Innereien – ein vielfach verkanntes Lebensmittel
Die inneren Werte zählen

Kommentar. 59 Kilo Fleisch isst jedeR jährlich. Nur 100 Gramm davon sind Innereien. Das sind etwa drei Leberwurstbrote. Ein Plädoyer.

Ich esse Fleisch. Nicht jeden Tag, aber doch gerne. Daran ist auch erstmal nichts auszusetzen. JedeR wie er/sie mag, der eine vegan, die andere vegetarisch, manche sind Container-Veggies, andere FlexitarierInnen und ich eben karnivor. Doch eins regt mich auf – und zwar nicht erst seit dem Fleischatlas 2018, sondern schon früher. Der unbegründete Ekel oder Hass gegenüber Innereien. 1984 waren es noch 1,5 Kilo Innereien pro Kopf im Jahr. Heute sind es knapp 100 Gramm. Was ist passiert? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Aber ich finde es schlimm. Ein Schwein besteht nicht nur aus Filet, ein Rind nicht nur aus Steak und auch ein Huhn hat ein Innenleben. Innereien sind nicht eklig oder schmecken muffig. Sie sind ausgesprochen lecker.

Scheuklappen ablegen!

Die einzige Hürde ist der irrationale Ekel. Die Leberwurststulle ist okay, aber ein Stück Leber in der Pfanne braten und essen? Noch eher als Niere, Herz oder Zunge gegessen wird. Dabei kann aus Herz kann ein tolles Ragout werden. Hühnerherzen sind klasse, wenn sie kurz mit ein bisschen Butter in der Pfanne landen. Dennoch werde ich beglückwünscht, weil ich meinen Hund artgerecht halte und ihm   Hühnerherzen gebe, wenn ich sie an der Theke bestelle. Verkehrte Welt. Wer hat schonmal vor einer Rinderzunge gestanden und sich gefragt, wer sowas isst oder wie man das zubereitet? Es ist nicht nur so, dass Innereien, verglichen mit dem restlichen Fleischsortiment, nochmal günstiger sind, (weil sie quasi „Müll“ sind), sie sind auch noch super Nährstofflieferanten. Leber enthält viel Retinol (Vitamin A) und Vitamin B12, Nieren sind super Quellen für Proteine.
Also an dieser Stelle ein Aufruf an alle FleischesserInnen: Traut Euch an Lebensmittel, die Ihr bisher gemieden habt. Ihr werdet weder sterben noch Euch übergeben müssen. Wie bei Allem muss man nur wissen, wie es geht. Es gibt Rezepte im Netz, die wirklich gut sind (natürlich nicht so gut wie die von meiner Oma, aber schon essbar) und im Zweifel schreibt mir eine Mail.

:Kendra Smielowski