Wie steht Amnesty International in Bochum und Dortmund zur Prostitution?
Die Menschenrechte der SexarbeiterInnen
Foto: Amnesty International Bochum
Wird über Prostitution noch diskutieren: Die Bochumer Gruppe von Amnesty International
Vergangene Woche hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) beschlossen, sich im Interesse der SexarbeiterInnen zukünftig auch für die Entkriminalisierung der Prostitution einzusetzen. Bereits die interne Diskussion im Vorfeld hatte international Aufsehen erregt und eine heftige Debatte ausgelöst. Die :bsz hat aus diesem Anlass die AI-Gruppen in Bochum und Dortmund zu ihrer Einschätzung des Beschlusses sowie zum Thema Frauenrechte befragt.
 
Johannes König, Sprecher der AI-Hochschulgruppe Bochum, erklärt zunächst den weiteren organisatorischen Ablauf: Der bei der Tagung des Internationalen Rates in Dublin gefasste Beschluss müsse nun vom Internationalen Vorstand von AI als Position weiterentwickelt werden. Dabei werden auch die Rückmeldungen der Sektionen aus den verschiedenen Ländern berücksichtigt. Erst einige Wochen bis Monate darauf werde dann von den jeweiligen Sektionen wie AI Deutschland das entsprechende Informations- und Kampagnenmaterial herausgegeben.
 
Die Bochumer AI-Gruppe war im Themenbereich der Sexarbeit bisher noch nicht aktiv. Man werde erst das kommende Material von AI Deutschland abwarten und dann auf dieser Grundlage entscheiden, ob und inwiefern die Gruppe hierzu tätig werde.

Neues in Dortmund

Auch in Dortmund, wo es fünf Gruppen von Amnesty International gibt, gehört die Situation von SexarbeiterInnen bislang nicht zu den Inhalten des Engagements. Allerdings, so der Dortmunder AI-Bezirkssprecher Martin Krüger, wurde das Thema in den lokalen Gruppen bereits umfangreich diskutiert. Grundsätzlich stehe man hinter dem Beschluss des Internationalen Rates.
 
Zu den zukünftigen Folgen für den lokalen Aktivismus erläutert Krüger: „Jede Positionierung hat Auswirkungen auf unsere Arbeit.“ Der Arbeitsradius werde erweitert und es böten sich neue Formen der gesellschaftlichen Einflussnahme. „Und natürlich bringen neue Positionierungen auch neue kritische Auseinandersetzungen mit sich.“ Um die Lebensumstände der Menschen zu verbessern, müsse man sich solch schwierigen Themen stellen.

Menschenrechte und Frauenrechte

Amnesty International widmet sich zwar allgemein dem Schutz der Menschenrechte, doch stehen besonders Frauenrechte dabei häufig im Fokus. Das liegt einfach daran, so Martin Krüger, „dass die Rechte von Frauen häufig bedroht werden“. Die Dortmunder AI-Gruppen nehmen traditionell am Internationalen Frauentag teil und widmen sich dann jeweils einem Thema mit Frauenbezug, wie zum Beispiel dem Recht der körperlichen Selbstbestimmung.
 
Auch Johannes König von der Bochumer Gruppe bewertet solche feministischen Anliegen als untrennbar mit dem Schutz der Menschenrechte verbunden. Die Diskriminierung und Bevormundung von Frauen sei „in allen Gesellschaften dieser Welt ein sehr relevantes Problem“.
 
Bei der Prostitution sieht König den Bezug zu den Menschenrechten einerseits im Anrecht der SexarbeiterInnen, „über ihr Leben und ihren Körper selbst zu bestimmen“ und andererseits in der dringenden Pflicht des Staates, sie vor „Ausbeutung, Menschenhandel und Missbrauch zu schützen“. Und wo Prostitution die einzige Alternative zu Hunger und Elend sei, „müssen Staaten auch die wirtschaftlichen und sozialen Rechte von Menschen stärken“.
 
:Gastautor Patrick Henkelmann
 
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