Bye Bye Party!
Bochums „ansammlungsfreier“ Sommer
Bild: kiki
 RIP: Der verhoffte Summer of Love 2020. Bild: kiki
RIP: Der verhoffte Summer of Love 2020.

Veranstaltungen. Seit einigen Wochen ist es nun offiziell: Großveranstaltungen sind bis mindestens Ende August untersagt, vielleicht sogar länger. Was bedeutet das für Bochum?

Für viele kommt die Nachricht, dass Großveranstaltungen untersagt sind, nicht überraschend. Es scheint nur eine weitere Konsequenz der momentanen Krise zu sein... Unser alltägliches Leben wird mittlerweile nur noch von einem Thema dominiert und langsam kommt es einem wie Alltag vor. Es kann daher leichtfallen, die Absage von Großveranstaltungen nicht allzu ernst zu nehmen, solange man nicht direkt davon betroffen ist. Vor allem, da wohl viele im Moment andere Sorgen haben, als unbedingt ihren verlorengegangenen Festivalsommer. Trotzdem sollte man sich auch hier vor Augen führen, dass die Absage von Veranstaltungen wie Bochum Total massive Einschnitte für die bereits geschädigten Gastronomiebetriebe bedeutet. Bei dem Festival werden jährlich schätzungsweise 90.000 Besucher*innen erwartet. Dementsprechend richteten sich auch dieses Jahr wieder viele Kleinladenbesitzer*innen, Gastronom*innen und andere Berufsgruppen auf das Festival ein, das jetzt abgesagt werden musste, um die Eindämmung des Virus zu gewährleisten.

Dass diese Maßnahme ihre Berechtigung hat, lässt sich wahrscheinlich nicht anzweifeln. Dort, wo viele Menschen auf einmal zusammenkommen und sogar an diesen Orten Essen serviert wird, ist die Gefahr einer Ansteckung besonders hoch. So wird die Aussicht auf Ende August aber wahrscheinlich für viele Gastronom*innen auch nur eine Spekulation. Die Forderung vieler: Eine klare Ansage und größere Hilfeleistungen. So kam es auch in Bochum letzten Donnerstag dazu, dass Gastronom*innen mit 322 leeren Stühlen vor dem Rathaus protestierten. Mit der langsamen Öffnung fast aller Einzelhandelsbetriebe kehrt für viele  so etwas wie Normalität in den Alltag zurück. Vor allem dadurch, dass Nordrhein-Westfalen massiv viele Sondergenehmigungen für Geschäfte hat, die eine Verkaufsfläche von über 800 Quadratmetern haben. Die Veranstaltungsindustrie ist dabei von den Sonderregelungen fürs erste ausgeschlossen, aus gutem Grund.

Die Absage von Großveranstaltungen ist ein großer Einschnitt für die Veranstaltungswirtschaft und wirft viele Fragen auf, wie man große wirtschaftliche Zweige, wie die Veranstaltungs- und Gastronomieindustrien, in der heutigen Zeit unterstützt. Zumindest reden wir hier laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband von knapp 222.000 Betrieben mit über 90 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Zudem steht die Branche auch immer wieder in der Kritik wegen schlechter Arbeitsbedingungen für ihre Angestellten, welche am Ende diejenigen sind, die wohl am Meisten an den Maßnahmen leiden werden. Es gilt also auch hier für die Bundesregierung dafür zu sorgen, dass auch diese Berufsgruppe geschützt wird, sodass in Zukunft - nach der Krise - der Alltag funktional weitergeführt werden kann und nicht viele Inhaber*innen um ihre Existenz fürchten müssen. Es scheint im Moment ein wirklicher Drahtseilakt zu sein, die verschiedenen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise möglichst gut abzufedern. Dabei rückt auch immer mehr die Diskussion eines Bedingungslosen Grundeinkommens in den Fokus, zumindest zur Überbrückung der Pandemie. Eine Grundsicherung derer, die sonst nichts haben, um Schlimmeres zu verhindern. Eine Lösung, die zumindest weiterhin im Diksurs bleiben sollte.

:Gerit Höller
Bilder: kiki