Wo böse Burschis auf ganz normale Studis treffen
Die bunte Landschaft der Heidelberger Verbindungen

Rechtsextreme Parolen, zeremonielle Sitzungen, sinnloses Fechten – unterlegt mit täglichem Bierkonsum. So das gängige Vorurteil gegenüber den heiß umstrittenen Burschenschaften. Tatsächlich finden sich solche Gemeinschaften gerade in traditionellen Universitätsstädten wie etwa Heidelberg. Doch Verbindung ist nicht gleich Verbindung, wie ich dort während meines Bachelorstudiums lernte.

Selbstverständlich begegneten mir in den engen Gassen der Heidelberger Altstadt zahlreiche Bilderbuch-Burschis. Ihre ominösen Verbindungspartys, zu denen nur exklusiv ausgewählte Damen Zutritt hatten, mied ich zwar immer; die Konversation und damit Verständnis  für die Mitgliedschaft suchte ich jedoch aktiv. Das Ergebnis sämtlicher Gespräche war wenig überraschend: Nicht alle Burschis sind böse Burschis.

Während manche ihren Sexismus genauso offen trugen wie einen ambitioniert erworbenen Schmiss, berichteten andere ganz bescheiden davon, aus pragmatischen Gründen in eine der gemäßigteren Verbindungen eingetreten zu sein – denn nicht alle Gruppierungen identifizieren sich mit dem konservativem Weltbild der traditionellen Burschenschaften. Vielmehr bemühen sie sich, StudienanfängerInnen (es gibt tatsächlich auch Frauenverbindungen) einen Anknüpfungspunkt sowie günstige Wohnmöglichkeiten zu bieten. Ganz ohne Zwang zu vorgefertigten politischen Überzeugungen oder Glaubensfragen.

Es geht auch anders

So beneidete ich eine Kommilitonin etwa um ihre riesige WG in einem schönen Altbau der Heidelberger Innenstadt: nur die Hälfte der regulären lokalen Mieten zahlten die 28 BewohnerInnen, die sich regelmäßig in der geräumigen Küche oder im gemütlichen Wohnzimmer des Hauses trafen, um über Studium, Zwischenmenschliches und Lebenspraktisches zu quatschen. Die Partys im Keller waren stets vorzüglich und offen für alle. Die einzigen Auflagen für die Mitglieder: evangelischer Glaube, soziales Engagement und das Übernehmen von Aufgaben im Haushalt.

Aber selbstverständlich sind solche StudentInnenverbindungen ohne absurde Zeremonien und extreme Ansichten nicht spektakulär genug, um sich darüber das Maul zerreißen zu können. So kommt es, wie es bei Vorurteilen immer kommen muss: einseitig und unreflektiert lehnen wir pauschal ab, was wir nicht umfassend, sondern nur als Ausschnitt der Wirklichkeit kennen.

:Melinda Baranyai