Interview
Der AStA in ungewissen Zeiten
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Die AstA-Büros des Studierendenhauses: Im kommenden Semester werden hier keine Beratungen angeboten, sondern online.
Die AstA-Büros des Studierendenhauses: Im kommenden Semester werden hier keine Beratungen angeboten, sondern online.

Hochschulpolitik. Seit vergangenem Monat bilden Ron Agethen und Talha Demirci eine NaWI-Doppelspitze im AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss). Uns haben sie erzählt, wie sie ihre bisherigen Angebote trotz leerem Campus weiterführen wollen und was sie derzeit beschäftigt.

bsz: Ihr habt per Punktlandung, einen Tag vor Schließung der Uni, den Vorsitz eingenommen. Wie hat sich in den vergangenen Wochen Eure Arbeit  in dieser komplett unbekannten Situation gestaltet?

Ron: Natürlich war das eine ziemlich ungewöhnliche Situation, als wir den Vorsitz eingenommen haben. Es stellte sich erst einmal die Frage: Was ist zu tun? Wie halten wir die Kommunikation aufrecht? Wie sieht es mit der Beschlussfähigkeit aus? Das sind alles Sachen, die dann erstmal direkt auf uns eingebrettert sind. Da mussten wir uns erst einmal einarbeiten. Das ist der Grund, warum wir sehr viel Emails gelesen haben und Kontakt aufgebaut haben zur Univerwaltung und anderen. Dann haben wir uns langsam aber sicher herangewagt. Wir arbeiten jetzt über Teamspeak mit der Kommunikation, sind auch beschlussfähig, weil wir demnach die Geschäftsordnung angepasst haben, haben uns auch mit dem Justitiariat in Verbindung gesetzt, um abzusichern, dass das auch funktioniert. Und jetzt versuchen wir, das bestmögliche für die Studierenden herauszuholen.

Vorerst wird das Studierendenparlament nicht tagen. Welche Probleme schafft das für Euch, dass ihr keine Anträge mehr stellen könnt?

Ron: Wir haben gerade ziemliche Probleme dadurch. Es geht da um allgemeine Sachen, also alles, das durchs StuPa muss von Anträgen, die über das Haushaltsjahr hinaus gehen …
Talha: … oder auch Änderungen an Titeln oder Töpfen.
Ron: Es wurde vom ehemaligen Finanzreferent ein Haushaltsplan entworfen, der auf die aktuelle Krise angepasst ist. Natürlich konnte er zu dem Zeitpunkt noch nicht ansatzweise abwägen, wie es jetzt sein wird. Wir müssen jetzt erst einmal mit dem Haushaltsplan arbeiten, den wir haben. Sobald es eine StuPa-Sitzung geben wird, müssen wir diese Sachen dann besprechen.
Talha: Und wir sollten auf jeden Fall eine Lösung darüber evaluieren, falls wir in die selbe Situation kommen und nicht tagen können.
Ron: Wir müssen diesen Ernstfall zukünftig einplanen. Es gab diese Situation noch nie, deswegen hatte sie niemand auf dem Schirm. Aber jetzt ist es passiert und wir müssen damit rechnen, dass es irgendwann nochmal so kommt. Sei es vielleicht schon im Herbst, wenn die zweite Kurve kommt. Wir müssen im Sommer, wenn das Studierendenparlament wieder tagt, Vorkehrungen treffen, dass man handlungsfähiger ist.

Die Lehre wird im Sommersemester digital stattfinden. Seht ihr bei der digitalen Lehre Probleme auf die Studierenden zukommen? 

Ron: Uns ist bewusst, dass die digitale Lösung, die die UV anstrebt, nicht die beste Lösung ist. Aber es ist immerhin eine Lösung. Ob Klausuren auch digital abgewickelt werden, ist glaube ich gerade in der rechtlichen Absprache. Sollte das nicht der Fall sein, ist voraussichtlich geplant, dass man die Präsenzveranstaltungen, die Pflicht sind, so etwas wie Praktika, Laborarbeit et cetera, in eine Zeit im Semester steckt, die nicht mehr ganz so stark betroffen ist von der aktuellen Lage. Man kann das jetzt noch nicht absehen. Den Zeitpunkt muss man evaluieren. Dann könnte man sagen, dass man nach zwei Dritteln oder drei Vierteln des Semesters die Studis in kleineren Gruppen für beispielsweise Laborarbeit wieder begrenzt in die Uni schickt. Es wurde aber auch glasklar von der UV gesagt, dass es keinen Nachteil für Studierende geben soll. 

Bietet ihr Angebote dafür an, falls Studierenden durch die digitale Lehre Nachteile entstehen?

Ron: Wir haben zwei Ansatzpunkte. Zum einen sind wir dahinter her, dass die Dozierenden auch in der Lage sind, digital zu lehren. Es gibt natürlich Professoren oder Dozenten, die nicht mehr in der Lage sind, das zu bewerkstelligen. Da muss man helfen, dass sie das hinkriegen. Das haben wir auf dem Schirm und werden es bei der nächsten Sitzung mit der UV ansprechen. Wir würden uns wünschen, dass alle geschult werden diesbezüglich. Des Weiteren wollen wir eine Beschwerdestelle einrichten. Wenn man Probleme mit einem Professor hat, ist der erste Anlaufpunkt normalerweise der FSR. Da ist natürlich das Problem, dass der FSR aus Studierenden besteht. Vielleicht sind die dann nicht die beste Anlaufstelle, um sich zu beschweren. Da wollen wir dafür sorgen, dass wenn es Probleme in der Lehre oder mit Professoren gibt, man eine Anlaufstelle im AStA hat.
Talha: Damit man eine dritte Partei hat, die überhaupt nicht involviert ist. Weil es kann sein, dass Studierende, die in dem Fachschaftsrat sind, bei dem Professor arbeiten oder sich nichts vermiesen wollen, indem sie zu dem Professor gehen und sagen, es beschweren sich Leute.
Es fängt jetzt ein neues Semester an und es kommen ganz viele Erstis dazu. Die haben jetzt den schwersten Start, den man sich erdenken könnte. Da sei natürlich von unserer Seite gesagt, dass wir das Beste tun, die abzufangen und die Universität auch das Beste versucht, einen guten Start zu ermöglichen. Was mir wichtig ist, zu betonen, ist, dass wir an die Erstis denken.

Wie stellt ihr die Beratungsangebote des AStA auf online um?

Ron: Wir bauen eine vermehrte Onlinepräsenz auf. Alle unsere Beratungsstellen arbeiten weiterhin und sind telefonisch zu erreichen. Bald auch über unsere Teamspeak-Server. Das ist unser Plan derzeit. Wir sind gerade noch im Gespräch, dass wir das stemmen können, denn das ist unser großes Projekt. Wir streben an, dass wir das allen Gremien und später vielleicht den Studierenden auch, zur Verfügung stellen.
Wir haben unsere Sozialberatung digitalisiert, damit die Anträge für Hilfsfonds digital umgesetzt werden können. Wir arbeiten weiterhin grundsätzlich alles aus. Das wird von uns so breit wie möglich getreten, damit jeder, der Hilfe braucht, die auch schnellstmöglich findet.

Wie steht es um die AStA-Betriebe, also das KulturCafé und die AStA-Druckerei?

Ron:Das mit den Wirtschaftsbetrieben von uns ist eine schwierige Situation. Da die Präsenzveranstaltung nun am Campus nicht stattfinden, muss man evaluieren, wie wir weiter vorgehen. Wir sind im Gespräch mit dem restlichen AStA-Vorstand und der Universitätsverwaltung. Entlassen werden wir nicht, das ist denke ich klar. Wir wollen aufgrund der aktuellen Situation nicht noch dazu beitragen, dass Leute ihren Job verlieren. Das ist höchste Priorität. Dennoch müssen wir natürlich wirtschaftlich denken und Lösungsansätze finden, wie wir das dennoch einigermaßen aufrecht erhalten. Da sind wir am überlegen, digitale Angebote anzubieten.

Das Sommerfest wurde abgesagt. Für viele Fachschaften, Initiativen und AStA-Referate ist das Sommerfest ein wichtiger Termin um Aufmerksamkeit und Einnahmen zu generieren. Wie kommt ihr mit dem Verlust klar?

Ron: Es ist sehr tragisch, dass das Sommerfest in der Form abgesagt wird. Wir versuchen auf digitalem Wege Lösungen zu finden, dass man Präsenz für die Initiativen und Fachschaftsräte aufbauen kann. Da sind wir noch so früh in der Planung, dass wir nicht sagen können, wie es weiter geht. Wir finden es sehr schade, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die Gesundheit der Bevölkerung Vorrang hat, ist das natürlich mehr als verständlich.
Talha: Vielleicht kann man den Termin verschieben. Aber wir wissen noch nicht, wie lang diese Welle anhält und ob später eine neue kommt. Wir sind dafür offen, es vielleicht in den Winter zu verschieben,aber das sieht derzeit sehr schlecht aus.

:Das Interview führte Stefan Moll

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