Gedenken heißt Kämpfen
Das Erinnern nicht vergessen
Bild: gust
Gedenken! Stolpersteine an der Querenburger Straße 24.

Der 9. November ist in Deutschland ein signifikanter Tag, aufgrund von mehreren Ereignissen, zwei davon sind besonders bedeutsam. Die freudige Nachricht des Mauerfalls am 9. November 1989 bedeutete nicht nur die Wiedervereinigung Deutschlands, (auch wenn die offizielle Wiedervereinigung noch fast ein Jahr auf sich warten ließ,)gleichzeitig war dieses Ereignis ein großer Schritt in Richtung Zusammengehörigkeit. Jedoch ist der 9. November zusätzlich der Jahrestag für ein anderes Ereignis, das die schlimmsten Seiten der deutschen Geschichte hervorbringt. Denn an diesem Tag im Jahre 1938 erfolgte die Pogromnacht, die das Leben jüdischer Menschen für immer beeinflusste.
Der Vorwand zur Pogromnacht ist das Attentat auf den Diplomaten Ernst Eduard vom Rath. Am 7. November 1938 wird der NSDAP angehörende Legationssekretär vom siebzehnjährigen Juden Herschel Grynszpan in der Deutschen Botschaft in Paris angeschossen. Einige Tage später, am 9. November, erliegt er seinen Wunden. Dieses Attentat nutzen die Nationalsozialisten als Vorwand, um ihre antisemitische Verschwörungstheorie vom Weltjudentum zu verbreiten und später das Pogrom auf die jüdische Bevölkerung zu verüben. Auch wenn die Nacht vom 9. auf den 10. November für dieses Pogrom bekannt ist, beginnen die Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden bereits am Nachmittag des 7. Novembers. 
Innerhalb dieses Zeitraums werden Synagogen in Brand gesteckt und jüdische Geschäfte geplündert und zertrümmert. Insgesamt werden zwischen 400 und 1.300 Menschen getötet oder in den Suizid getrieben. Auch, wenn die SA und die SS dieses Verbrechen anführt, beteiligt sich ein Teil der Bevölkerung an der Gewalt. Die Konzentrationslager der Nationalsozialisten sind schon vorbereitet auf das, was sich bis 1945 ereignen wird – den Holocaust.  

 

82 Jahre ist dieses schreckliche Ereignis nun her. Normalerweise gibt es zum Jahrestag dieser Gewalttat zahlreiche Gedenkveranstaltung – doch dieses Jahr mussten viele dieser Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden, wie beispielsweise in Dortmund oder Essen. 
Eine Veranstaltung, die jedoch stattfinden durfte war eine Demonstration der Partei „Die Rechte“ in Bielefeld. Diese hatten am Jahrestag der Pogromnacht zu einem Marsch zu Ehren der inhaftierten und mehrfach verurteilten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck aufgerufen. Natürlich gab es eine große Gegendemonstration mit 14.000 Teilnehmer:innen, die mit Bannern wie „Faschismus ist keinen Meinung, sondern ein Verbrechen“ durch Bielefeld zogen. Auch die Antifa Bielefeld veranstaltete an dem Tag eine Demonstration unter dem Motto „Gedenken heißt Kämpfen“, die mit 750 Teilnehmer:innen unter corona-gerechten Auflagen stattfinden konnte. 

Man muss natürlich an keinen großen Demonstrationen teilnehmen, um seine Solidarität gegenüber jüdischen Mitbürger:innen zu zeigen. Viele Einzelpersonen pilgern, wie jeden 9. November, zu Stolpersteinen in ihrer Nähe, um diese zu säubern und Blumen niederzulegen. Leider war das in diesem Jahr notwendig, da einige Stolpersteine der Stadt Bochum mit Farbe übergossen wurden. Des Weiteren wurde eine Installation zu Ehren jüdischer Sportler:innen in der Bochumer Innenstadt zerstört (:bsz 1264). 

Antisemitismus ist auch im Jahr 2020 ein immer noch präsentes Thema. Selbst wenn Ereignisse wie die Corona-Pandemie und die Wahl des US-Präsidenten unsere Aufmerksamkeit in den letzten Monaten eingenommen haben, so sollte man den Kampf gegen den Antisemitismus nie aufgeben und die schrecklichen Ereignisse des 9. November 1938 nie vergessen.

              :Augustina Berger