ZwangsarbeiterInnen in Stahlhausen: Stadtrundgang klärt auf
Bochums faschistische Vergangenheit
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Die Baarestraße in Bochum-Stahlhausen: Wolfgang Dominik (r.) referiert über Bedingungen der ZwangsarbeiterInnen. Foto: euli
Die Baarestraße in Bochum-Stahlhausen: Wolfgang Dominik (r.) referiert über Bedingungen der ZwangsarbeiterInnen.

Der Bochumer Verein gehörte zu den größten Rüstungsproduzenten des Nazi-Regimes und wurde bis 1945 mehrfach als „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ ausgezeichnet. Während des Zweiten Weltkrieges raubten die FaschistInnen die nötigen ArbeiterInnen aus den besetzten Gebieten, größtenteils aus der Sowjetunion, die sie unter sklavenähnlichen Bedingungen für ihre Zwecke einsetzten: Die etwa 32.000 ZwangsarbeiterInnen zwischen 8 und 80 Jahren kamen so nach Bochum. 

Um dieser zu gedenken, organisierte RUB bekennt Farbe einen zweistündigen Rundgang durch Bochum-Stahlhausen.  Am 9. Juli wurde Wolfgang Dominik vom Verein VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) eingeladen. Das Thema seines lebendigen Referats war „Zwangsarbeit und Kriegswirtschaft während des Faschismus in Bochum“. 

An der Jahrhunderthalle fing der Rundgang an und insgesamt elf Interessierte fanden sich zusammen, um Wolfgang Dominiks mahnende Worte zur Geschichte der ZwangsarbeiterInnen in Stahlhausen zu hören.  Alexander Schneider von RUB bekennt Farbe, der als Projektstellenleiter die Gruppe von Anfang bis Ende begleitete, äußerte sich im Vorfeld des Rundgangs sehr positiv über die Idee: „Die Begegnung mit der Geschichte in Form eines Stadtrundgangs bietet viel Raum für neue Perspektiven. Sie sind eine gute Alternative zu der abstrakten Historie, die häufig nur unpersönlich in den Köpfen stattfindet.“ Auch für Dominik ist die hautnahe Berührung mit Lokalgeschichte wichtig; als jahrzehntelanges Mitglied des VVN engagiert er sich schon lange für die Opfer des Faschismus in Bochum.

Wenig bis keine Entschädigung

Auf dem Rundgang erzählte Dominik sehr detailreich von den Umständen und der Geschichte von ZwangsarbeiterInnen, von ihrer sklavenähnlichen Arbeit und Unterbringung sowie von dem Bochumer Verein, der in dem Faschismus von diesen ArbeiterInnen profitierte. So äußerte Dominik große Bedenken als es um die Erinnerung und die Entschädigung der ZwangsarbeiterInnen ging. In der Folgezeit des Faschismus fanden entsprechende Forderungen seitens der Opfer entweder kaum Gehör oder wurden sogar ignoriert. Als modernes Beispiel für ein solches Verhalten erwähnte er, dass „unter der Schröder-Regierung fünf Milliarden Entschädigung von den beteiligten Konzernen für die Ermordeten gefordert wurden. Am Ende mussten diese jedoch nur die Hälfte davon bezahlen und von dieser Hälfte wiederum zahlte der Steuerzahler für die Konzerne.“

Zu wenige Mahnmale

Die wenigen Mahnmale, die heute noch an die Opfer erinnern, sind unter anderem die Stolpersteine, die verteilt in Bochum aufzufinden sind. Während des Rundgangs bemängelte Dominik jedoch, wie wenig für die Erinnerungskultur in der Stadt getan wird. Verdrängen, Verharmlosen und Verleugnen, das Motto der Deutschen – nach der Befreiung vom Faschismus –  sei für ihn heute genauso allgegenwärtig wie damals. Es müsse mehr getan werden, um vermehrt auf die Fehler der Vergangenheit aufmerksam zu machen und um wiederum aus ihr zu lernen und sie nicht zu wiederholen. 

:Eugen Libkin