Hauptsache Fußball
Die Euro 2020 + 1
Bild: bena
Symbolbild

Ballsport. Vier Wochen lang stand der Fußball im märchenhaften Fokus, denn die EURO 2020 wurde gespielt. Nach 120 Minuten und einem Elfmeterschießen wissen wir nun, wer der Sieger ist. Doch damit Ihr dieses Turnier nicht nur als Jogis last Goodbye (:bsz 1296) seht, bekommt Ihr ein paar Fakten von uns, damit Ihr beim AStA-Fußball-Quiz ganz bestimmt abräumen könnt!  

  • Luke Shaw schoss das schnellste Finaltor bei einer Europameisterschaft. In der zweiten Minute konnte der 25-jährige Spieler von Manchester United das 1:0 für England erzielen. 

  • 51 Spiele wurden während des Turniers insgesamt gespielt! Es gab insgesamt sechs Gruppen, á vier Gruppenteilnehmern und jeweils Achtel-, Viertel- und Halbfinalspiele.

  • Cristiano Ronaldo hat zwei Rekorde aufgestellt, er spielte zum einem bei FÜNF darauffolgenden EM-Turnieren und schoss sich in diesem Turnier an die Spitze der All-Time-Torjäger-Liste. Zudem konnte er sich mit fünf Toren zum Torschützenkönig des Turniers schießen. 

  • Björn Kuipers ist der erste Schiedsrichter aus den Niederlanden, der ein EM-Finale pfeift. 

  • Der Finalteilnehmer England schaffte es mit nur zwei Toren zum Gruppensieg! 

  • Fünf Rote Karten gab es bei der Europameisterschaft. Mathijs de Ligt (NED), Remo Freuler (SUI), Marcus Danielsson (SWE) und zwei Waliser Harry Wilson und Ethan Ampadu gehören zum elitären Kreis der Rotseher.   

  • In 11 Städten wurde insgesamt in Europa und Asien gespielt: Rom, Baku, Sankt Petersburg, Kopenhagen, Amsterdam, Bukarest, London, Glasgow, Sevilla sowie München und Budapest.  

  • Dieses Turnier war das Turnier der Eigentore, insgesamt elf Tore sind ins eigene Netz gegangen. Bei der vergangenen Europameisterschaft waren es lediglich drei, jedoch sind es in diesem Jahr auch mehr Spiele. Portugal schaffte sogar gegen Deutschland ganze zwei! 

  • Patrik Schick schoss mit seinem 45,5 Meter-Treffer ein Tor mit der größten Distanz, welches je bei einer Europameisterschaft erzielt wurde. 

  • Ins Achtelfinale schaffte es Dänemark trotz zwei Auftaktniederlagen. Das schaffte zuvor kein anderes Team! Dank belgischer Schützenhilfe kletterte das Team von Kasper Hjulmand auf Platz zwei ihrer Tabelle.  

  • England konnte noch nie in einem Turnier gegen Italien gewinnen. Das gilt für die Europameisterschaften in 1980, 2012 und 2021 sowie der Weltmeisterschaft 1990 und 2014. 

  • 1.169 Minuten spielte der italienische Keeper ohne Gegentor und konnte den Rekord von Torwart-Legende Dino Zoff knacken. Dieser lag bei 1.143 Spielminuten. Im Spiel gegen Österreich netzte Sasa Kalajdzic zum 1:2 gegen Donnarumma. 

  • Italien spielte das erste Spiel am 11. Juni gegen die Türkei und das letzte Spiel am 11. Juli gegen England bei der Europameisterschaft.

 

Dem einen Freud der anderen Leid

Aber nicht alles ist fröhlich Zuckerwatte, der Fußball ist faszinierend und traurig zugleich. Dieses Turnier zeigte kurz vor und nach Beendigung auf, dass es immer noch Themen gibt, die nicht angesprochen werden.   

Noch vor dem Finalgewinn der italienischen Mannschaft machte die Local Government Association darauf aufmerksam, dass das Finale laut Studien der Universität zu
Lancaster dazu führen könnte, dass es einen Anstieg der häuslichen Gewalt gibt. Hierfür wurden Großfußballturniere aus 2002, 2006 und 2010 als Grundlage genommen und die Zahlen der gemeldeten Fälle und Polizeiberichte aus dem Nordwesten Englands empirisch verglichen. In der Studie zeigte sich im Falle einer Niederlage ein Anstieg der Wahrscheinlichkeit von häuslicher Gewalt um 38 Prozent und bei einem Unentschieden oder Sieg um 26 Prozent. So gab es schon vor dem Spiel verschiedene Kampagnen, um FLINTA* zu schützen und ihnen einen Schutzort zu geben. Ein Thema, das in dem männlich dominierten Sport meistens nicht in die Primetime schafft, da die Berichterstattung meist romantisiert wird.

Um kurz vor 12 war es soweit: Italien hatte im Elfmeter schießen mit 3:2 gewonnen. Da es bei einem Elfmeterschießen einfach ist, Schuldige zu finden, stürzten sich die weißen englischen Fans auf die Schwarzen Spieler der Mannschaft. Denn die drei nicht verwandelten Elfmeter Englands kamen von drei Schwarzen Spielern. Zwei von Ihnen, Jadon Sancho und  Marcus Rashford wurden erst kurz vor dem Elfmeter schießen eingewechselt. Dieses Narrativ konnte sich nur tragisch gestalten, denn die beiden und Bukayo Saka haben nicht getroffen. 
Die Reaktion der Engländer? Klar, aufgrund ihrer Hautfarbe könnten sie keine richtigen Engländer sein. Und noch mehr: Im Internet kursieren Videos aus Pubs und verschiedenen Public-Viewing Orten wie auf Schwarze Fans, mit denen man noch Minuten zuvor gemeinsam bangte, eingeschlagen wird. In den Kommentarspalten der besagten Spieler nehmen auch rassistische Diskriminierungen auf Social Media die Überhand. Die Football Association zeigt sich bestürzt und habe die Polizei bezüglich des Online-Rassismus eingeschaltet, jedoch kann dies nicht die Schwarzen Fans schützen. Offizielle Zahlen über die Gewaltdelikte aus England gab es zum Redaktionsschluss noch nicht. 

Dieses Phänomen des nicht dazugehören ist nicht nur ein Englisches! Auch andere Länder schaffen es vor allem durch die mediale Berichterstattung und eigenen Definition: Wie ein “richtiger Nationalspieler” für sein Land eigentlich auszusehen hat! Die Antwort darauf ist einfach: Bei siegen ist es egal, bei Niederlagen wird wiederholt klar, dass Sie in diesem Fall am besten keinen Migrationshintergrund haben sollten!

            Mehr zu diesem Thema könnt Ihr bei den Koleg:innen im Sport Inside Podcast hören!

:Abena Appiah 

 

Dem einen Freud der
anderen Leid