Firlefanz mit der :bsz
Das einmal eins des Wissens
Bild:bena
Habt ihr Euren Aluhut vergessen? Nicht schlimm, den braucht Ihr hier auch nicht.

Bei den Worten Ideologie und Extremismus denkst Du an Nazis, Querdenker:innen, Islamist:innen oder gar den guten alten Alu-Hut? Aufgepasst: eine einheitliche Definition können wir Euch leider nicht geben, jedoch eine kleine Unterscheidung!

Ideologie

Der Begriff kommt aus dem Griechischen, setzt sich aus den Worten ἰδέα: idéa sowie λόγος: lógos zusammen und bedeutet „Lehre von Ideen“ oder „Ideenlehre“. Dieser Begriff war bis zum 19. Jahrhundert eine Bezeichnung für die Wissenschaft, weil die Ideologie sich mit dem Ursprung und der  Entwicklung geistesgeschichtlicher und philosophischer Ideen befasst. Heutzutage steht das Wort im weiteren Sinne in der Bildungssprache für Weltanschauungen, die für gesellschaftliche Probleme die vermeintlich richtige Lösung zu haben glauben. Im engeren Sinne steht der Begriff auf Karl Marx zurückgehend für das „falsche Bewusstsein“ einer Gesellschaft.
In der Soziologie wird die Ideologie sogar als Bezeichnung für ausformulierte Leitbilder sozialer Gruppen und Organisationen benutzt, die als Grundstein und Rechtfertigung ihres Handelns dienen. Hierbei dienen ihre Ideen, Erkenntnisse, Kategorien und Wertvorstellungen als Grundlage für das „Wir-Gefühl“ und den Zusammenhalt innerhalb einer Gemeinschaft. Die Definition aus der Wissenssoziologie wird oft auf Ideensysteme angewandt, wenn von politischen Ideologien gesprochen wird. 

Extremismus

Der Begriff sagt erst einmal aus, dass er den demokratischen Verfassungsstaat und dessen Werte ablehnt. Somit auch die freiheitlich demokratische Grundordnung. In der Politik wird der Extremismus gern als Fremdzuschreibung und Herabsetzung des politischen Gegners benutzt.  Seit 1973 bezeichnen offizielle Behörden in Deutschland politische Bestrebungen und Werte an den äußersten Rändern jenseits der „freiheitlich demokratischen Grundordnungen“ als Extremismus. Diese werden noch einmal in fünf Phänomen-Bereiche „Rechts“, „Links“, „Ausländische Ideologie“, „Religiöse Ideologie“ und „Sonstige“ unterteilt.  

:Abena Appiah

Rechtspopulismus

Der Begriff steht für Parteien beziehungsweise Bewegungen, welche möglichst simple, aber tiefgreifende Forderungen stellen. Rechtspopulisten sprechen oft von einem „Volk“, dessen Meinung und Wohlergehen sie gegen andere, fremde Einflüsse verteidigen. Dabei wird Kultur statt „Rasse“ fokussiert. Dem „Volk“ steht dabei oft eine „Elite“ gegenüber, die selten klar benannt wird, aber die eigentliche Macht im Land und auf der Welt innehaben soll. Personenkulte und charismatische Figuren sind sehr wichtig. Drastische Strafen und Gesetze, sowie Glauben an den Kapitalismus – aber Gegnerschaft zur Globalisierung – sind Teil der Ideologie. Beispiele: AfD (DE), RN/ehem. Front National (FR), FIDESZ (HU), PiS (PL).

 

Rechtsextremismus

Rechtsextremismus kombiniert Rassismus, Nationalismus und andere Konzepte, welche die eigene Gruppe als von Natur aus als anderen überlegen darstellt. Völker beziehungsweise Ethnien, müssen dabei voneinander getrennt bleiben und die eigene Gruppe diese, wenn nötig, besiegen und vernichten. Im Gegensatz zum Rechtspopulismus ist Gewalt beim Rechtsextremismus explizit Teil der Ideologie. Der Kapitalismus wird abgelehnt und die Herrschaft und Verbrechen des Nationalsozialismus werden geleugnet aber oft auch glorifiziert. Beispiele: NPD (DE), Die Rechte (DE), BNP (UK), Combat 18 (weltweit).

 

Faschismus

Politische Bewegung aus Italien, die sich auch in Nazideutschland und anderen europäischen Ländern in den 1920ern und 30ern verbreitete. Extrem nationalistisch, autoritär, antikommunistisch und antiliberal. Wirtschaft und Alltag wird im Faschismus stark reguliert, eine Ästhetik von Männlichkeit und Gewalt wird propagiert. Religion und weltliche Mythen werden zu einer Identitätsstiftenden Erzählung der eigenen „Rasse“ verstrickt.  

:Jan-Krischan Spohr

Islamismus

Allgemein versteht man darunter eine Ideologie, die den Islam nicht nur als Religion sieht, sondern ihn zur Richtschnur für staatliche Politik macht. Während die Wissenschaft darüber streitet, wie man ihn am besten definiert, bleibt sie meist relativ sachlich. Ganz anders Politik und Medien: Islamismus ist zum Synonym für Terror und Rückständigkeit geworden, obwohl viele Islamist:innen Gewalt ablehnen. Auch handelt es sich um ein sehr modernes Phänomen, das keine 150 Jahre alt ist. Islamist:innen wollen mit einer „Rückkehr“ zum „wahren Islam“ Fremdherrschaft und eigene Rückständigkeit abschütteln. Dabei scheuen die meisten aber weder davor zurück, technische Errungenschaften aus dem Westen zu übernehmen, noch den Islam mit Konzepten wie Demokratie zu kombinieren.

Salafismus

Der eigentliche Salafismus gilt nicht als islamistisch. Im Gegenteil ist er sehr unpolitisch und konzentriert sich auf das eigene Handeln nach sehr streng ausgelegten islamischen Normen. Der politische Salafismus entstand, als ägyptische Islamisten in Saudi-Arabien den Wahhabismus kennen lernten (eine Art Salafismus, der aber an das saudische Königshaus gebunden ist). 

Jihadismus

Politischer Salafismus, der die Gewalt als politisches Mittel ideologisch stark überhöht.

Kontext

Der Islamismus entstand als Antwort auf den westlichen Kolonialismus. Zugleich wurden Islamist:innen vom Westen immer wieder gefördert, um Kommunisten oder andere „Feinde der Freiheit“ zu schwächen. So entstanden die Taliban und Al-Qaida mit Unterstützung der USA.  Gruppen wie der IS entstehen dort, wo der Westen ganze Staaten zertrümmert (wie im Irak oder Libyen) und wo Regime keine legale Opposition dulden (wie in Ägypten).

:Leon Wystrychowski

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