Wenn Esoterik auf Bio trifft
Das Demeter Debakel
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Symbolbild

Kommentar. Rewe wird Demeter Verbandsmitglied, um seinen Bio-Bereich zu erweitern. Doch was genau steckt hinter Demeter und Begriffen wie „biodynamisch“?

Rewe hat mit dem Beitritt zu Demeter einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gewagt. Seit Ende September dieses Jahrs bietet Rewe Demeter Produkte an. Doch wieso unterstützt Rewe von allen Bioverbänden gerade Demeter?
Demeter wurde 1924 gegründet und basiert auf den esoterischen Lehren Rudolf Steiners. Dieser erfand nicht nur das Konzept Waldorfschule, sondern auch die Weltanschauung „Anthroposophie“. Sein anthroposophisches Werk „Landwirtschaftlicher Kurs: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“ ist die Philosophie, auf die sich Demeter nach fast einhundert Jahren immer noch bezieht und unter dem Label „biodynamisch“ zusammenfasst.
Demeters Ideal für die biodynamische Wirtschaftsweise sieht vor, dass jeder Hof als individueller Organismus existiert. Das bedeutet beispielsweise, dass der landwirtschaftliche Ertrag an die Tiere des eigenen Hofs verfüttert wird. Konkret wird das dadurch umgesetzt, dass 50 Prozent des Tierfutters von der eigenen Marke Demeter sein muss.
Wofür Demeter auch bekannt ist, sind „biodynamischen Präparate“, für die Demeter 2018 „Das goldene Brett vorm Kopf“ in der Rubrik „Lebenswerk“ verliehen wurde. „Da werden schon mal mit Mist gefüllte Kuhhörner bei Vollmond vergraben, um deren Inhalt später homöopathisch verdünnt auf dem Feld zu versprühen,“ so das Goldene Brett.
Solche „biodynamischen“ Praktiken sind nicht wissenschaftlich bewiesen. Nichtsdestotrotz erfüllt Demeter damit selbstgesetzte Richtlinien, die laut ihrer Website „mehr als die Mindeststandards des EU-Bio-Siegels“ sind. Demeters eigene Richtlinien entsprechen denen des markeneigenen Bio-Siegels, was natürlich dazu führt, dass Demeter mehr als die notwendigen EU-Richtlinien erfüllt. Dass diese Richtlinien kontrovers sind, wird dabei allerdings außer Acht gelassen.
Dies scheinen Ideale zu sein, die Rewe unterstützt. Doch ob damit wirklich etwas Nachhaltiges für die Umwelt getan wird, ist fraglich.

:Augustina Berger