Mehr Platz für Fahrräder
Drahtesel statt Blechkiste
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Straßensperrung vor 19 Uhr: Die Brüderstraße mal ohne fette Karren.   Bild: kac
Straßensperrung vor 19 Uhr: Die Brüderstraße mal ohne fette Karren.

Bochum. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und die Bürger*innen-Initiative urbanRadeling haben zum dritten Mal das Park(ing) Festival veranstaltet. Das Orga-Team möchte auf die Stadtraumverschwendung hinweisen, denn jedes Auto parkt im Schnitt 23 Stunden am Tag.

„Der öffentliche Raum sollte wieder für Personen zugänglicher gemacht werden“, erklärt Jutta Schröder, Veranstalterin und Mitglied von urbanRadeling, während die Brüderstraße mit Fahrradklingeln bespielt wird. Früher seien Menschen nach draußen gegangen, um sich auf eine Bank zu setzen, heute sei dies gar nicht mehr möglich, weil immer mehr Autos Platz einnehmen. „Sie haben sich früher einen Tisch und Sitzplätze neben die Straße gestellt. Heute stehen hier überall Autos. Heute sieht man sowas gar nicht mehr“, führt Schröder fort. Ihr Wunsch wäre, dass wieder mehr Leben in die Stadt kommt. Weniger Parkplätze für PKWs, dafür mehr Platz für Kinder, damit sie spielen können.
Dass die Brüderstraße ab 19 Uhr für Kraftfahrzeuge gesperrt wird, scheint nicht zu reichen. Das Orga-Team des Park(ing) Festivals möchte, dass die Brüderstraße, wie die Innenstadt, dauerhaft gesperrt ist, damit die Restaurant- und Barbesucher*innen frei auf den Straßen herumlaufen können. Des Weiteren fordert Jutta Schröder den Fahrradweg auf dem Südring zurück. „Hier fährt kein Radfahrer gerne her, weil vierspurig gerast wird. Früher gab es einen Radweg, doch jetzt stehen wie selbstverständlich Autos zum Parken“, erklärt Schröder und pocht auf die Rückgabe: „Wir würden den Autos ja nichts wegnehmen, sondern möchten zurück haben, was ohnehin uns zusteht.“

Spaß auf der Straße

Gegenüber von urbanRadeling haben Hanna Roux und Rainer Sielker direkt mehrere Hula-Hoop-Reifen mitgebracht und zu lauter Musik geschwungen. Fabian Bartelt hingegen zeigte, was er mit seinem Fahrrad alles kann. Er transportierte mit seinem Lastenrad ein ganzes Sofa auf die Brüderstraße und baute es dort auf.  Wie in jedem Jahr war auch diesmal wieder die beliebte Schaumkusswurfmaschine vor Ort, die Christoph Lotz vom ADFC selbst vor einigen Jahren gebaut hat.
 

Wie alles begann

2005 haben einige Bürger*innen in San Francisco Autostellflächen in kleine Parks, gemütliche Sitzgruppen, Bühnen und vieles mehr umgewandelt, um zu zeigen, wie viel Raum geparkte Autos in der Stadt beanspruchen. Dies sorgte für großes Aufsehen und führte zu Nachahmung. Im Laufe der Jahre ist daraus eine weltweite Bewegung geworden, die in mehr als 160 Städten Zuhause ist und es werden jährlich immer mehr. Weltweit werden am dritten Freitag im September Parkplätze kreativ umgestaltet.
Ziel dieser Aktion ist eine lebenswerte Stadt, in der sich Fußgänger*innen und Radfahrer*innen entspannt und sicher bewegen können, in der es Räume für Begegnungen und Platz für Pflanzen gibt.
2016 organisierten ADFC und urbanRadeling den PARK(ing) Day erstmals in Bochum. Mit circa 30 weiteren Verbänden, Vereinen und Initiativen sowie einigen Einzelpersonen wandelten sie den ehemaligen Radfahrstreifen am Südring zwischen Kortumstraße und Rechener Straße
kreativ um.
2017 haben die Vereine sich die Abstellflächen in Ehrenfeld vorgenommen. Es wurden Parkplätze auf beiden Seiten der Hattinger Straße „umgenutzt“. Neu dabei war unter anderem die Hochschule Bochum mit einem Prototypen des „eelo“ (electric velomobile), das in der Stadt ein Familienauto ersetzen kann.

:Katharina Cygan