Der Preis ist heiß: Nominierungen ohne Ende für „Birdman“
Den Vogel abgeschossen
Quelle: Twentieth Century Fox
Am Set: Kameramann Emmanuel Lubezki und Regisseur Alejandro González Iñárritu geben Michael Keaton detailliert Anweisungen. Quelle: Twentieth Century Fox
Am Set: Kameramann Emmanuel Lubezki und Regisseur Alejandro González Iñárritu geben Michael Keaton detailliert Anweisungen.

Der Schauspieler Riggan Thomson (Michael Keaton) wurde durch die „Birdman“-Trilogie berühmt und wohlhabend, doch rutschte der Star durch seine Absage für einen vierten Teil an den Rand der gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit. Persönlich und finanziell kämpft er nun um die Anerkennung seiner Fähigkeiten, die er durch seine Broadway-Produktion „What We Talk About When We Talk About Love“ zu erlangen hofft. Auf seiner Ruhmes-Odyssee wird er von seiner Tochter, seinem Manager und den DarstellerInnen begleitet, die es ihm nicht immer leicht machen. Widerstände sind für Birdman keine Seltenheit, denn von nahezu allen Seiten gibt es schmerzliche Kritik und Engpässe, die seine Existenz bedrohen.

„Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ ist ein mitreißender Film des Mexikaners Alejandro González Iñárritu, der mit seinen oscarnominierten Filmen „Babel“ (2006) und „Biutiful“ (2010) schon früh einige Aufmerksamkeit bekam. Die damals schon hohen Erwartungen wurden nicht erfüllt, doch diesmal sieht es richtig gut für ihn und die Crew aus, denn der Film überzeugt auf vielen Ebenen. „Birdman“ bietet komödiantische wie dramatische Momente. Der Film ist eine Satire, die ZuschauerInnen, ProduzentInnen und die verbleibenden Beteiligten des Filmapparats karikieren und so demaskieren will.

Aufstieg und Fall

Künstlerisch allegorisch beginnt es schon beim Casting. 1989 und 1992 spielte Hauptdarsteller Michael Keaton vor Christian Bale (The Dark Knight) den Batman. Jedoch konnte er, ebenso wie der von ihm dargestellte Riggan Thomson, nicht mehr an die einstigen Erfolge anknüpfen. Der Film profitiert aber nicht nur von Keaton, sondern auch von den anderen hochkarätigen SchauspielerInnen, die humorvoller Weise häufig „Superhelden-Erfahrungen“ machen konnten. Edward Norton (als Mike Shiner) spielte schon den Hulk und in „The Amazing Spiderman“ konnte Emma Stone (Tochter „Sam“) mit Spiderman (gespielt von Andrew Garfield) auf Tuchfühlung gehen. Neben diesen überzeugen auch Zach Galifianakis (als Jake), Amy Ryan (Sylvia), Andrea Riseborough (Laura) und Naomi Watts (Lesley), die die Handlung voran treiben.

Kolibrikamera am Broadway

Die Kameraführung ist großartig. Das liegt daran, dass diese scheinbar mit nur ein bis drei Schnitten auskommt und ansonsten durch „Plansequenzen“ wirkt, wenn sie den Darstellern des Broadway-Stücks folgt. Daraus ergibt sich eine unterhaltsame Dynamik, die einem das Gefühl der Unmittelbarkeit vermittelt. Dadurch wirkt es, als würde man wie ein Kolibri Thomson und den anderen durch New York und das Labyrinth des Theaters verfolgen. So zum Beispiel, wenn „Birdman“ lediglich mit seiner Feinrippunterhose verkleidet durch die Stadt läuft und ihn gierige Menschenmassen verfolgen, die ein skandalöses Video für die sozialen Medien wollen. Er hingegen hat natürlich nur eins im Sinn: die Flucht und ein gelungenes Theaterstück. Und das gelingt nicht zuletzt dem Film. Euch erwartet eine abwechslungsreiche Story, die zwar nicht zum Standard-Hollywoodkino gehört, aber vielen Geschmäckern gefallen kann.

:Alexander Schneider