Versammlung der Unterrepräsentierten.
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Ballroom: Vom Klassizismus hin zur Moderne. Bild: kiki
Ballroom: Vom Klassizismus hin zur Moderne.

Kommentar. Manche von Euch haben vielleicht schon ein wenig über Ballroom Culture erfahren, als Ihr bei Netflix die Serie „Pose“ gesehen habt. Die Wichtigkeit einer solchen Kultur in der eigenen Stadt wird einem aber vielleicht nicht so schnell bewusst.

Wenn man an den Ballroom denkt, denkt man an große Walks und Realness, welche Person legt den besten Vogue hin, welche Person verkauft sich so real, dass die Jury keine andere Wahl hat, als „tens tens tens – all accross the board“ zu verteilen. Doch welche Bedeutung hat das alles: Vogue, Realness etc.? Fast schon ist vergessen, was der Ball für People of Colour, die anderswo nicht sein durften, war.
Es ist der Ort für diejenigen, die sonst keinen haben und sich in der damaligen Gesellschaft als ausgegrenzt verstehen mussten alleine nur aus dem Grund, dass wohl ziemlich alle dieser Personen einfach nur das Leben gelebt haben, das sie für richtig hielten. So muss der Ballroom auch immer als ein Mahnzeichen bestehen bleiben, um uns alle daran zu erinnern, dass Akzeptanz ein dauerhafter Diskurs im Miteinander bleiben sollte, wo die Ausgrenzung einzelner Gruppierungen ausgeschlossen werden muss.

Trotz allem sollten wir den Ball ncht verlieren. Es ist wichtig eine Kultur zu pflegen, die es wagt mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschlecht spielend umzugehen. Eine städtische Culture bedeutet viel mehr als einfach nur ein wenig Voguetraining und entspannte Partys. Es entsteht ein Ort, an dem Kultur geformt wird, die zukünftige Generationen beeinflusst, wie es auch die New Yorker Ballroom Szene aus den 80ern geschafft hat, ganze Generationen mit ihren Walks zu beeinflussen und Großes zu schaffen.
Wir sind als Gesellschaft vielleicht babyschritte weitergekommen und doch haben wir noch extrem viel vor uns. Solange es immer noch Diskriminierungen auf verschiedensten Ebenen in diesem Land gibt, muss man sich die Frage stellen ab wann die Diskriminierten ihre Räume einfordern sollten, um eine Gegenkultur zu gründen, die nachfragt, was wirklich echt ist. Was bedeutet es Mensch in einer Gesellschaft zu sein und wie sieht dieser aus? Vielleicht ist es auch das, was den Reiz am Ballroom so besonders macht. Wir müssen uns auf einmal mit der Frage auseinandersetzen, was es bedeutet anders zu sein. Wir sind auf einmal gezwungen aus der eigenen Welt in eine neue einzutreten, was eine*n selbst nur hoffen lassen kann, ein Verständnis für sich selbst und für andere zu entwickeln und mit diesem Bewusstsein zukünftig auf andere Menschen zuzugehen.

So sollte es vielleicht auch mehr Aufgabe von Nachtclubs sein, Ballroom mit in ihr Programm aufzunehmen, und die Formierung von verschiedenen Häusern und Familys zugänglicher zu machen, sodass auch eine neuere Art Ballroom entstehen kann. Nicht mehr in den Schatten unserer Gesellschaft, sondern in der Mitte für uns alle sichtbar, sodass der Zugang für alle einfacher wird und so hoffentlich die ein oder anderen Augen öffnet vor dem, was sonst immer weiter im Verbogenen bleiben werden muss. Dabei wird der Drahtseilakt zwischen Subkultur und Repräsentation ein womöglich unmöglicher sein, der jedoch auch Teil der Diskussion bleiben sollte, denn die Kommerzialisierung der Culture wird mit größter Wahrscheinlichkeit zu nichts weiterem führen als einer weiteren schnellen Mark auf Kosten anderer.
Wir alle suchen am Ende des Tages Akzeptanz und Gleichstellung und für zu viele ist dies noch ein zu fernes Ziel, um sich jetzt als Gesellschaft nach minimalen Erfolgen zum Thema zurückzulehnen und sich
nicht mehr weiterzuentwickeln.        

:Gerit Höller