Daten adieu?
Die StaSi im Handy
Bild:ken
Polarisierend: Zur Warn App gibt es nur extreme Positionen.

Kommentar. Seit dem 16. Juni ist die Corona-Warn App im App Store verfügbar. Eine Funktion, die nach wie vor polarisiert.

Seit nunmehr einer Woche können wir gratis die Corona-Warn-App herunterladen. Eine App, die gefühlt polarisiert, wie sonst weniges. Zumindest in meinem Umkreis. 

Die ersten Nachrichten mit der Frage, ob ich sie schon runtergeladen hätte, erreichten mich am Dienstagabend. Kurz darauf geschah etwas fatales. Der Link zur App wurde in einen Gruppenchat gepostet. Nicht nur, dass Gruppenchats per se schon ätzend sind, weil es nie beim Thema bleibt und es höchstens wenige Minuten dauert, bis das erste Katzenvideo oder Meme drin landet. Nein, diese simple Nachricht, die nur den Link zur App beinhaltete, hat einen Shitstorm losgetreten, bei dem man wirklich an den Rand der Verzweiflung kommt.
Aber bleiben wir zunächst mal bei den Fakten. Die App ist von der Bundesregierung in Auftrag gegeben worden und soll dabei helfen, die Infektionsketten nachvollziehen zu können. Das Prinzip ist denkbar einfach: Die App wird runtergeladen, man bekommt einen zufälligen x-stelligen Code zugewiesen, der sich regelmäßig ändert. Über Bluetooth wird der Code mit den Codes von anderen Nutzer:innen in der Umgebung getauscht. Besteht nun bei jemandem ein Risiko, dass er Corona hat, und getestet wird, kann er:sie das Ergebnis in die App eintragen. In Konsequenz benachrichtigt die App alle Menschen, deren Code sie via Bluetooth erhalten hat mit einer Nachricht, dass sie Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatten. Easy as that. Es werden keine Daten abgegriffen, die App ist nach DSGVO-Standard entwickelt, der Quellcode ist online und einsehbar.
Was geschah nun an diesem verhängnisvollen Tag, an dem der Link im Gruppenchat landete? Eine Diskussion brach los. Über Datenschutz, über Staatsüberwachung, über die Warn-App zur Grippewelle, dass das alles nur der Anfang sei. Gespickt von Menschen, die zu besänftigen versuchten und von wieder anderen, die sich bemühten die Diskussion im Keim zu ersticken, in dem sie darauf hinwiesen, dass das ja gar nicht Thema der Gruppe sei und die ersten Gesuche nach Aluhüten waren auch dabei. 

Die ganze Situation einzuordnen fällt schwer. Die ganze Covid-19-Thematik ist ungewohnt und neu für alle. Die einen versuchen damit rational und angemessen entspannt umzugehen, es ist halt jetzt bis auf weiteres unser neuer Alltag und der ist selbstredend ungewohnt und auch unangenehm. Andere sind so verängstigt, dass sie eben andere Erklärungen suchen, die für sie passender erscheinen. Was mich daran stört, ist nicht, dass die Menschen um Ihre Daten besorgt sind. Das ist absolut korrekt und richtig. Was mich daran stört, ist die Tatsache, dass sie bei seriösen Quellen am Datenschutz zweifeln, wenn verschiedene namhafte Institute glaubhaft machen, dass in diesem Punkt kein Grund zur Bedenklichkeit ist, gleichzeitig aber Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter, und Co. nutzen und dort nicht derart kritisch sind. Wenn ich pöbeln wollte, würde ich sagen, auf Insta ungefragt Pimmelbilder schicken, und gegen die Corona App hetzen wegen Datenschutz und Privatsphäre.
Wie man damit umgehen sollte, wenn solche Diskussionen losbrechen? Ich weiß es noch nicht. Was ich aber weiß, ist dass ich einer im korinthenkackerigen Deutschland und unter DSGVO-Bedingungen entwickelten App mehr traue als Datenkraken wie Facebook und WhatsApp.

:Kendra Smielowski