Der 8. Mai soll ein Feiertag des Gedenkens bleiben
DIE VIELEN Gedenken in Bochum und Co.
Bild: fufu
Unite: Gemeinsam mit Transpi und Schutzmasken, wie auch Schauspielhaus Dramaturgin Dorothea Neweling und andere Kulturschaffende in Bochum.	   	                    Bild: fufu
Unite: Gemeinsam mit Transpi und Schutzmasken, wie auch Schauspielhaus Dramaturgin Dorothea Neweling und andere Kulturschaffende in Bochum.

Kundgebung. Am 8. Mai vor 75 Jahren kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Es war das Ende eines schrecklichen Krieges und der NS-Herrschaft. Deutschlandweit, unter anderen am Bergbau-Museum, wurden aus diesem Anlass Kundgebungen von DIE VIELEN initiiert, die an diesen Tag erinnern.

Demonstrationen und Versammlungen sind in der Corona-Krise schwierig und sollten mit Vernunft und Bedacht geplant werden. Ein gutes Zeichen für Frieden und Gleichberechtigung zu setzen, wenn auch mit Masken und unter Einhaltung von Mindestabstand, bleibt allerdings weiter möglich. Und das ist gut so! Als Teil von Glänzende Aktionstage haben DIE VIELEN bundesweit am 8. und 9. Mai an den 75. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus erinnert und sich dabei dem Wunsch angeschlossen, dass der 8. Mai ein regulärer Feiertag wird. Mit glänzenden Rettungsdecken, goldenen Schutzmasken und Plakaten als Insignie. So auch in Bochum, auf dem Vorplatz des Bergbau-Museums. Mit dabei Vertreter*innen des Bahnhof Langendreer e.V., von Anna Kpok, dem Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst, dem Schauspielhaus Bochum sowie Junges Schauspiel Bochum, der Ruhrtriennale und Urbane Künste Ruhr, den Bochumer Symphonikern sowie mit Studierenden des Studiengangs Schauspiel von der Folkwang Universität der Künste. 

Die Teilnehmer*innenzahl der Kundgebung musste dabei leider aufgrund der derzeitigen Situation auf 20 Personen begrenzt werden. Daher standen die Teilnehmer*innen am Freitag während der Kundgebung in einem durch Absperrband gekennzeichneten Bereich mit jeweiligen Abstandsmarkierungen auf dem Boden, sodass die Teilnehmer*innenzahl nicht überschritten und die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Auch wenn an der Kundgebung selbst daher nicht viele Menschen teilnehmen konnten, wurde sie zumindest auf Video festgehalten und vergangenen Freitag innerhalb eines  um 18 Uhr beginnenden und mit mehrstündigem Programm gefüllten YouTube-Livestream von DIE VIELEN übertragen. Mit vielseitigen Beiträgen aus Berlin, Bochum, Leipzig, Saarbrücken, Eberswalde, Herne, Oldenburg, Wien und vielen anderen Standorten, an denen engagierte Kulturschaffende am 8. Mai zum Gedenken aufgerufen und für die Solidarität über Grenzen hinweg plädiert haben. Gemeinsam unter dem Mantra: „Wir sind immer noch Viele. Jede*r einzelne von uns!“

Auf dem Vorplatz des Bergbau-Museum gab es vergangenen Freitag unter anderem ein Hörstück, gelesen von Studierenden der Folkwang Universität der Künste, sowie Reden von Vertreter*innen und eine Erklärung der VIELEN NRW zum 8. Mai, verkündet von Schauspielhaus Dramaturgin Felicitas Arnold: „In diesem Jahr wird der 8. Mai als Tag der Befreiung in Berlin erst- und einmalig als Feiertag gefeiert. Anlass dafür ist, dass sich das offizielle Ende des zweiten Weltkriegs in Europa zum fünfundsiebzigsten Mal jährt. Wir, DIE VIELEN NRW, finden es notwendig sich immer noch mit den spür- und sichtbaren Auswirkungen des Nationalsozialismus auseinander zu setzen. Diesen Tag als Mahnung zu verstehen. (…) Wir, DIE VIELEN NRW, schließen uns an, das Ende des zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialistischen Regimes zu feiern.“ Im Namen DER VIELEN wurde jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Art des Gedenkens entscheidend ist, da nur von Befreiung am Tage des 8. Mais zu sprechen, einen gefährlichen Erinnerungskonsens etabliere, der zu einer unkritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit neige. Damit würde es allzu leicht werden, mit der NS-Zeit abzuschließen und die Frage nach der eigenen Verantwortung damals wie heute auszublenden. „Die letzten 75 Jahren zeigen, dass das Erinnern an das Unrecht immer wieder neue Perspektiven auf die Gegenwart eröffnet. Erinnerung ist für die Gegenwart wichtig.“

Weiter hieß es: "Wir wollen daher den 8. Mai nutzen, um der Opfer zu gedenken und um auf das Überdauern radikal-nationalistischer Ideen im alten und neuen Gewand aufmerksam zu machen. DIE VIELEN in ganz Deutschland schaffen durch ihre Initiativen ein waches Netzwerk, um die Freiheit in der Gesellschaft in Kunst und Kultur zu wahren. Grundlegende Menschenrechte und die Ideale der Gleichheit aller sind auch in einer Demokratie keine Selbstverständlichkeit. Gemeinsam wollen wir nicht nur am 8. Mai für Menschenrechte und gegen ein Wiedererstarken rechtsnationaler Weltanschauungen einstehen. Wir fordern: Nie wieder!" Zum Abschluss der Kundgebung gab es ein Lied und die Einladung, mitzusingen: Eine alternative Europahymne die Bernadette La Hengst und Barbara Morgenstern für DIE VIELEN geschrieben haben.

:Christian Feras Kaddoura