Woche der Botanischen Gärten: Thema Shakespeare
Der Barde und die Blumen
Foto: Karin Freymeyer
Titania und Zettel: Katharina Losekamm (oben links), Elisabeth Müller (o. r.), Lena Räther (u. l.), Christine Ruthenfranz (u. l.). Foto: Karin Freymeyer
Titania und Zettel: Katharina Losekamm (oben links), Elisabeth Müller (o. r.), Lena Räther (u. l.), Christine Ruthenfranz (u. l.).
Zurzeit findet im Botanischen Garten der RUB die Ausstellung „Garten = Theater oder Shakespeares Pflanzenwelt“ von Dr. Stefan Schneckenburger (TU Darmstadt) statt. Studierende der RUB und der Folkwang Universität der Künste ergänzten die Ausstellung mit Rezitationen, verschiedenen Textstellen und chorischem Sprechen und luden am Sonntag, den 19. Juni zum Matinee in den Botanischen Garten der RUB ein.
 
Anlässlich des 400. Todesjahres von William Shakespeare ist die diesjährige „Woche der Botanischen Gärten“ den etwa 120 Pflanzen in seinen Dichtungen gewidmet. Spielort war der Botanische Garten der RUB: Eingang N-Nordstraße, Lottental-Eingang, Gewächshaus. Die etwa 50 ZuschauerInnen versammelten sich an den Treppen; der Spielort war direkt davor.

„So lange Menschen atmen …“

Das Germanistische Institut rezitierte Sonette und pflanzenbezogene Auszüge u. a. aus „Hamlet“ und „Romeo und Julia“, auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Die 16 StudentInnen suchten die Stücke aus und erarbeiteten die Darstellungsweise – Hauptaugenmerk legten sie auf Stimme, Mimik und Gestik. Vier Studentinnen, die im Rahmen des Optionalbereiches die Studiobühne vertraten, spielten aus „Hamlet“, „Romeo und Julia“ und „Ein Wintermärchen“. Dazu ordneten, sortierten und schnitten sie die Szenen neu zusammen, so dass originelle Stücke entstanden. Die Beiträge der Folkwang Universität waren Monologe von Lady MacBeth, gespielt von Clara Kroneck und von Macbeth, gespielt von Julian Bloedorn. Außerdem stellten sie die Verzauberung der Titania aus „Ein Sommernachtstraum“ chorisch und im Sprechgesang gelungen dar. Durch Aussprache, Synchronität und Stimmenpräsenz der neun StudentInnen, tauchten die ZuschauerInnen schnell in Titanias Feenwelt ab.
 
Bei allen Stücken war das Bühnenbild höchstens durch einen Stuhl oder eine Bank erweitert. Der Botanische Garten und die natürlichen Geräusche der Umgebung haben den Stücken Bühnenbild, Ton und Licht in Fülle geliefert. 
 
„In der digitalen Welt bin ich so vielen Reizen ausgesetzt, aber hier konnte ich gezielt zuhören und entspannen“, so die Erfahrung aus dem Publikum. „Außerdem war es ein Vergnügen, mal wieder so schöne Sprache zu hören“.

Was steckt dahinter?

Impulsgeber der darstellenden Erweiterung war Prof. Dr. Thomas Stüzel, Leiter des Lehrstuhls für Evolution und Biodiversität der Pflanzen und Direktor des Botanischen Gartens an der RUB. In Kooperation mit dem Germanistischen Institut, der Studiobühne und mit der Abteilung Schauspiel des Theaterzentrums der Folkwang Universität und unter der Leitung von Dr. Annette Mönnich (Germanistisches Institut RUB), Karin Freymeyer (Studiobühne) und Claudia Hartmann (Folkwang Universität der Künste) wurde das Projekt verwirklicht. 
 
Professor Stüzel möchte gerne in Zukunft fächerübergreifende Projekte realisieren. Er bemängelt den „autistischen Spezialismus“, wobei die Projekte eine gute „Medizin“ dagegen sein könnten. Am Beispiel von Shakespeares Pflanzenwelt sieht man, dass sich das Publikum seiner Zeit mit der Bedeutung und Symbolik der Pflanzen bewusst war. Aber wer weiß denn heute noch wofür Majoran und Ringelblume stehen?
 
„Die Ausstellung ist noch etwa zehn Tage im Gewächshaus des Botanischen Gartens zu bewundern“, so Stützel.
 
:Sarah Tsah
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