TikTok- und WeChat-Verbot
Das Internet soll amerikanisch bleiben

Social Media. Die US-Regierung plant wie angekündigt mit der Sperrung beziehungsweise Übernahme von WeChat und TikTok. Das bedeutet einen wichtigen Schachzug im Wirtschaftskonflikt mit China. 

Der chinesische Tech-Entwickler ByteDance brachte 2018 mit TikTok ein Videoportal in die App-Stores, das sich großer Beliebtheit erfreute. Bis heute wurde die App mehr als zwei Milliarden Mal heruntergeladen. Ebenfalls in China ansässig ist die Entwickler-Firma Tencent, deren Chat-Dienst WeChat vorwiegend auch dort genutzt wird, und auf circa 1,2 Milliarden Nutzer:innen täglich kommt. Beide Dienste gehören mit diesen Zahlen zu den erfolgreichsten Apps der Welt. 
Das soll sich jetzt ändern, denn die USA wollen die beiden Giganten für amerikanische Nutzer:innen verbieten und sie aus den Stores entfernen. Grund dafür sind angeblich Sicherheitsbedenken wegen der Datenschutzverordnungen und deren Handhabung seitens der chinesischen Regierung. Denn es galt lange als offenes Geheimnis, dass über WeChat versendete Daten an die Regierung in China weitergegeben werden, bis dies 2017 sogar in die offizielle Datenschutzerklärung aufgenommen wurde. Eine ähnliche Spionage auch von Bürger:innen außerhalb von Chinas Landesgrenzen befürchtet die US-amerikanische Regierung. Allen voran Präsident Donald Trump, der TikTok Geschäfte in den USA verbieten will, um die Spionage von amerikanischen Bürger:innen zu verhindern. Der Beigeschmack von Doppelmoral macht sich hier allerdings breit, wenn man zum Beispiel an die Enthüllungen von Edward Snowden bezüglich der Methoden der NSA denkt. 

ByteDance muss deshalb nun versuchen, den US-Zweig ihrer Plattform an eine mehrheitlich US-geführte Firma zu verkaufen, wenn sie ihre Dienste weiterhin auch auf dem wichtigen amerikanischen Markt anbieten wollen. Als Favoriten für den Kauf dieses Zweiges gelten momentan der Software-Konzern Oracle und die Supermarktkette Walmart. Ein von Microsoft abgegebenes Angebot wurde wohl schon abgelehnt. Eigentlich sollten sowohl die Video-Plattform als auch der Chat-Dienst schon zum 20. September in den App-Stores von Google und Apple gesperrt werden. Jedoch sorgte eine Klage von WeChat dafür, dass eine amerikanische Richterin das Verbot aus Gründen der Meinungsfreiheit vorerst aussetzte. Die Frist für TikTok wurde aufgrund der voranschreitenden Verhandlungen um eine Woche verlängert.
Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, würde TikTok wohl tatsächlich vom US-Amerikanischen Markt genommen werde, was für die Plattform schwerwiegende Folgen haben könnte. Schließlich kommt ein großer Teil der beliebtesten TikToker:innen aus den USA. Wenn ihnen die Plattform genommen wird, werden sie sich eine neue suchen und vermutlich den Großteil ihres Publikums mitnehmen. Instagram steht für diesen Fall schon in den Startlöchern, denn mit ihrer neuen Funktion Instagram Reels haben sie die Funktionen von TikTok praktisch exakt kopiert und ins eigene Medium integriert. Es wäre nicht das erste Mal, dass Mutterkonzern Facebook auf diese Weise einen potenziell gefährlichen Konkurrenten entschärft. Mit der Einführung von Storys konnte schon Snapchat vor einigen Jahren durch die Kopie ihres wichtigsten Features ausgestochen werden. 

Sollten TikTok und WeChat durch diese Entwicklungen auf dem westlichen Markt wirklich aus dem Rennen genommen werden, würde dies einen großen Sieg für die amerikanische Vorherrschaft des Internets bedeuten, die durch die chinesische Konkurrenz zurzeit noch bedroht ist. Dabei geht es wohl um mehr als nur um den ehrenhaften Kampf für den Schutz privater Daten der Nutzer:innen.    
   

:Henry Klur

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