Das Spiel mit den Worten
Das weiße Narrativ der Obrigkeit
Bild :bena
Symbolbild

In den letzten Wochen gab es wiederholt Angriffe aus dem rechten Spektrum. Doch eine ordentliche Einordnung scheint nicht möglich. Denn diese Menschen können anscheint nicht klar denken, obwohl sie Manifeste von über 100 Seiten schreiben, alles detailliert organisiert und geplant haben, sind sie doch einfach nur Menschen mit psychischen Problemen. 

Das Narrativ scheint einfach: Mensch kommt aus einem Land, das nicht zum „westlichen Kulturkreis“ gehört, und macht etwas Unmenschliches. Dann ist klar, wie wir es einordnen: Es ist ein Terrorist. Aus der Etymologie zeigt sich, dass sich das Wort Terror aus dem französischen ableitet und folgende Übersetzung hat: „auf Gewaltausübung fußende politische Herrschaftsform“ oder „Ausübung von Terror, System der Gewalt- und Schreckensherrschaft“. Das war noch im 18. Jahrhundert, wo das Wort zum ersten Mal in Umlauf war. Heutzutage versteht sich das Wort folgendermaßen: ‘Gewaltherrschaft, systematische Verbreitung von Furcht und Schrecken zur Durchsetzung bestimmter Machtansprüche’ ‘Schrecken, einschüchternder Eindruck, schreckender Gegenstand, Schreckensnachricht‘. Es hat sich entwickelt und bekam Einfluss anderer Sprachen wie Latein und Englisch. Diese kleine Serviceleistung ist dafür da, damit wir alle auf einer Höhe sind. Aber kommen wir mal zurück zu dem Punkt, warum weiße Menschen, die gezielt marginalisierte Gruppen EINSCHÜCHTERN und umbringen wollen, keine Terroristen sein können. Das ist im Narrativ ganz einfach! Sie haben psychische Probleme. Einfach, oder? Sie wurden manipuliert, hatten keine gute Kindheit und was sich auch immer finden mag. Achtung, ich reproduziere gleich ableistische Aussagen, die gerne in den Medien kursieren. Denn Nazis und Menschen mit rechter Ideologie sind „dumm“ und „verrückt“. Aber ist das so? Und was ermächtigt sie eine Ferndiagnose zu starten? Ah wartet, der Herr Reul hat doch eine passende Antwort für uns: dass „diese gefundenen Aufzeichnungen auch als dringender Hilferuf eines verzweifelten jungen Mannes gelesen werden können“ und dass der junge Mann „massive psychische Probleme und Suizidgedanken hatte“. Ok so weit so simpel. Was mich aber fasziniert ist, dass dieses Denken bei Einordnung von nicht rechtem Terrorismus nichtig ist. Mensch ist einfach Böse. Aber darum geht es hier nicht. Vielmehr geht es darum, dass wir wissen „Nazi sein ist doof!“ und wir unser Denken rein machen wollen. Während andere Länder mittlerweile mutiger sind und offen sagen, das war eine böswillige Tat eines Menschen, der ein gewisses Gedankengut pflegt. Mehr noch gezielt sich gegen eine Gruppe stellt und dieses einschüchtern möchte, dass es ein Terroristischer Anschlag war. Aber das wäre zu einfach und warum ist es eher angebracht, Menschen mit psychischen Erkrankungen in einen Topf zu schmeißen? Macht das wirklich Sinn? Ich sage Nein! Medien, Politiker:innen und die Gesellschaft benutzen diese, ich nenne es mal Floskel, um sich abzugrenzen. Da sie sich selbst nicht als „verrückt“ sehen. „Eigentlich war er doch immer nen ganz Ruhigen und hat auch immer die Nachbarn gegrüßt.“ Bla, Bla. Sie sprechen Menschen, die selber Waffen bauen, wissen wie man Bomben bastelt jegliche Entscheidungen ab. Warum ist das problematisch? Wir haben dadurch kein Problem mit Nazis, nein wir vernachlässigen Menschen in der Gesellschaft, die „psychische Probleme“ haben. Was ich grundsätzlich nicht verneinen würde, wenn ich an die Warteliste von Therapien denke, aber in diesem Fall ist es eine Vermeidungsstrategie, dessen was eigentlich wichtig ist. Hier wird offenkundig Rassismus und Xenophobie ausgelebt und dass das Weltbilder sind, die nicht 1945 einfach aufgegeben worden sind. Hinzu kommt, dass sie das Narrativ des Einzeltäters lieben, doch wenn in Neukölln innerhalb kürzester Zeit Häuser angezündet werden, weil dort Menschen mit Internationaler Geschichte wohnen, weiß ich nicht wie viel Einzeltäter es geben muss bis anerkannt wird, dass dies ein Problem ist. Aber das was ich hier sage, ist alles auch nur „mutmaßlich“ ein Problem.                                               

:Abena Appiah