Zwei junge Frauen aus Arizona wollen in Herne, dass Menschen durch das Buch Mormon ihr Glück finden
Der liebevolle Pfad Gottes
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„Die meisten Menschen wollen nicht mit uns reden. Aber wir wollen sie zu nichts zwingen, wir wollen sie nur einladen“: Die Mormoninnen Schwester Carroll (l.) und Schwester Baker zeigen Ausdauer. Während oder nach dem Studium für einige Monate ins Ausland: ein Plan, den viele von uns hegen. Zwei junge Frauen aus dem US-Bundesstaat Arizona sind derzeit in Herne – aus einem Grund, der den meisten Studis wohl nicht in den Sinn käme. Schwester Carroll und Schwester Baker haben eine Mission. Oder genauerFoto: mar
„Die meisten Menschen wollen nicht mit uns reden. Aber wir wollen sie zu nichts zwingen, wir wollen sie nur einladen“: Die Mormoninnen Schwester Carroll (l.) und Schwester Baker zeigen Ausdauer.

Während oder nach dem Studium für einige Monate ins Ausland: ein Plan, den viele von uns hegen. Zwei junge Frauen aus dem US-Bundesstaat Arizona sind derzeit in Herne – aus einem Grund, der den meisten Studis wohl nicht in den Sinn käme. Schwester Carroll und Schwester Baker haben eine Mission. Oder genauer, sie sind auf Mission: Sie verbreiten, fast 9.000 Kilometer von der Heimat entfernt, Gottes Wort, die frohe Botschaft aus dem Neuen Testament und dem Buch Mormon. 

Die meisten kennen die Heiligen der letzten Tage unter dem Namen Mormonen, das landläufige Wissen über diese Kirche speist sich aus Klischees und amerikanischen Satiren. Während die vielzitierte Vielehe offiziell schon 1890 abgeschafft wurde, ist das strikte Alkoholverbot Fakt; auch Kaffee und selbst Tee sind bei den MormonInnen tabu. Dass Angehörige der Kirche zwei Jahre auf Mission ins Ausland gehen müssen, ist auch nur zum Teil wahr.

„Bei uns ist alles freiwillig, wir werden zu nichts gezwungen“, erklärt Schwester Carroll bei einem Besuch im Gemeindehaus an der Sodinger Straße in der Nähe vom Gysenberg-Park. Das gelte sowohl für das Amt des Bischofs (vergleichbar mit dem Pfarrer bei „gewöhnlichen“ christlichen Kirchen) wie für jedes andere (Ehren-)Amt – und für die Mission.

Schwester Carroll kam mit 18 Jahren der Gedanke, für 18 Monate ihre Heimatstadt Gilbert, in der Nähe von Phoenix, zu verlassen. „Gott wollte, dass ich auf Mission gehe, denn der Gedanke ging nicht weg.“ Seit einem Jahr ist die nun 20-Jährige in Deutschland, erst in Bonn, seit September in Herne. Dass sie hier, in einer von neun Ruhrgebietsgemeinden, ausgerechnet eine Schwester aus ihrem Heimatort trifft, ist ungewöhnlich und ein großer Zufall.

Volle Überzeugung(skraft)

Schwester Baker ist 19 und seit einem Monat in Herne und auch sie bereut ihre Entscheidung überhaupt nicht. „Ich finde es wichtig, auf Mission zu gehen. Ich liebe meine Mission“, sagt sie, und fügt lächelnd hinzu: „Und ich liebe Deutschland.“

Die beiden Frauen haben in den Staaten studiert, Ingenieurswesen und Chirurgie. Was bewegt junge Menschen dazu, für 18 (Frauen) beziehungsweise 24 Monate (Männer) auf eine Reise in die Fremde zu gehen und den ganzen Tag, sieben Tage die Woche Gott zu widmen? „Die Kirche macht mich glücklich“, sagt Schwester Baker. „Ich möchte auch, dass andere Menschen den Heiligen Geist spüren.“

Fulltime-Job in Gottes Diensten

Dafür stehen die beiden jeden Morgen um 6:30 Uhr auf, studieren zwei Stunden in den heiligen Schriften, der Bibel und dem Buch Mormon, das der Religionsgründer Joseph Smith in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einem Engel erhalten haben soll. Danach lernen sie gemeinsam Deutsch und sind dann den ganzen Tag unterwegs, sprechen Menschen in Herne, Bochum und Umgebung auf der Straße an oder besuchen sie zu Hause. Montags wird die Wohnung geputzt und eingekauft.

Nach eigenen Angaben wächst die Kirche der Heiligen der letzten Tage weltweit dank der Bekehrungsbemühungen. 14,8 Millionen getaufte Mitglieder soll die Kirche haben, 38.000 in Deutschland. Der Raum für den Kinderunterricht im Herner Gemeindehaus ist aber seit einiger Zeit unbenutzt, aus Mangel an Nachwuchs.

 

 :Marek Firlej

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