Burghof betrete. Dudelsäcke empfangen mich, von weit her dröhnt eine volltonige Männerstimme „Käsebretzn!“, ein Chor ergänzt „Frisch aus dem Holzbackofen!“ Bunte Zelte zieren den Innenhof der Burg, die im 9. Jahrhundert entstanden ist. Auch das dahinterliegende Gelände der Mülheimer Gartenschau, das den Einheimischen (oder KennerInnen des Marktes) besser als MüGa bekannt ist, dient während des mittelalterlichen Pfingstspektakulums zu Schloss Broich als Festivalgelände, ein Ambiente aus einer andern Zeit ziert das ganzen Fest. Neben der Stimmung, die durch die gewandeten Menschen und die altertümliche Sprache aufkommt, wird der Markt auch durch die historische Kulisse zu etwas ganz Besonderem. Schwerter klirren, Glöckchen schellen – während Frendskopp im Innenhof der Burg die Menge mit Sackpfeifen in Stimmung bringt, verschlägt es mich auf die große Wiese, um mir die Lager anzuschauen.  Denn während des dreitägigen Spektakulums leben die HändlerInnen und DarstellerInnen auch auf dem Gelände – zeitgemäß in ihren Lagern, in denen weitestgehend authentisch das Leben im Mittelalter gezeigt wird. Kein Strom, kein Wasser, Zelte und Kochen über offenem Feuer. Viele sitzen vor ihren Hütten und gehen Handarbeiten nach: Knüpfen, Häckeln, Stricken, Schmieden … Anschauen und Mitmachen erlaubt und erwünscht!

Mit Poolnudeln gegen Zweihänder

„Macht sie fertig!“, ertönt die Stimme einer Frau. Fabulix, die Märchenerzählerin feuert ihre Kinderstreitkräfte an. Folgt man den Rufen, entdeckt man eine wahrlich skurrile Situation: Kinder, die mit grauen Poolnudeln auf Ritter in voller Ausrüstung einprügeln, um sich ihren Schatz zu erkämpfen. Gestandene Männer in gut 35 Kilogramm schweren Rüstungen liegen am Boden, während fünf Kinder mit Schaumstoffrollen auf sie einhauen. Nach 15 Minuten ist klar, wer den Kampf gewinnt. Mit Schwert und Schild ist kein Ankommen gegen die Schwimmhilfen. Zufrieden mit sich verlassen die Kinder das Schlachtfeld, während die Ritter noch versuchen, aufzustehen. 

Neben der Schlacht der Kinder wird auch ein Ritterturnier gespielt. Zu Pferde werden Lanzen gebrochen, Ringe aufgespießt und Luftballons ää … „der Darm einer Ziege, gefüllt mit dem Furz einer Sau“, entzündet. Auf zwei kleinen Bühnen treten Bands auf: Frendskopp und die Thekenspieler sorgen für Musik, Bauchtanz wird geboten, die Gauklerin Melania begeistert mit Jonglage. Das Programm bietet für jedeN etwas.

Fabulix’ Märchenstunde

Entgegen der weitverbreiteten Meinung sind Märchen nicht nur was für Kinder. Bei der Märchenerzählerin Fabulix gibt’s auch Schweinereien für die Ohren. Tagsüber erzählt sie Märchen wie „Der faule Jack“, zu späterer Stunde gibt’s dann Erwachsenenmärchen. „Hans Butterhand“ und „der Nagelschmied“ lassen Erwachsene wie Kinder schmunzeln. „Fabulix’ Märchen sind für mich jedes Mal ein absolutes Muss“, erklärt Gina, die seit 13 Jahren das Pfingstspektakulum besucht. „Das gehört einfach dazu.“

:Kendra Smielowski