28 Jahre Deutsche Einheit
Deutschland, deine Nationalfeiertage
Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-400 / Grimm, Peer / CC-BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en
Gehisst: Die Flagge der Einheit wehrt seit 1990 ununterbrochen auf dem Reichstag.          Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-400 / Grimm, Peer / CC-BY-SA 3.0  https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en
Gehisst: Die Flagge der Einheit wehrt seit 1990 ununterbrochen auf dem Reichstag.

Tradition. Jedes Jahr ein Festakt: Der Tag der Deutschen Einheit wird seit 28 Jahren am 3. Oktober gefeiert. Mit dem Mauerfall hat das Datum jedoch nichts zu tun. Eine kurze Geschichte der deutschen nationalfeiertage.

Zugegeben, am 3. Oktober wurde die neue Präambel des Grundgesetzes verabschiedet und die Wiedervereinigung Deutschlands somit formal beendet. Doch das Symbol der Wiedervereinigung, der Mauerfall, begab sich bereits 11 Monate zuvor, am 9. November 1989. Feierlichkeiten an diesem Datum erschienen dem Gesetzgeber ungeeignet – man wollte Deutschland nicht am Tag der Reichspogromnacht feiern. Eine weitere Besonderheit: 1990 gab es zwei Einheitsfeiertage, den neuen Festtag und den von 1954 bis 1990 am 17. Juni begangenen Tag der deutschen Einheit, wohl gemerkt mit kleinem „d“. Anlass dieses ursprünglichen bundesrepublikanischen Feiertags war der 1953 erfolgte Volksaufstand in der DDR, für die Bundesrepublik Ausdruck des Einheitswillens der DDR-Bürger*innen.

Feiertage über Feiertage

Im so genannten „Dritten Reich“ galt der „Tag der Arbeit“, das nationalsozialistische Pendant des Internationalen Arbeiter*innenkampftages, der 1933 zuletzt begangen werden konnte, da tags darauf die Gewerkschaftshäuser gestürmt und freie Gewerkschaften verboten wurden, als Nationalfeiertag
Doch damit nicht genug: Auch die erste deutsche Republik kannte einen Nationalfeiertag. Am 11. August 1919 unterzeichnete Reichspräsident Friedrich Ebert die Verfassung der Weimarer Republik. 14 Jahre lang feierte man diesen Tag als „Geburtsstunde der Demokratie“.


Verlegungsdebatte

Einmal jährlich Feiertag? Das kostete Anfang des Jahrtausends regelmäßig 500 Millionen Euro nicht eingenommener Steuern. Geld, das die damalige Regierung Schröder gut gebrauchen konnte, um den Bundeshauthalt 2005 aufzubessern. Da der 3. Oktober 2004 auf einen Sonntag fiel, schmiedete die damalige Bundesregierung Pläne, zukünftig nicht mehr den 3. Oktober, sondern stets den ersten Sonntag im Oktober zum Nationalfeiertag zu erklären. Ein Plan, der nach Ablehnung des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler schnell verworfen wurde. Und so heißt es wohl auch zukünftig, dass am 3. Oktober nicht nur mehr als eine halbe Milliarde Euro Steuern nicht eingenommen werden, sondern durch die jährlichen Feierlichkeiten erneut mehrere Millionen Euro verpulvert werden.

:Justinian L. Mantoan