Nightlife-Vermissung ...
Bochums Partyleben
Bild:bena
Ruhe vor dem Sturm? Wie lang bleibt das Bochumer Nachtleben noch still?

Reportage. Die aktuelle Pandemie verändert unsere Welt, wie wir sie kennen. Das Nacht- und Partyleben der Student:innenstadt Bochum und Umgebung hat sich immens verändert.  

Christi Himmelfahrt, ein Feiertag, der die Bars, Kneipen und Clubs füllt. Doch dieses Jahr war alles anders. Das Partyleben steht still. Klar können wir zu beliebten Partyreihen auf Zoom, Twitch oder YouTube vor dem Laptop oder TV abtanzen. Doch das ist nicht das Gleiche. Während die Clubkultur ums Überleben bangt und wir über „United we Stream“ diese supporten können, findet im Untergrund ein neues Phänomen statt.
Auch wenn die Clubs leer sind, die Leute finden sich zusammen, um zu Tanzen. So auch am vergangenen Donnerstag geschehen. Kleine Gruppen stellen Musik zur Verfügung und veranstalten gemeinsame Happenings. Und das mit Erfolg und Abstand. Denn wer nun denkt, dass es hier genauso abgeht wie im Club, weit gefehlt.  Nicht alle wollen sich betrinken, sondern einfach nur in den sozialen Kontakt treten. „Klar habe ich Bock drauf, mal wieder in einen Club zu gehen und dort zu tanzen, aber ehrlich gesagt, ich vermisse es nicht!“, so Sean. Er fügt an, „Ich habe sehr viele neue Menschen kennenlernen dürfen und auch mein Verhalten hat sich verändert, was ich als positiv empfinde.“ Und auch ich merke, der Vibe auf dem Tippelsberg ist anders. Nicht jede:r tanzt, vielmehr wird gesprochen, gespielt und sich die Natur angeschaut. Verschiedene Menschengruppen haben sich hier zusammengefunden, die sich auf einer konventionellen Party nicht getroffen hätten. Denn keine Türpolitik entscheidet darüber, wer dabei sein kann und wer nicht. Kleines Manko? Der Müll! Der befindet sich in überfüllten Mülleimern und Drumherum. 

Aber wie sah der Abend im Bermuda3Eck aus? Dort war es unangenehm still. Es kommt mir vor, als wäre ich in einer Geisterstadt. Ein Ort, der für sein buntes und lautes Leben bekannt ist, ist nun verstummt. Vereinzelte Gäst:innen sitzen in den Bars, holen sich Astra am Freibüdchen oder eine Pommes bei Max Frituur. Grundsätzlich haben viel weniger auf, als ich gedacht hätte. Zu schwer scheinen die Auflagen für die Gastronom:innen zu sein, denn auf weniger Gäst:innen treffen mehr Personalkosten, sodass es sich gerade für kleinere Gaststätten nicht rechnet zu öffnen. Zudem müssen sich auch die Besucher:innen der Verantwortung stellen, die sie mit einem Besuch in einer Gastronomie auf sich nehmen. Vor allem, nachdem in Niedersachsen 70 Personen in die Quarantäne geschickt wurden, da die Gäst:innen die Schutzmaßnahmen nicht erst genommen hatten.   
Vielleicht ist auch das ein Grund, dass ich vermehrt Menschengruppen vor den Kulturstätten der Stadt sehe, die ihre Unsicherheit mit dem Umgang in den Geschäften umgehen. Sie unterhalten sich zu selbstmitgebrachten Getränken und Musik. Neue Leute gesellen sich dazu und so entsteht eine neue Gruppe. Es scheint so, als ob die Clubkultur als nicht fehlend erscheint und die Menschen sich anderweitig von ihrem Alltag ablenken.  

Sind klassische Partyveranstaltungen ganz aus der Mode? Nein, natürlich nicht. Dies ist eine Momentaufnahme und gleichzeitig finden vermehrt Parties und Konzerte in Auto- und Eventkinos statt. So lädt das Autokino am Kemnader See zu verschiedenen Parties und Festivals ein, die im eigenen Auto zelebriert werden. Von Comedy hin bis zum Techno, für das Publikum wird ein breites Angebot zur Verfügung gestellt.  Egal wie, das Nachtleben hat sich verändert, aber jede:r findet seinen:ihren Weg, um gute Laune zu bekommen und sich vom Alltag abzulenken.      

  :Abena Appiah