Ride-Sharing Dienste in Deutschland
Das Land des Autos

Kommentar. Künftig sollen Dienste wie Uber in Deutschland zugelassen werden. Das ist der falsche Schritt, um Probleme zu lösen.

Der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) möchte in Zukunft deutsche Städte zunehmend für Ride-Sharing Dienste wie Uber oder Lyft öffnen. Dies soll noch während dieser Wahlperiode geschehen. Damit werde vor allem älteren Menschen auf dem Land geholfen. Doch dies ist eine Verschiebung der Verantwortung. Es soll nicht die Aufgabe von Unternehmen sein, die Fehler von mangelhaftem Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes auszubaden. Denn wenn es wirklich um Senior*innen geht, sollte Verkehrsminister Scheuer selbst Wege finden, wie Menschen im Alter ein mobiles Leben und eine Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden kann, anstatt die Zuständigkeit abzugeben. Beispielsweise könnten Kommunen, gefördert durch Bundesmittel, Angebote für Senior*innen bereitstellen, wie reguläre Taxis zu den Preisen von Bustickets zur Verfügung zu stellen.

Ein Problem der Infrastruktur

Einer der Kritikpunkte bei der Einführung von Diensten wie Uber und Lyft ist jedoch noch ein anderer: Wie eine Studie der University of California Davis sowie ein Bericht nahelegen, führen Ride-Sharing Dienste dazu, dass sich mehr Autos auf der Straße befinden, da die Benutzer*innen der Dienste diese anstatt von Mitteln wie öffentlichen Verkehrsmitteln, Fußwegen oder dem Fahrrad benutzen. Außerdem sind die Autos im permanenten Einsatz. Das führt in amerikanischen Städten zu erhöhten Verkehrsverstopfungen, auch wenn das Ausmaß des Problems diskutabel ist. Wie die vergangenen Jahre zeigten, sind bereits jetzt viele deutsche Großstädte zu hohen Stickstoffoxid-Belastungen ausgesetzt, sodass wir uns nun vor einer Reihe von möglichen Dieselnachrüstungen und Fahrverboten befinden. Gerade diese Ereignisse sollten zum Umdenken anregen und zu einer Verkehrspolitik, die effizient, platzsparend und gesundheitsfreundlich ist. Daher gilt es, die Infrastruktur für öffentliche Verkehrsmittel zu verbessern, beispielsweise durch dedizierte Busspuren auf zentralen Verkehrsstraßen, von denen aus ein enger getakteter Busverkehr stattfinden kann.                   

:Stefan Moll
 

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