Zwischen elisabethanischen Gemüsegärten und Bochumer Kakteen
Die RUB als Shakespeare-Zentrum
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Euphorische Worte im Jubiläumsjahr: Anglistik-Professor Roland Weidle. Foto: ksz
Euphorische Worte im Jubiläumsjahr: Anglistik-Professor Roland Weidle.

Obwohl sie ihren Hauptsitz in Weimar hat, wird Bochum stets als inoffizielles Zentrum der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft genannt. Spätestens am vergangenen Wochenende wurde der Campus diesem Titel gerecht. Als Schauplatz der alljährlichen Frühjahrestagung konnten Studierende, Lehrende und Literaturliebhabende in die Welt des berühmten Dichters und Dramatikers eintauchen. Jedenfalls in einen Teil davon.

Am vergangenen Samstag jährt sich Shakespeares Todestag zum 400. Mal. Kein Grund, die Veranstaltung unter ein morbides Motto zu stellen. In diesem Sinne eröffnete Roland Weidle, Vizepräsident der Gesellschaft, am Freitag die Tagung mit dem Thema „Shakespeare’s Green Worlds“. 

„Wir wollten besondere Akzente setzen“, erklärt der Anglistik-Professor im Gespräch. „Und haben uns dabei bewusst für das Thema Botanik entschieden, das in den Werken eine bedeutende Rolle spielt.“ Auch in der Forschung entwickle sich eine zunehmende Popularität. „Die ökologische Frage im Verhältnis Mensch und Natur  ist gegenwärtig. Wir versuchen, der Fragestellung im modernen Bewusstsein zu entgegnen.“ 

Grüne Location

Um das tragende Thema also gleich zu Beginn zu verdeutlichen, ging es in einem außergewöhnlichen Umfeld weiter. Im Botanischen Garten der RUB wurde die Auftaktveranstaltungen zum besonderen Erlebnis. Leiter Professor Thomas Stützel setzte die Schlagwörter Natur und Theater in Verbindung und eröffnete damit die Ausstellung „Pflanzen in Shakespeares Welt“. 

„Über diese Zusammenarbeit freuen wir uns besonders“, erklärte Roland Weidle. „Wann kann man schon einem Vortrag im Botanischen Garten lauschen?“ Und wie erhofft verfehlte diese Besonderheit ihre Wirkung nicht. Inmitten von tropischen Pflanzen wurden sachliche Vorträge greifbar und Eröffnungsreden plastisch. Ganz klassisch wiederum ging der Tag dann zu Ende. Die Studiobühne begeisterte mit einer Aufführung der Komödie „A Midsummer Night’s Dream“, deren Hauptspielort passenderweise der Wald ist. 

Fachliches abseits des Elfenbeinturms

Aus dem Bürgertum heraus entstand Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Shakespeare-Gesellschaft. „Es war keine akademische Gründungsinititative“, betont Weidle. Es sei daher wichtig, dass die Tagung auch Veranstaltungen für ein Publikum bietet, das nicht dem Fach entstammt. Denn, und auch das sei gesagt: „Shakespeare ist für alle da. Dafür müssen wir nur aus unserem Elfenbeinturm raus.“

Bochumer Kinos zeigten für jedeN Übertragungen aus dem Londoner National Theatre, mit Anmeldung hingegen gab es vielfältige literarische Veranstaltungen. Ob „Shakespeares Vogelwelt“ oder seine „Rhetorical Flowers“, in Podiumsdiskussionen und Seminaren versuchten Interessierte, die Botanik der großen Werke zu erforschen. Dabei gingen sie der Frage „Wie grün ist das Theater“ ebenso wie theaterpädagogischen Methoden nach. Auch 400 Jahre nach seinem Tod schien der vermeintlich größte englische Dichter an diesem Wochenende in Bochum wieder auferstanden zu sein.                      

:Katrin Skaznik

 
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