Neue Routen sollen Radverkehr sicherer machen
Die Routen schnell, die Umsetzung langsam
Bild: kjan
Für Touren schön, fürs Pendeln ungeeignet: Die Radroute am Dortmund-Ems Kanal.

Ambitionierte Pläne für neue Radrouten sind in Dortmund auf dem Tisch. Was sind die sogenannten „Velorouten“ und wie lang wird man auf eine Umsetzung warten dürfen?

Zwei- bis vierspurige Straßen in jede noch so verwinkelte Ecke der Stadt, Geh- und Fahrradwege, die entweder viel zu schmal, zugeparkt oder überhaupt nicht vorhanden sind. Deutsche Städte sind Autostädte, und auch Parteien, die sich Verkehrswandel auf die Fahne und ins Wahlprogramm schreiben, scheitern an der Umsetzung von Änderungen an dieser Tatsache. Einzelne Städte gehen mit gutem Beispiel voran, und haben entweder ihre Fahrradinfrastruktur bereits ausgebaut, oder planen es für die nächsten Jahre. So nun auch Dortmund. 

Dabei zählt die Stadt vorrangig auf sogenannte Velorouten (franz. velo „Fahrrad“). „Vorranging“ ist auch ein gutes Stichwort, denn eben Vorrang sollen Radfahrer:innen auf diesen rot markierten Strecken gegenüber anderen Verkehrsteilnehmer:innen haben. Kontakt mit vielbefahrenen Straßen soll jedoch eher vermieden werden, und diese Routen werden stattdessen über Nebenstraßen und durch 30-Zonen geleitet werden. Neun Routen über insgesamt 82 Kilometer sind geplant, und sollen die Stadtteile mit dem Cityring verbinden, und teilweise auch über den ebenfalls geplanten Radschnellweg Ruhr (RS1) führen, an dessen Teilabschnitten seit mehreren Jahren gebaut wird. Um Platz für diese Routen zu schaffen, müssen mancherorts auch Autoparkplätze weichen. Das Projekt ist Teil der Masterplan Mobilität 2030 und wurde in den letzten Jahren gemeinsam vom zuständigen Arbeitskreis, der Öffentlichkeit und der Verwaltung ausgearbeitet. Bis 2030 soll der Anteil von Fahrradwegen am Gesamtverkehrsnetz im Vergleich zu 2019 von 10 auf 20 Prozent verdoppelt werden. Damit sollen auch Fahrradparkplätze und bessere Vernetzung zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln einhergehen. Für Freizeitfahrer:innen und auch Rad-Pendler:innen sollen in Zukunft bessere und sicherere Wege geschaffen werden, als Teil einer größer angelegten Modernisierung des Dortmunder Verkehrsnetzes. Klingt ambitioniert, und bis die Umsetzung überhaupt beginnen kann, wird noch einiges an Zeit vergehen. Für Werner Blanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club e.V. ist eine Umsetzung erst mal Zukunftsmusik. „Da Radverkehr an Hauptverkehrsstraßen nur auf Kosten des MIV (Anm. der Redaktion: Motorisierter Individualverkehr) geplant und gefördert werden kann und dies aus meiner Sicht (ich drücke mich vorsichtig aus) in der Verwaltung nicht unbedingt gewünscht wird, hat eben diese Verwaltung wohl gemerkt, dass diese Umsetzung problematisch wird.“ Die alternativ konzipierten Velorouten seien, und er bezieht sich dabei auf Aussagen aus dem Tiefbauamt, ein Lebenswerk, dessen Umsetzung wohl bis zu 30 Jahre dauern dürfte. Auf kurzfristige Verbesserungen lassen diese Pläne also nicht hoffen. 

In Bochum hatte die Initiative RadEntscheid im Dezember eine Unterschriftenliste mit 17.000 Unterzeichner:innen, die bessere Radwege und -infrastruktur für Bochum verlangten, an den Oberbürgermeister Thomas Eiskirch übergeben und eine Kundgebung abgehalten. Vielerorts setzen sich Einzelpersonen, kleinere Gruppen und der ADFC für einen Ausbau der Radwege, und somit bessere Vernetzung und höhere Sicherheit für Radfahrer:innen ein. Immer wieder prangern diese Initiative außerdem Unfälle an, bei denen Radfahrer:innen verletzt oder getötet werden, und deren Grund sie in der schlechten, deutschen
Fahrradinfrastruktur sehen.   

  :Jan-Krischan Spohr