Gedenkweg zum jüdischen Leben wird erweitert
Bochumer Erinnerungskultur
Fotos: tom
Die Stele an der Ecke Massenbergstraße/Schützenbahn: Die Anfänge jüdischen Lebens in Bochum. Fotos: tom
Die Stele an der Ecke Massenbergstraße/Schützenbahn: Die Anfänge jüdischen Lebens in Bochum.

Im November 2016 wird der Stelenweg „Jüdisches Leben in Bochum – Orte der Erinnerung“ im Rahmen des Gesamtprojekts „Stationenweg zur Erinnerung an jüdisches Leben in Bochum und Wattenscheid“ um eine fünfte Stele am Springerplatz  erweitert.  In Kooperation mit dem Verein Erinnern für die Zukunft beabsichtigt die Evangelische Stadtakademie die Installation von bis zu 12 Gedenktafeln über ganz Bochum.

Bereits im Jahr 2001 entstand die erste Projektschrift für den Stelenweg, damals noch unter Dr. Manfred Keller, dem damaligen Leiter der Evangelischen Stadtakademie. Im Jahr 2010 folgte dann die Installation der ersten Stele vor der neuen Synagoge Bochum-Herne-Hattingen, welche dem jüdischen Lehrer, Sammler und Erforscher Erich Mendel, später Eric Mandell, gewidmet ist. Es folgten drei weitere, an der Ecke Massenbergstraße/Schützenbahn in der Innenstadt, an der Ecke Goethestraße/Schillerstraße und auf der Bahnhofstraße in Bochum-Langendreer.  

„Das Projekt ist hervorgegangen aus der bereits jahrzehntelangen Erforschung und intensiven Beschäftigung der Evangelischen Stadtakademie mit jüdischem Leben in Bochum und Wattenscheid und der Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus“, sagt Pfarrer Arno Lohmann, derzeitiger Betreuer des Projekts. Es soll zum einen den Opfern der Shoa gedenken, zum anderen aber auch „die gesamte Geschichte des Zusammenlebens von Juden und Nichtjuden umfassen, die belastenden und die ermutigenden Seiten“, so Keller. Im Angesicht von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus soll der Weg ebenso „exemplarisch hinweisen auf die Möglichkeiten und die Gefährdungen gesellschaftlicher Anerkennung von Minderheiten“. 

Künftig mehr Stelen

Neben der für November geplanten vierten Tafel am Springerplatz mit dem Thema „Juden am Moltkemarkt“ ist zeitnah die Installation einer fünften Gedenktafel an der Huestraße, am Standort der früheren Jüdischen Volksschule, geplant. Während erstere bereits getextet, illustriert und gestaltet wurde, sagt Keller über die zweite: „Ich hoffe, dass wir diese Stele im 2. Quartal 2017 installieren können.“

Weitere Stelen sind in Planung, bis zu 12 sollen über die gesamte Stadt verteilt aufgestellt werden. „Im Innenstadtbereich etwa planen wir eine Stele zum Neuanfang jüdischen Lebens in Bochum nach 1945.  Als Standort denken wir an das Alte Amtshaus an der Brückstraße 33, in dem die Stadt Bochum der neuen ‚Jüdischen Religionsgemeinde Bochum‘ im Jahr 1947 Raum für einen Betsaal zur Verfügung stellte“, sagt Keller.

Geschichte ist wichtig

Entlang der bisher errichteten Stelen werden von der Evangelischen Stadtakademie Führungen unter der Leitung von Dr. Hubert Schneider, Mitglied der AG Stelenweg, angeboten. Interessierte sind dazu angehalten, sich diesbezüglich direkt mit Pfarrer Arno Lohmann in Verbindung zu setzen. Auch die Stadt Bochum veranstaltet demnächst eine Führung entlang der zahlreichen Stolpersteine in der Stadt. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom 1938 findet am 9. November ein solcher statt. Treffpunkt für alle Interessierten ist 15 Uhr vor dem Nordbahnhof.

:Tobias Möller