Die GenossInnen durch die Brille der antiken Literatur
Die Tragödie der SPD
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Begründetes Medieninteresse: Kühnert legt sich mit den Großen seiner Partei an. Foto-Quelle: Jan Turek
Begründetes Medieninteresse: Kühnert legt sich mit den Großen seiner Partei an.

Glosse. Quo vadis, SPD? Die jüngste Geschichte der Partei erinnert an eine chaotische Ansammlung alter Sagen.

Die SPD steht zwischen den griechischen Meeresungeheuern Skylla und Charybdis. Die Frage, ob man wieder in eine Koalition mit den Unionsparteien eintreten will, stellt für die SPD eine schicksalhafte Weggabelung dar. Doch egal, welchen Weg man wählt: Es ist der falsche. Am Ende des ersten Weges lauert – gerade bei aktuellen Umfragewerten auf historischem Tiefstand – der sichere Tod im Hades der Neuwahlen. Und am Ende des zweiten Weges wartet bekanntlich die unsterbliche schwarze Witwe Angela, die bislang noch jeden Koalitionspartner verdaut hat. Und hat nicht gerade erst ein blonder Jüngling, nach dem bloßen Blick in den zweiten Weg, verängstigt die Flucht ergriffen?

Strahlende HeldInnen sucht man bei der SPD mittlerweile auch vergebens: Der rasante Aufstieg von Ikarus Schulz war gefolgt von seinem tiefen Fall. In seiner Hybris träumte er erst von der KanzlerInnenschaft und versprach dann, nach seiner Wahlniederlage, in die Opposition zu gehen, nur um wenige Monate später doch Außenminister in einem Kabinett unter Merkel werden zu wollen. Danach musste er seine Ämter räumen. Doch auch die von ihm auserkorene Thronfolgerin löst nirgends Euphorie aus. 

Der kleine Kevin hingegen kämpft mit viel Kühnheit und seiner Steinschleuder gegen mächtige Riesen  – allerdings gegen die Riesen in seiner eigenen Partei. Er ist ein tragischer Held, der glaubt, das Richtige zu tun, doch mit jedem Schuss nur seine eigene Gruppe schwächt.

Das alles hat zur Folge, dass sich viele Menschen von der SPD abwenden. Immer mehr BürgerInnen sind plötzlich besorgt, finden Gefallen am verführerischen Gesang der Sirenen und halten es für eine gute Alternative, sich dieses blaue, hölzerne Pferd in die Stadt zu holen. 

Katharsis

In wenigen Wochen wird das Scherbengericht der SPD demokratisch darüber urteilen, welcher Weg eingeschlagen werden soll. Zwei Dinge stehen – ganz Unabhängig vom Votum der GenossInnen – aber schon heute fest: Die SPD steht vor einem Scherbenhaufen und ihr Weg zurück zu alter Stärke wird eine Odyssee werden.

 Gastautor :Jan Turek

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