Happily ever after?
Das erste Mal
Bild: fufu
Was bringt die Zukunft? – Das fragen sich gerade vermutlich viele von Euch. Dies könnte ein märchenhaftes Szenario sein.

Märchen. Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Universität. Die Sterne stehen in ungewissen Konstellationen. Semesterbeginn. Doch wo und wie das Semester beginnt, scheint anders als zuvor. 

Alles ist anders, alles ist neu. Ferdinand (19) wurde an diesem Tag mit einem ganz neuen Gefühl wach: New year, new me! Nun ja, ein neues Jahr war es nicht, aber zumindest ein neues Semester. Ein neuer Lebensabschnitt. Ein ERSTES Semester. „Ich ziehe mein Ding einfach durch, und dann bin ich hier raus!“, sagte sich Ferdinand immer wieder.
Doch manche Dinge laufen eben oft anders als geplant. Ferdinand fing mit einem Zweifach-Bachelor an. Ein Fach, das eine Abwandlung von einem Fach war, das er schon immer gerne in der Schule hatte und ein Fach, das so… meh.. also…das musste er halt nehmen. Weil‘s da war eben. „Ich ziehe mein Ding einfach durch, und dann bin ich hier raus!“, dachte sich Ferdinand. „Und wenn Archäologie dann doch nicht so das Fach meiner Träume ist, dann finde ich meinen Sinn und Zweck bestimmt in der Zukunft.“ Ferdinand sollte später für zwei Semester Koreanistik studieren, aber das wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Hach, das erste Semester. Das wird bestimmt bis ins kleinste Detail genau das richtige für mich sein“, dachte sich Ferdinand. 

Ferdinand freute sich schon auf das Leben am Campus, volle Hörsäle, Schlange stehen in den Cafeten, angenehmer Plausch in den Vorlesungspausen. Ferdinand wusste es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber sein Alltag sollte anders aussehen. Na gut, man – beziehungsweise er – konnte es irgendwie absehen, aber man wird ja noch hoffen dürfen. Der Campus sollte fürs erste leider sein Schreibtisch sein. Und ein Computer. Idealerweise so einer mit einem Bildschirm. Und einer Webcam. Das ist 2020. Leider auch WS 2020/2021. Aber trotzdem muss es irgendwie weiter gehen. Und kann auch bestimmt irgendwie cool werden. Dennoch sollte man sich zwischendurch immer wieder ablenken. „Ich zieh mein Ding einfach durch, und dann bleib ich drinnen hier … bei mir“, dachte sich Ferdinand. Fuck. Das W-Lan war schon wieder down. Dies sollten Worte der Pein sein, mit denen Ferdinand sich in seinem Studium noch häufiger auseinandersetzen sollte. Ähnlich wie: Moodle ist down; E-Campus ist down; Die haben es immer noch nicht hingekriegt, dass E-Campus mit einem Mac funktioniert!?; und viele weitere Ausrufe.  

Ein erstes Semester kann vieles bringen. Vor allem aber erstmal viele Fragen. Die sollte man auch stellen! „Ich weiß nicht ganz, wie ich mein Ding durchziehen soll, und ich weiß nicht, an wen ich mich wenden sollte?“ Die Lage ist für alle komisch, man sollte sich jetzt noch mehr und schneller trauen zu fragen, wenn etwas unklar ist oder nicht machbar. Dies sollte Ferdinand noch rausfinden. Er sollte zunächst lernen, sehr formale E-Mails zu schreiben, nur um später festzustellen, dass alle Dozent:innen auch nur Menschen sind und auch sehr viel zu tun haben mit dem angestiegenen E-Mail-Verkehr, die Mails müsst Ihr nicht alle dreißigmal Korrekturlesen vor dem Versenden. Aber einmal drüber lesen, ob es einigermaßen verständliche Sätze sind und ob es eher freundlich als verärgert oder passiv-aggressiv rüberkommt, sollte schon sein. Dies gilt natürlich für beide Seiten! Dass es oft so ist, aber ganz bestimmt nicht immer, sollte Ferdinand unter Umständen im Laufe seiner weiteren vier verschiedenen Studiengänge, in die er später noch reinschnuppern sollte, noch lernen. Doch es schien ihm wirklich eine gute Idee im dritten Semester, sein Zweitfach Informatik gegen Kunstgeschichte zu Wechseln. Die Zukunft liegt irgendwo da draußen. 
„Ich zog mein Ding durch, und dann war ich raus!“, Ferdinand (33).                       

                          :Christian Feras Kaddoura