Reiche Studierende
Das Problem des Armutstourismus

Kommentar. Finanzielle Hilfe anzunehmen ist in Ordnung und nur unmoralisch, wenn man es nicht hinterfragt.

„Puh, ich muss wieder so viel arbeiten.“ „Ich dachte deine Eltern unterstützen dich?“ „Ja, eigentlich schon. Aber ich möchte kein Geld mehr von ihnen annehmen.“ Nicht nur bei arbeitswert-moralisch trainierten Personen, sondern auch in linken Kreisen findet sich diese Einstellung häufig. Gerne mit Hinweisen, dass man sich von den bürgerlichen Privilegien der eigenen Herkunft trennen möchte. Es geht um die noble Einstellung, sich mit benachteiligten Klassen zu solidarisieren. Das eigene Glück, in eine privilegierte Schicht geboren zu sein, nicht auszunutzen.

Aber der Schein trügt. Denn ein soziales Absicherungsnetz besteht immer – das Wissen, noch so sehr verkacken zu können, ohne die Wohnung zu verlieren, das Essen rationieren zu müssen. Armut wird dann nur zum Abenteuerspielplatz, zum McFit für die moralische Höhe. Wer die Möglichkeit hat, Unterstützung zu erhalten, sollte diese annehmen, dafür dankbar sein und es nicht als Verständlichkeit sehen. Anstatt Mindestlohntätigkeiten auszuführen, die möglicherweise noch die Jobsuche für Studierende erschweren, die wirklich darauf angewiesen sind, können Studierende aus mittelschichtigen und guten Elternhäusern ehrenamtliche Tätigkeiten ausüben oder sich sozial engagieren. Den Luxus, etwas gesellschaftlich wertvolles zu machen, haben viele, die jeden Monat ihren Lebensunterhalt erarbeiten müssen, oft nicht. Doch auch ein Fokus auf das Studium, auf den Wert der Bildung und die eigene Entwicklung, ist kein Schlag gegen die linke Streetcred. Solange man gute Verhältnisse nicht ausnutzt und unhinterfragt für den eigenen Nutzen verwendet – ein teures Auto, unkontrollierten Konsum, Luxus und fehlenden Einsatz, dass es der gesamten Gesellschaft in Zukunft besser geht – ist es in Ordnung, sich auf andere Menschen verlassen zu können. Privilegien machen keinen schlechten Menschen. Aber Armutstourismus macht ebenfalls keine 

:Stefan Moll

Autor(in):