Braucht wer ne Abkürzung?
Drei Bochumer Short Cuts
Screenshot: fufu
Der Saal ist leer – Die Leidenschaft bleibt aber voll!

Rezension. Das Schauspielhaus Bochum macht jetzt Kino. Heimkino, um genau zu sein! Perfekt für Euer Home-Entertainment in der Isolation. 

Alles steht still. Das Schauspielhaus Bochum auch schon viel zu lange! Das wurde dem Haus und Ensemble inzwischen zu viel und man beschloss, sich wieder der Schauspielkunst zu widmen, wenn auch in virtueller Form, statt Live auf der Bühne. Denn in Bochum gibt es jetzt bis zur Sommerpause dreimal pro Woche eine digitale Uraufführung. Bochumer Short Cuts: Ein Autor:innen-Film-Projekt mit szenischen Miniaturen für das Bochumer Ensemble mit Texten von unter anderem Elfriede Jelinek, Sybille Berg und vielen anderen. Unter der Regie von Schauspielhausintendant Johan Simons. 

Die ersten vier Episoden (der insgesamt 14 Video Shorts) wurden bereits ausgestrahlt und können nach ihren jeweiligen Live-Premieren auch weiterhin auf den Socialmedia-Kanälen des Schauspielhauses abgerufen werden. Doch wie sehen diesen szenischen Miniaturen aus? Den Startschuss gab es durch: „Wie es euch Algorithmus.“ - Ein Internetspiel für zwei Personen, geschrieben von Bonn Park und mit Mercy Dorcas Otieno und Dominnik Dos-Reis in den Hauptrollen. Das Internet trifft auf Bochum und auf die beiden Schauspieler:innen. Auf Abstand sind die beiden innerhalb dieser szenischen Miniatur getrennt-zusammen, um am Ende zu zerstören was sie belastet. Dazu gibt es Mehltipps, zu(uuu) persönliche Podcasts, Wut und Abkühlungen, kleine Verneigungen vor den Birdmans und Jokers dieser Welt und einem wunderbarem „Cool people dont look at explosions“-Moment. Besonders besticht bei diesem Film die musikalische Untermalung sowie das fabelhafte Spiel von Otieno und Dos-Reis. Der Film beläuft sich auf knapp neun Minuten Laufzeit.
Der zweite Bochumer Short Cut trägt den Namen „I never thought I`d need so many people oder vom leeren Himmel“ und wurde von Katja Brunner verfasst. Diese szenische Miniatur zeigt einen sich in Rage-redenden Videomonolog von Gina Haller, quasi mit einem anschließenden Fazit von Risto Kübar (doch auch das Huhn Esperanza sei an dieser Stelle nicht unerwähnt). Innerhalb des Shorts wird die Eintönigkeit der Quarantäne dargestellt, die einen mit der Zeit wahnsinnig machen kann. Denn ob man in dieser Situation viel kommuniziert oder nicht, wir alle denken uns unseren Teil. Der Film ist knapp elf Minuten lang und lässt die Probleme nach außen kehren. 

„Für immer“ von Sibylle Berg ist der dritte Kurzfilm und der Abschluss der ersten Premierenwoche. Dieser Film wirkt eher nach innen gekehrt. Elsie de Brauw nimmt die Zuschauer:innen innerhalb dieses Werkes mit auf eine einsame Reise zum Sterben. Zumindest war es zunächst so geplant, doch die innere Gedankenwelt lässt es nicht zu. Einsichtig denkt sie nach über ihr Leben, die guten wie die schlechten Zeiten und darüber, wann und wie es richtig sein könnte, aus dieser Welt zu scheiden. Mit leichtem „Brügge sehen und sterben“-Vibe und vielen Spielereien auf der Meta-Ebene, wie zwischengesprochene Regieangaben von de Brauw selbst laut geäußert. Dieser Short hat eine Spielzeit von ca. zehn Minuten.
Auch die weiteren Texte und szenischen Minitaturen sollen sich weiter mit dem „Jetzt“ beschäftigen. Bereits am Ende jedes Bochumer Short Cut steht der Disclaimer, dass alle Werkproduktionen unter der Beachtung von geltender Hygiene und Abstandsregelungen erfolgt sind. Doch es ist sehr schön, dass wir endlich wieder künstlerischen Umgang mit Problemen der Welt erfahren können.             

  :Christian Feras Kaddoura