Sucht
Die Sucht nach Glück
Symbolbild: bena
Symbolbild: bena

Konsum. Drogen: Eine Kompensation der Akzeptanz und Zufriedenheit? Die Beweggründe scheinen verschieden. Doch sollte es nicht unlängst ein Umdenken gegenüber Betäubungsmitteln in der Gesellschaft geben?

„Das Bedürfnis nach Rausch scheint ein Menschliches zu sein“, sagt Diplom-Sozialarbeiterin, Sucht- und Sozialtherapeutin Claudia Reuter-Spittler von der Drogenberatungsstelle die Krisenhilfe e.V. Bochum. Dort arbeitet sie mit Konsument*innen  illegaler Drogen und deren Bezugspersonen zusammen. Sie fügt an: „In der Menschheit gab es immer mal Phasen, in denen ‚rauschhaftes Erleben‘ innerhalb einer Gesellschaft möglich war, was aber dann auch heißt, dass es immer wieder Phasen neben der Feierei gibt, wo auf Konsum und Rausch verzichtet wurde,“ sodass es gesellschaftlich in irgendeiner Form immer eingebunden gewesen und auch noch heute präsent sei. Dies spiegle sich heute noch an Karneval oder ähnlichen Festivitäten wider, an denen Substanzen „legal“ zu sich genommen werden. Konsum ist nicht gleich Konsum und Droge nicht gleich Droge. Hierbei sei es wichtig zu unterscheiden, sagt die Sozialarbeiterin. Denn zum einen gebe es den Konsum von Substanzen und zum anderen den Missbrauch. Von dem spreche man dann, wenn Drogen dazu eingesetzt würden, weil es Probleme oder Konflikte gebe oder um etwas zu kompensieren, dass man ohne Rausch gar nicht mehr bewältigen könne. Sie fügt an, dass die Abhängigkeit sich dann entwickle, wenn letztendlich auf die Droge nicht mehr verzichtet werden könne und soziale, körperliche und/oder psychische Folgeschäden erduldet werden würden.

Aus ihrer Sicht müsse die Gesellschaft dahin erzogen werden, dass man mit Konsum und Drogen, die präsent in unserer Gesellschaft sind, einen vernünftigen Umgang hinbekomme und diese nicht zu verteufeln. „In meiner Rolle als Sucht- und Sozialtherapeutin sage ich, es wäre von Vorteil, denn man hätte einen Einblick als Gesellschaft auf die Drogen. Genauer gesagt, was wird den Substanzen, die auf dem Markt sind, beigemischt“, so Reuter-Spittler.  So fände man aktuell in einigen Cannabissorten Spuren von Blei, um die Dosis ohne das Wissen der Konsument*innen künstlich schwerer machen zu können. Dies könne nur geschehen, da diese Substanzen in Deutschland illegal gehandelt würden, sodass keine Kontrollen aktuell stattfänden. Dies sei in anderen Ländern wie den Niederlanden nicht der Fall. Dort ist der Cannabisverkauf legal und das brächte nicht nur gesundheitliche Vorteile, sondern auch finanzielle für den Staat. „Ich fände es gut, wenn die Öffentlichkeit akzeptieren würde, dass einige Substanzen, die wir nicht mehr aus der Bevölkerung herausbekommen, legalisiert werden und besteuert werden könnten.“, ist sich Reuter-Spittler sicher. Auf diesem Wege könne man diese Einnahmen für Prophylaxe oder Aufklärung der Substanzen nutzen. Natürlich gäbe es auch Menschen, die in diesem Falle nicht mit dem Konsum verschiedenster Substanzen zurechtkommen könnten, hierfür könne man die zusätzlichen Einkünfte des Staats für Therapien einsetzen. Sie fügt an: „Grundsätzlich ist das auch immer von verschiedenen Fragen abhängig, ‚Wie sind die sozialen Bedingungen der einzelnen Person?‘, ‚Welche biologische Veranlagungen sind gegeben?‘ oder ‚Ist die Person traumatisiert, belastet oder gar depressiv?‘“

In Bochum können Menschen schon kontrolliert mit Ersatzstoffen in einer integrierten medizinisch-psychosozialen Behandlung konsumieren.
„Die Methadonsubstitution ermöglicht es, für opiatabhängige gesellschaftlich ein ‚integriertes Leben‘ führen zu können“, so Reuter-Spittler. Deswegen befürworte sie das Projekt an der Viktoriastraße, denn mit dem Medikament könnten Menschen ihrer Arbeit nachgehen und in der Allgemeinheit wieder Fuß fassen. Abschließend sagt sie: „Mit Opiatmedikationen kann man durchaus alt werden, da Folgeerkrankungen verhindert werden könnten.“ Zudem könne die Beschaffungskriminalität der Konsument*innen gestoppt werden.             

:Abena Appiah