In der Ukrainekrise gibt Russland nicht nach – außer beim Fußball
Bloß nicht ins Abseits geraten
Karikatur: ck
Russland bewegt sich: Zumindest, wenn es um Fußball geht. Karikatur: ck
Russland bewegt sich: Zumindest, wenn es um Fußball geht.

Auf Sanktionen seitens EU, USA und NATO-Staaten reagiert Russland so gut wie gar nicht, von Einlenken ganz zu schweigen. Doch dem Druck von FIFA und UEFA wird prompt nachgegeben: Die schon begonnene Eingliederung der Krim-Fußballklubs in den russischen Ligabetrieb wurde wieder rückgängig gemacht, geradezu bizzar, angesichts des ungelösten Ukraine-Konflikts und fruchtloser Krisendiplomatie.

Der Fußball – und das gilt ähnlich auch für andere Sportarten – ist nicht gerade ein Hort der Demokratie. Angefangen bei den Öligarchen und Mäzenen, die in vielen Ligen der Welt Klubs lenken – ob in Russland, der Ukraine, oder in der Bundesliga. Selbst da, wo Präsidenten oder Vorstandsbosse kein Eigenkapital in Millionenhöhe in „ihre“ Klubs spritzen, sind es oft selbstherrliche Macher, welche die Vereine führen. Es gilt also in den meisten Klubs eher Führerprinzip als Basisdemokratie.

Das spiegeln auch die Verbände und ihre Chefs wider, die sich an die Spitze gemauschelt haben – allesamt lupenreine Demokraten, diese Blatters und Platinis. Es wundert daher nicht, sie bei WM und Champions League in der VIP-Loge mit Staatschefs zu sehen, die ähnlich autokratisch sind wie sie selbst.

Demokratiemangel verbindet

Das demokratische Defizit dieser Herrenrunden ist ihr verbindendes Element; es schafft eine informelle Verständigungsebene. Durch freie Wahlen legitimierte Staats- und Regierungschefs à la Merkel, Hollande und Obama können von so einem gemeinsamen Nenner als Gesprächsgrundlage nur träumen, wenn sie sich mit Putin auseinandersetzen. Sie werden schon deswegen weniger ernst genommen, weil Putin nicht glaubt, dass sie ihre Drohungen in letzter Konsequenz auch durchziehen. Anders die FIFA: Die hat mehrfach gezeigt, was für unfaire Vertragskonditionen sie WM-Gastgebern aufdiktieren kann – maßgeschneiderte Gesetze und Steuerfreiheit für Sponsoren inklusive. Auch Fußballsperren für ganze Staaten gab es schon.

Tyrannei macht glaubwürdig

So ein tyrannisches Auftreten lässt natürlich Warnungen seitens FIFA und UEFA glaubwürdig erscheinen, wenn sie Russland dazu drängen, den Anschluss der Krim-Klubs an die russische Liga wieder zu revidieren. Der Ausschluss russischer Vereine oder der Nationalmannschaft von Champions League und WM, gar die Rücknahme der WM-Vergabe 2018 wären durchaus schmerzhafte Druckmittel. Schließlich will niemand in diesem Geschäft die Fernseh- und Sponsorengelder missen.

Nun ist es zu Kriegszeiten leicht, im nebensächlichen Fußball Zugeständnisse zu machen, für die auf anderen Gebieten die politischen Kosten zu hoch wären. Der Sport, gerade der Fußball, hätte sicher größere Sanktionspotentiale, doch bleibt er weiter ausgeklammert – verständlicherweise. Wenn sich die Verbände sonst jegliche politische Einflussnahme verbitten, können sie sich selbst in einer Krise wie dem Ukraine-Konflikt schlecht einseitig vereinnahmen lassen. Dann würden sie sich schließlich in den Augen all der Despoten diskreditieren, die so gern in den Fußball investieren. Somit würden sie sich nur selbst ins Abseits manövrieren, hätten dann aber immerhin erneut eine Gemeinsamkeit mit Putin. Damit kann man arbeiten.

:Johannes Opfermann