Das Bezahlen per Smartphone bietet Bequemlichkeit – aber für wen?
Die gläserne Geldbörse
Quelle:flickr.com, Jason Howie (CC-BY-2)
Shoppen per Fingerabdruck: Apple und Google machen ihre Smartphones zu virtuellen Geldbörsen. Quelle:flickr.com, Jason Howie (CC-BY-2)
Shoppen per Fingerabdruck: Apple und Google machen ihre Smartphones zu virtuellen Geldbörsen.

Bezahlen per Smartphone – was hier in Deutschland erst 2016 eingeführt werden soll, ist in den USA seit Kurzem Realität, denn mit Apples neuester iPhone-Generation wurde auch der Dienst Apple Pay eingeführt, der das Handy zur virtuellen Geldbörse macht – und zur Schatztruhe voller KundInnendaten.

Das neue Bezahlsystem, das mit dem iPhone 6 und der Apple Watch kompatibel ist, funktioniert dank der sogenannten Near-field-communication-Technologie, kurz NFC. Dabei handelt es sich um einen Übertragungsstandard für Daten per Funktechnik über eine kleine räumliche Entfernung hinweg. Mithilfe von NFC-Terminals können KundInnen die Technologie nun in zahlreichen US-amerikanischen Geschäften nutzen – wozu sie lediglich ihr Smartphone vor das Terminal halten müssen. Ein Fingerabdrucksensor soll sicherstellen, dass auch wirklich der/die BesitzerIn des Smartphones gerade einen Kauf tätigt, denn nach seiner PIN wird er/sie vor der Transaktion nicht noch einmal gefragt.

Apple Pay und sein größter Konkurrent Google Wallet, der ähnlich funktioniert, versprechen also Bequemlichkeit für KundInnen – aber was passiert mit den Daten? Neben der Frage nach der Sicherheit der Bankdaten der KundInnen, die auf den Servern von Apple und Google gespeichert werden, werden in Zukunft vermutlich die Informationen über einzelne per Apple Pay oder Google Wallet abgeschlossene Transaktionen in den Fokus der Unternehmen rücken. Während Apple verspricht, dass in Zukunft niemand herausfinden können wird, wofür iPhone-NutzerInnen per Apple Pay ihr Geld ausgeben, zeichnet Google die Transaktionen seiner NutzerInnen auf und merkt sich nicht nur, wie viel Geld dabei jeweils zu- oder abgebucht wurde, sondern auch, von welchem Ort aus die Transaktionen getätigt wurden.

Neues Datenfutter für Google und Co.?

Natürlich wirft das nun die Frage auf, was Google mit diesen Informationen vorhat. Schon länger steht der Suchmaschinen-Gigant unter der Beobachtung der deutschen Monopolkommission. Auch wenn Justus Haucap, Kommissionsmitglied und Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie, von übertriebenem „Google-Bashing“ spricht, ist nicht zu leugnen, dass der Marktanteil von Google in den USA 60 Prozent beträgt, in Deutschland sogar um die 90 Prozent. Auch die Datenflut, die von Google zur Schaltung von personalisierter, auf vorherigen Suchläufen der NutzerInnen basierender Werbung angesammelt wird, ist schon lange bekannt. Nur eines fehlte Google bislang noch: verlässliche Daten über die finanzielle Lage der NutzerInnen. Dadurch ließe sich Werbung noch gezielter auf einzelne potenzielle KonsumentInnen abstimmen.

US-Einzelhandel sperrt Apple aus

Klar, dass nicht nur Google als Vermittler zwischen KundInnen und werbetreibenden Unternehmen Interesse an solchen Daten hat, sondern auch die Unternehmen selbst. Dass dieses Interesse an KundInnendaten kaum noch ernsthaft verschleiert wird, zeigt ein aktueller Streit in den USA zwischen Apple Pay und einem Konsortium aus verschiedenen Unternehmen, darunter etwa die Supermarktkette Walmart. Dort schauen iPhone-NutzerInnen derzeit in die Röhre, denn Ketten wie Walmart oder Best Buy haben die NFC-Terminals in den Filialen derzeit deaktiviert. Dort sollen die KundInnen in Zukunft auf ein Bezahlsystem namens CurrentC setzen, das von Walmart und seinen Partnern entwickelt wurde. Der Grund: Apple scheint sein Versprechen an die NutzerInnen zu halten und Dritten keinen Einblick in die Transaktionsdaten zu geben – und somit ist die Technologie, so bequem sie für die KundInnen auch sein mag, für den Einzelhandel nutzlos.

:Birthe Kolb

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