Die unsichtbare Krankheit im Sport
Das Problem mit der Psyche
Bild: bena
Tabuthema! Der Sport und Psyche!

Kommentar. Sportler:innen arbeiten mit ihrem Körper, doch wenn der Kopf nicht so mitmacht, dann sind sie überbezahlte Millionär:innen. 

Leistungsdruck? Hohe Erwartungsanforderungen von Sponsor:innen? Diskriminierungen? Alles gehört zum Alltag von Leistungssportler:innen. Doch offen darüber sprechen? Das gehört nicht zum guten Ton! Ob es Rassismus, die sexuelle Orientierung oder die Psyche ist – am Ende zählt immer die Leistung der Sportler:innen.  Der berühmteste Sandplatz im Tennis wird in diesem Jahr vom 24. Mai bis zum 13. Juni bespielt: die French Open in Paris. Wie immer ist die Crème de la Crème des Tennissports unter den Teilnehmenden. So auch die Nummer zwei der Weltrangliste, Naomi Osaka. Die Japanerin kündigte bei ihrer Teilnahme an, dass sie an Pressekonferenzen nicht mehr teilnehmen wolle. Für die Macher:innen der French Open ein klarer Regelverstoß und das sollte Osaka glatt 15.000 Euro kosten. Osaka verzichtete ganz und trat von dem Turnier zurück und sprach im selben Atemzug an, dass sie unter Depressionen leide. Ein Thema, das im Sport nichts zu suchen hat! Schwäche, das geht doch gar nicht! Der Leistungssport zeigt sich gerne als etwas Besseres als die Norm! Eine Art Superwelt. Doch spätestens der Fall Enke hat uns gezeigt, dass Sport nicht von Depressionen heilt. Erst recht nicht, wenn der mediale Druck immer größer wird! Auch für Naomi Osaka sind die Fragen zu der Leistung von Reporter:innen eine Last. Von ihren Mitspieler:innen erntet sie Zuspruch und Unterstützung. Und die Fragen in den Pressekonferenzen drehten sich primär darum, wie andere Spieler:innen damit umgehen. Wichtig, aber diese stecken nicht in der Haut von Naomi Osaka. Es ist toll, wenn eine Venus Williams sagt, „Ich weiß, dass die, die Fragen stellen, nicht so Tennis spielen wie ich!“ aber das bringt einem im Diskurs rund um Mental Health im Sport nicht weiter! Die „ich hab‘ ein dickes Fell“-Taktik funktioniert eben nicht bei allen. 

Auch im Sport ist der Druck für marginalisierte Menschen schwieriger. Frauen wird geraten, nicht schwanger zu werden und wenn es doch passiert, dann müssen sie mit den Konsequenzen leben, die eine Geburt mit sich bringt. Nach dem Motto: Kind ja, aber dann ist deine Karriere auch leider beendet! Almuth Schult ist die einzige aktive Mutter in der der deutschen Bundesliga! Die meisten ihrer Kolleginnen haben mit dem Beginn der Schwangerschaft ihre sportliche Laufbahn an den Nagel gehängt. Alison Felix, Leichtathletin und sechsfache Olympiasiegerin, verlor ihren sportlichen Ausstatter und als sie nach der Geburt wieder zu alten Leistungen fand, wollten sie ihr 70 Prozent dessen zahlen, was sie vorher bekommen hat. Sie wurde bestraft dafür, dass sie Mutter wurde. Mittlerweile macht Nike im Jahr 2021 groß Werbung, dass auch Mütter Athletinnen sind und dass der Sportartikelhersteller diese von nun an unterstützen werde. Der Sport zeigt uns immer Glanz und Gloria und möglichst nicht politisch und das ist ein Problem, viele Themen bleiben dadurch ein Tabu! So wie der Rassismus, dem auch schon junge Sportler:innen ausgesetzt sind. Seid Visin (20) spielte unter anderem für den AC Mailand und Benevento beendete sein Leben, weil ihn die Diskriminierungen innerlich zermürbten. Mit Jeremy Wisten nahm sich ein ehemaliger Akademiespieler das Leben, weil er nach einer Verletzung den Club verlassen musste und sich allein gelassen fühlte. Das Traurige an der Sache? Es gibt immer noch Menschen, die meinen, dass sie da durch müssen! Die haben doch Geld und müssten glücklich sein! Sie sehen die harte Arbeit, die Zweifel, Ängste und das Scheitern nicht. Naomi Osaka hat einen Diskurs eröffnet, den der Sport mehr denn je braucht! Denn Sportler:innen sind immer noch Menschen und keine Ware, auch wenn die ganzen Finanzhaie, das nicht gern sehen.                  

:Abena Appiah