Brot und Spiele
Die Stipendien von Panem
Symbolbild: CC0
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Kommentar. Dystopische Verhältnisse erreichen Deutsche Sporthilfe und Deutsche Bank bei der Vergabe eines Sportstipendiums.

Sport ist von Grund auf Wettbewerb: Der Kampf um den ersten Platz, die beste Leistung, den Teamsieg. Auch sollte man die Augen nicht davor verschließen, dass der Kampf um Beliebtheit ebenfalls seit Jahrzehnten ein großer Bestandteil vieler prominenter Sportarten ist. Wer beliebt ist, kriegt Sponsorings, Promotions und hat bessere Chancen aufzusteigen. Schon hier kommt es häufig auf Oberflächlichkeiten an. Selbst unter diesen Gesichtspunkten ist die Vergabe eines Sportstipendiums durch eine Online-Abstimmung, wie es die Deutsche Sporthilfe und die Deutsche Bank organisieren, ein makaberes Spiel. Bildungserwerb als Popularitätswettbewerb.
Wer sich an die Film- und Buchreihe „The Hunger Games“ erinnert, dem*der wird dies bekannt vorkommen. Junge Erwachsene kämpfen um ein essentielles Gut, bis der*die Letzte steht. Wer die Herzen des Publikums gewinnt, erhält Sponsorings, Promotions und hat bessere Chancen, seine Mitbewerber*innen aus dem Feld zu ziehen. In der dystopischen Geschichte ist es ein Kampf um das Leben, hier um Bildung und die finanzielle Sicherheit während des Studiums. Ähnliche Ungerechtigkeiten wie in der Geschichte schleichen sich ebenfalls ein. Wer aus den armen, benachteiligten Gebieten Panems stammt, hat für gewöhnlich keine Gunst des Publikums zu erwarten. Auch bei der Vergabe des Stipendiums schleichen sich strukturelle Ungleichgewichte ein, die die Abstimmung von vornherein bestimmen können. Zum Beispiel die Beliebtheit der Sportart der Kandidat*innen. Oder eben auch die Herkunft – wer von einer großen Uni kommt, kann direkt aus einem größeren Pool von lokalpatriotischen Abstimmer*innen schöpfen, wie bei der RUB der Fall ist.

Der Zugang zu Bildung und die Bezahlbarkeit des Studiums dürfen kein Wettbewerb sein, sondern müssen jedem*jeder frei zur Verfügung stehen. Stipendien waren schon immer nur ein Pflaster, um Studierende anhand von möglichst objektiven Kriterien, wie guten Leistungen oder einem Nachteilsausgleich, unbeschwert studieren lassen zu können. Das Sportstipendiat jedoch befeuert Ungerechtigkeiten und zeichnet nicht sportliche Leistung, sondern Beliebtheit unter dem Deckmantel der Athlet*innenförderung aus.             

:Stefan Moll

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