Schweifloser Manx-Komet aus der Oortschen Wolke entdeckt
Der Ursprung des Sonnensystems
Grafik: ESO/L. Calçada
Grafische Darstellung der Geschichte des Objekts: Den Großteil der Zeit von vier Milliarden Jahren verbrachte es in den kalten Außenbereichen der Oortschen Wolke.Grafik: ESO/L. Calçada
Grafische Darstellung der Geschichte des Objekts: Den Großteil der Zeit von vier Milliarden Jahren verbrachte es in den kalten Außenbereichen der Oortschen Wolke.

AstronomInnen um Karen Meech von der Europäischen Südsternwarte (ESO) haben mithilfe ihres sogenannten Very Large Telescope einen Asteroiden entdeckt, dessen materielle Zusammensetzung Anhaltspunkte für die Entstehung unseres Sonnensystems liefern kann. C/2014 S3 (PANSTARRS), so der Name des Objekts, soll sich laut Pressemitteilung der ESO vom 29. April über Milliarden von Jahren in der Oortschen Wolke aufgehalten haben und die Eigenschaften eines urzeitlichen Asteroiden aus dem inneren Sonnensystem besitzen.  

Der Komet scheint in etwa zur gleichen Zeit wie die Erde innerhalb unseres Sonnensystems entstanden zu sein, wurde jedoch in einem relativ frühen Stadium hinausgeschleudert und bewegte sich fortan in der Oortschen Wolke. Diese Wolke umgibt die Sonne sozusagen als riesige „dichte Seifenblase“ und „enthält schätzungsweise Billionen winziger Eiskörper“, heißt es in der Pressemitteilung. Gelegentlich erhalten einige dieser Körper einen Stoß, welcher sie zurück in das Sonnensystem befördert. Die Beobachtungen der ForscherInnen lassen nun den Schluss zu, dass es sich hier nicht etwa um einen „normalen“ Kometen handelt, sondern um einen Gesteinsbrocken, der als potentieller Baustein von Gesteinsplaneten wie der Erde gesehen werden kann. Die eisige Umgebung der Oortschen Wolke führte dazu, dass dieser Brocken Milliarden Jahre lang konserviert wurde. „Er wurde in der besten Tiefkühltruhe konserviert, die es gibt“, so Karen Meech, Erstautorin der begleitenden Studie.

Wie bedeutend ist dieser Fund?

Prof. Dr. Rolf Chini (s. Bild) vom Lehrstuhl für Astrophysik an der RUB meint: „Die wissenschaftliche Relevanz hängt ein wenig davon ab, wie gut man den Kometen nun untersuchen kann. Man muss bedenken, dass man von seiner Oberfläche im Wesentlichen nur reflektiertes Sonnenlicht messen kann.“ Die durch Erwärmung verdampfenden Atome könnten spektroskopiert werden, um so etwas über die Zusammensetzung des Kometen zu erfahren. Allerdings handele es sich, so Chini, in diesem Fall nur um ein einziges Objekt, das sich bald wieder in die Oortsche Wolke zurückbegeben und erst in frühestens 860 Jahren wieder auftauchen werde – wenn überhaupt. „Falls also nicht weitere Objekte dieser Art gefunden werden, gibt es in dieser Richtung keine neue Forschungsmöglichkeiten.“ Selbstverständlich würden wie bisher weitere Asteroiden und Kometen untersucht, diese bestünden allerdings nicht aus einem Material, das die Bedingungen des frühen Sonnensystems erforschen ließe.  
 

Zuversicht bei der ESO

Dessen sind sich auch Karen Meech und ihre KollegInnen bewusst. Um zwischen den theoretischen Modellen, die auf verschiedenste Art den Aufbau unseres Sonnensystems reproduzieren, unterscheiden zu können, seien weitere 50–100 solcher Manx-Kometen notwendig, da sie nicht, wie „richtige“ Kometen, aus mit Eis zusammengeklebtem Geröll, sondern festem Gestein bestehen. Dies würde sodann neue Möglichkeiten bei der Erforschung unseres Sonnensystems eröffnen.  

                                                         :Tobias Möller